An der Frankfurter Uniklinik gibt es Streit zwischen Leitung und Personalrat. Rund 300 Mitarbeiter baten Eintracht Frankfurt in einem offenen Brief um Spenden für Corona-Tests. Das hat juristische Folgen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Streit um Corona-Tests an der Uniklinik Frankfurt

Das Universitätsklinikum in Frankfurt.
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"Liebe Spieler, liebe Präsidiumsmitglieder" - so freundlich beginnt der offene Brief an Eintracht Frankfurt, und so freundlich ist auch sonst der Ton des Schreibens. Absender ist der Personalrat des Universitätsklinikums Frankfurt. 290 Klinikmitarbeiter unterzeichneten den Brief Ende Mai. Die Geschäftsführung der Klinik war und ist mit dem Brief allerdings überhaupt nicht einverstanden.

Die Unterzeichner bitten darin die Eintracht, "Testpatenschaften" zu übernehmen, also Geldspenden, um die Klinik-Mitarbeiter regelmäßig auf Corona zu testen. Bundesliga-Spieler bekämen solche Tests, heißt es in dem Brief: "Uns dagegen, die direkt tagtäglich mit potenziell und tatsächlich an Covid-19 erkrankten Menschen konfrontiert sind, werden diese Routine-Tests nicht zugestanden." Es würden nur Mitarbeiter getestet, die schon Symptome zeigten.

Abmahnung gegen Personalratsvorsitzenden

Die Sache ist inzwischen vor Gericht gelandet. Denn nach Meinung der Klinikleitung ist genau diese Behauptung falsch. Tatsächlich, so ein Kliniksprecher, würden den Mitarbeitern schon seit Monaten so genannte anlasslose Tests angeboten. Unabhängig davon, ob jemand Symptome zeige oder ein konkreter Infektionsverdacht bestehe. Weiter will sich die Klinik nicht zu dem Vorgang äußern - mit Verweis auf den laufenden Rechtsstreit mit dem Personalratsvorsitzenden Uwe Richtmann.

Die Klinikleitung hat Richtmann abgemahnt. Er habe gewusst, dass die Behauptungen in dem Brief objektiv unwahr seien, und in Kauf genommen, "das Ansehen des Universitätsklinikums in der Öffentlichkeit zu schädigen", heißt es in der Abmahnung. Sollte er das noch einmal tun, werde eine Kündigung erwogen. Richtmann hingegen will die Abmahnung nicht hinnehmen und wehrt sich juristisch dagegen.

Gütetermin aufgehoben

Unterstützung bekommt Richtmann von der Gewerkschaft Verdi. Hilke Sauthof-Schäfer vom Verdi-Fachbereich Gesundheit vermutet, dass die Klinikleitung gezielt einen Mitarbeitervertreter unter Druck setzt: "Das sind Einschüchterungsversuche, die natürlich auch auf Belegschaften Auswirkungen haben."

Der Brief der 290 Mitarbeiter sei im Übrigen inhaltlich richtig gewesen, glaubt Sauthof-Schäfer. Nach ihren Informationen hätten die meisten Kliniken, so auch die Frankfurter Uniklinik, Mitarbeiter in der Regel nur dann getestet, wenn man - wegen Symptomen oder Kontakten - eine Infektion befürchtet habe. Wöchentliche Routinetests wie in der Fußball-Bundesliga gebe es für Klinikpersonal meist nicht.

Am Montag sollten sich die Kontrahenten eigentlich zu einem Gütetermin vor dem Frankfurter Arbeitsgericht treffen. Doch dieser wurde kurzfristig aufgehoben, wie das Gericht am Freitagabend mitteilte. Ein neuer Termin wurde noch nicht angesetzt. Zu den Gründen machte das Gericht keine Angaben.

Eintracht Frankfurt hält sich raus

Die Eintracht hielt sich unterdessen aus dem Streit heraus. Zu "Testpatenschaften" kam es nicht. Man habe das Schreiben bekommen und sich bei der Klinik gemeldet, erklärt ein Sprecher von Eintracht Frankfurt. Der klinikinterne Zoff sei dabei klar geworden, die Aktion danach kein Thema mehr gewesen. "Wir möchten uns nicht zur Austragung von internen betriebspolitischen Angelegenheiten instrumentalisieren lassen", so der Sprecher. Von offizieller Seite habe die Klinik die Eintracht auch nie um "Testpatenschaften" gebeten.

Sendung: hr-iNFO, 23.10.2020, 6 Uhr