In der Corona-Pandemie kann das diesjährige Weihnachtsfest aus Sicht der Kirchen in Hessen Hoffnung und Zuversicht spenden. Ein Überblick der Weihnachtsbotschaften.

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hessenschau vom 26.12.2020
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Fuldaer Bischof Gerber spricht von "Pandemie der Einsamkeit"

Porträt von Michael Gerber

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber hat in der Corona-Krise bei einem Festgottesdienst am Freitag von einer "Pandemie der Einsamkeit" gesprochen. Man dürfe den Begriff der Pandemie nicht inflationär benutzen. Doch es müsse nachdenklich stimmen, "wenn offenbar diese Erfahrung um sich greift, die mehr und mehr Menschen machen: Eigentlich habe ich kein echtes Gegenüber", sagte der katholische Geistliche am 1. Weihnachtsfeiertag im Fuldaer Dom bei einem Festgottesdienst. Gerade Situationen wie die derzeitige Corona-Krise könnten Menschen formen. "Das kann positiv wie negativ sein, traumatisierend wie heilend."

In einer Videobotschaft zum Weihnachtsfest hatte Gerber zuvor gesagt: "Viele von uns betrauern den Tod von lieben Angehörigen, die an und mit Corona gestorben sind." So gebe es bei nicht wenigen die Sorge, wie sie dieses Weihnachtsfest gut verbringen können. Die Botschaft des Engels im Evangelium der Heiligen Nacht - "heute ist Euch der Heiland geboren" - erscheine vielen "inzwischen zwar fremd oder gar altertümlich", erklärte Gerber, doch liege darin eine tiefe Botschaft: "Hier wird die heilsame Wirkung der Gegenwart Jesu erfahrbar."

Limburger Bischof Bätzing: Jede Nacht endet

Der Limburger Bischof Bätzing beim Gottesdienst

Der Limburger Bischof und Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, kritisierte mit Blick auf erschreckende Bilder des Jahres 2020 etwa aus Bergamo die Missachtung der Menschenwürde. Weihnachten sei das große Fest der Menschenwürde, sagte er in einer am Freitag im Internet übertragenen Weihnachtspredigt. Doch diese Würde werde oft missachtet.

Bätzing verurteilte in seiner Predigt die Anschläge in Hanau, Trier, Wien und anderswo. Fremdenfeindliche, antisemitische, islamistische, rechts- und linksextreme Gewalt nehme weltweit zu. Der Bischof erinnerte an die Vertreibung und Ermordung von Minderheiten oder auch die zunehmende häusliche Gewalt in der Pandemie. Auch Gewalt gegen Kinder machte er zum Thema. Der Missbrauchskomplex von Münster habe ein Ausmaß des Grauens offenbart, sagte er.

Zuvor hatte der Limburger Bischof den Menschen an Weihnachten Mut zugesprochen. "Keine Nacht hält, was sie befürchten lässt. Jede Nacht endet", sagte Bätzing an Heiligabend in der Christmette im Limburger Dom.

Mainzer Bischof Kohlgraf: Menschwerdung Gottes macht froh

Peter Kohlgraf

Für den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf bringt der Glaube an die Weihnachtsbotschaft mehr Freude ins alltägliche Leben. Wer Weihnachten feiert und "die Menschwerdung Gottes glaubt", dürfe froher leben und tiefer glauben, sagte Kohlgraf am ersten Weihnachtsfeiertag im Mainzer Dom laut Manuskript. Wer Weihnachten feiert, erkenne den tieferen Sinn christlicher Nächstenliebe. Auch wenn es wegen Corona diesmal keine ausgelassenen und fröhlichen Weihnachten seien: "gnadenreiche" seien es in jedem Fall. Das Bistum Mainz erstreckt sich über weite Teile Hessens.

Zur Diskussion über Präsenz-Gottesdienste an Weihnachten sagte Kohlgraf: "Die Sorge um die leibliche Gesundheit ist ein starkes Argument, sie nicht öffentlich zu begehen." Viele Menschen hätten sich daher entschieden, zu Hause zu feiern. "Wir haben uns dennoch entschieden, die gemeinsame Feier von Gottesdiensten in den Kirchen zu ermöglichen", betonte der Mainzer Bischof. "Denn Leben bedeutet mehr als ein Leben in körperlicher Gesundheit. Wir dürfen heute diesen tieferen Sinn, die Geborgenheit feiern, die der Glaube uns schenkt."

Bischöfin Hofmann (EKKW): Dank an Pfleger und Helfer

Beate Hofmann

Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Beate Hofmann, sagte in einer digitalen Andacht, Weihnachten hänge "nicht an uns, auch nicht an Corona. Weihnachten wird es, weil Gott Mensch geworden ist." Die Krippe lasse sie an Menschen denken, die in diesen Tagen etwas täten, das andere trage. "Ich denke an Pflegekräfte, die für viele alte und für kranke Menschen in diesen Tagen zur Familie werden, sie hindurchtragen durch Quarantäne, Krankheit und Einsamkeit."

Ihre Gedanken seien auch bei jenen, die in den letzten Monaten Sorgenetze geknüpft hätten, etwa durch Telefonketten, Einkaufshilfen oder Gartenzaungespräche, sagte die Bischöfin. "Wo ich andere trage, mich anbiete als Krippe, wo sie ihre Sorgen hineinlegen können, da bin ich selbst getragen, und da wächst Freude."

Kirchenpräsident Jung (EKHN): Hoffnung in der Pandemie

Volker Jung

Für den Präsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, ist Weihnachten ein Fest, das in der Corona-Pandemie Hoffnung macht und Kraft zum Leben gibt. "Wer Vertrauen und Hoffnung in sich hat, bekommt neue Kraft", predigte Jung gemeinsam mit Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm an Heiligabend im ZDF.

Der Alltag angesichts der Corona-Pandemie sei von "dunklen Schatten" bestimmt. Das "Licht der Heiligen Nacht" mit der Zusage Gottes, immer an der Seite von bedrohten Menschen zu stehen, könne das Leben aufhellen. "Ich wünsche so sehr, dass das Licht der Heiligen Nacht uns gerade jetzt erreicht. Mit dem Licht der Heiligen Nacht ist auch die dunkelste Nacht nicht mehr dunkel."

Gottesdienste im Livestream

Aufgrund der hohen Corona-Infektionszahlen in Deutschland hatten die Kirchen das Angebot von Präsenzgottesdiensten zu Weihnachten in diesem Jahr stark eingeschränkt, die Teilnehmerzahlen wurden begrenzt. Dafür wurden mehr Gottesdienste im Internet und im Fernsehen übertragen.

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Audioseite Bischöfe betonen Hoffnung und Zuversicht

Bischof Michael Gerber am 1. Weihnachtsfeiertag im Fuldaer Dom.
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Sendung: hr-iNFO, 24.12.2020, 17 Uhr