Krippe

Vertreter der christlichen Kirchen haben zu Weihnachten das Leid in der Corona-Pandemie und das Schicksal von Flüchtlingen in den Mittelpunkt gerückt. Ein Überblick der kirchlichen Botschaften.

Videobeitrag

Video

Weihnachtsgottesdienste und Gespräch mit Bischof Bätzing

hessenschau vom 25.12.2021
Ende des Videobeitrags

Spaltung überwinden, Frieden schaffen, Wege aus der Krise finden. Die Folgen der Corona-Pandemie, aber auch die Situation von Flüchtlingen standen im Zentrum der Weihnachtspredigten der christlichen Kirchen. Der Überblick:

Fuldaer Bischof Gerber: "Vertrauen auf Gott ersetzt nicht Vertrauen in Medizin"

Porträt von Michael Gerber

In seiner Weihnachtspredigt hat der Fuldaer Bischof Michael Gerber seinen Impfaufruf erneuert. Wer im kalten Nebel ohne angemessene Kleidung unterwegs sei, gefährde die eigene Gesundheit, wer ohne Scheinwerfer fahre, zudem auch andere, sagte der Bischof am Freitag bei seiner Christmette im Fuldaer Dom. Präventive Schutzmaßnahmen und insbesondere die Impfung könne man auch als einen Akt der Dankbarkeit gegenüber Gott verstehen. "Schließlich hat er uns den Verstand gegeben, mit dem wir Ursachen erforschen und Gefahren abwenden können", betonte Gerber: "Das Vertrauen auf Gott ersetzt nicht einfach das Vertrauen in die Medizin."

Der Fuldaer Bischof sieht derzeit einen steigenden Druck und gewachsene Unsicherheit, wie es mit der Corona-Pandemie weitergeht. Die Wirkung der Pandemie scheine allen in den Poren zu stecken, . Zudem sei der unterschiedliche Zugriff auf Ressourcen Ursache gegenwärtiger Konflikte. "Wer hat in unserer Welt welchen Zugang zu welchen Ressourcen? Welche Interessen und Machtspiele sind damit verbunden?", fragte Gerber.

Limburger Bischof Bätzing: "Glauben kann helfen, sich selbst zu akzeptieren"

Der Limburger Bischof Bätzing beim Gottesdienst

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, ging in in seiner Weihnachtspredigt auf die Situation von weniger Privilegierten ein. Viele Menschen in Deutschland litten unter Selbstzweifel, sagte der Limburger Bischof am Samstag im Limburger Dom. Er frage sich, wie es dann erst denjenigen gehen müsse, denen die Lebensgrundlagen systematisch entzogen würden. "Die flüchten müssen, weil Versteppung und Dürre, Fluten und andere Katastrophen ihren Lebensraum vernichten oder weil sie seit Kindertagen immer nur Krieg und Angst kennen - und dann an den Grenzen Europas auch noch benutzt werden im Kalkül eines autokratischen Machthabers."

Damit spielte Bätzing auf die Lage der zwischen Belarus und Polen gestrandeten Flüchtlinge an. Weiter fragte Bätzing: "Wie kommen die mit sich selbst klar, denen man nachstellt, nur weil sie beeinträchtigt sind, eine andere Hautfarbe haben, eine andere Geschlechtsidentität, weil sie anders glauben oder einer anderen kulturellen Prägung angehören?" Der Glaube könne helfen, sich selbst zu akzeptieren, sagte Bätzing. Denn nach christlicher Überzeugung dürfe sich jeder Mensch so wie er sei von Gott angenommen fühlen.

Mainzer Bischof Kohlgraf: "Eine Zeit vieler verwundeter Seelen"

Peter Kohlgraf

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sieht angesichts der Corona-Pandemie noch kein Ende der gesellschaftlichen Debatten. "Wir feiern Weihnachten in einer Zeit vieler verwundeter Seelen", sagte Kohlgraf in seiner Weihnachtspredigt am Samstag im Mainzer Dom. Die einen seien selbst an dem Virus erkrankt, hätten Sorge um ihre berufliche und existenzielle Zukunft oder einen Menschen durch den Tod verloren.

Die anderen Menschen fühlten sich verletzt durch ihnen nicht einsichtige Corona-Regeln, sie fühlten sich ausgegrenzt und herabgesetzt. Die Folgen seien laut wahrnehmbar. Eine Weihnachtspredigt solle aber verbinden und nicht neue Spaltungen hervorrufen oder vertiefen. "Daher will ich hier nicht näher auf Vernunftgründe eingehen, auf Verschwörungstheorien oder andere Unsicherheiten."

Corona sei die eine Seite. Die andere zeichne sich auch ab in den Auseinandersetzungen über notwendige oder vermeintlich unverzichtbare Reformen, sagte Kohlgraf. "So notwendig die Suche nach glaubwürdigen Strukturen und Formen kirchlichen Lebens sind, so notwendig ist der gemeinsame Blick auf Christus, auf das Kind in der Krippe, das die unglaubliche Kraft hat, Spaltungen zu überwinden und Gemeinsamkeiten zu schaffen."

Bischöfin Hofmann (EKKW): "Familien und Kirchen vor Zerreißprobe"

Beate Hofmann

Die kurhessische Bischöfin Beate Hofmann betonte an Heiligabend, dass der Friede an Weihnachten aus Versöhnung rühre. "Gott kommt dahin, wo wir im Zwist zwischen Geimpften und Ungeimpften gerade nicht weiter- und auch nicht zueinanderkommen“, sagte sie in der Christvesper am Freitagabend in der Kasseler Martinskirche.

"Die Hoffnung auf ein Ende der Pandemie, auf eine Rückkehr ins alte Normal ist bitter enttäuscht worden", beklagte die Bischöfin in der Predigt. Der Streit ums Impfen, um Zugangsregeln und Gesundheitsschutz zerreiße Familien und Freundschaften. "Auch als Kirche stecken wir mitten in dieser Zerreißprobe: Zum Impfen ermutigen, für alle da sein, mit allen sprechen, die Vulnerablen besonders im Blick haben - die letzten Wochen waren ein Balanceakt", resümierte Hofmann.

Darum steche der Ruf der Weihnachtsbotschaft "Friede auf Erden" in diesen Tagen besonders hervor. An Weihnachten werde sichtbar: "Gott wird Mensch, versöhnt sich mit uns, bringt Licht dahin, wo es dunkel, düster, traurig ist." Weihnachten verändere die Welt und mache sie heller, schloss Hofmann.

Kirchenpräsident Jung (EKHN): "Weihnachten ist Fest der tiefsten Fragen"

Volker Jung

Volker Jung, Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), betonte in seiner Weihnachtspredigt die "magnetische Kraft" von Weihnachten. "An Weihnachten geht es im Tiefsten um das Geheimnis des Lebens", sagte er in seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag. "Es ist ein Fest, an dem es um die tiefsten Fragen des Lebens geht."

Ein Menschenleben sei mehr als ein Produkt des Zufalls, so Jung. "Ein Menschenleben ist mehr als eine biochemische Maschine. Ein Menschenleben ist von Gott gewollt und es ist mehr, als alles, was wir hier vor Augen haben."

In seiner Predigt ging der EKHN-Präsident auf die Corona-Pandemie und die Sorgen vieler Menschen ein: "Wir sind in einer Zeit, in der sehr vieles auf uns lastet. Die Pandemie macht große Sorgen. Die Nerven sind sehr strapaziert. Manche machen sich viele Sorgen um die eigene Zukunft oder auch um die Zukunft der Kinder und Enkelkinder." Gerade jetzt brauche es viele Menschen, die nicht nur an sich selbst denken, so Jung.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen