Eine Aktivistin wird von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Nach den Räumungen im Dannenröder Forst wird weiter gegen einige A49-Gegner ermittelt. Aber auch Beamte müssen sich nach Zusammenstößen mit Demonstranten verantworten.

Die Proteste von Gegnern des A49-Ausbaus in Mittelhessen beschäftigen nach den Rodungen im Dannenröder Forst und anderen Waldgebieten weiter die Staatsanwaltschaften. Die Ermittler suchen noch immer nach einem unbekannten Mann, der ein hohes Holzgestell zum Einsturz gebracht haben soll, das beinahe Polizisten getroffen hätte.

Die Fahndung laufe, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen. Ermittelt wird unter anderem wegen des Verdachts des versuchten Totschlags.

Weiterhin in Untersuchungshaft sitzt eine Aktivistin. Ihr wird gefährliche Körperverletzung, Widerstand sowie tätlicher Angriff gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Die Frau, die bislang keine Angaben zu ihrer Identität machte, soll bei der Räumung eines Plateaus in etwa 15 Metern Höhe Polizisten getreten und geschlagen haben. Bei dem Vorfall habe ein Beamter beinahe das Gleichgewicht verloren.

Identität der A49-Gegner zum Teil unklar

Eine weitere Person sitzt in U-Haft unter anderem wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung - wegen mutmaßlicher Steinwürfe auf Polizisten. Auch in diesem Fall habe die Identität bisher nicht festgestellt werden können.

Um die Rodungen für den Weiterbau der A49 aufzuhalten, hatten Umweltaktivisten Waldstücke bei Homberg (Ohm) im Vogelsberg und Stadtallendorf (Marburg-Biedenkopf) "besetzt". Dabei bauten sie Barrikaden und harrten in Bäumen, Baumhäusern und hochbeinigen Holzgestellen aus.

Ein Waldbesetzer in einer Hängematte wird von Einsatzkräften der Polizei geborgen.

Die Polizei war zwischen Oktober und Mitte Dezember mit einem Großaufgebot vor Ort, um das Gebiet zu räumen. Die Baumfällungen im Dannenröder Forst, im Maulbacher Wald sowie im Herrenwald sind bis auf Restarbeiten abgeschlossen. Der Weiterbau der A49 soll im Frühjahr anlaufen.

Einige Aktivisten hatten sich aus Protest gegen das umstrittene Verkehrsprojekt auch von Autobahnbahnbrücken abgeseilt und so den Verkehr ausgebremst. Mehrere Menschen kamen danach in Untersuchungshaft. Diese seien mittlerweile wieder entlassen worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Die Ermittlungen gegen die Personen wegen Nötigung dauern demnach an.

Strafanzeigen gegen Beamte

Aber auch Polizisten müssen sich nach teils gewalttätigen Zusammenstößen mit Demonstranten noch verantworten. Mehrere Strafanzeigen gingen gegen Einsatzkräfte ein. "Die Polizei hat derzeit eine einstellige Anzahl an Strafanzeigen in Bearbeitung", berichtete ein Polizeisprecher in Gießen dem hr.

Polizisten heben ihre Schlagstöcke im Dannenröder Forst.

Dazu zählten auch die beiden Anzeigen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung im Amt wegen des Durchtrennens sowie des Heruntertretens von Seilen, welche in der Folge möglicherweise zu Abstürzen von zwei Ausbau-Gegnern führten.

Zum Ermittlungsstand machte die Polizei keine Angaben und verwies an die Staatsanwaltschaft. Ein Sprecher der Behörde in Gießen erklärte, dass noch kein Verfahren zum Abschluss gekommen sei. Er sagte, dass eine Strafanzeige auch mehrere Beamte betreffen könne, wenn es etwa um den von Demonstranten pauschal geäußerten Vorwurf der Polizeigewalt gehe.

Polizisten transportieren die verletzte Person ab.

Die Polizei erklärte zum weiteren Vorgehen: Nach einer Strafanzeige werde grundsätzlich auch ein Disziplinarverfahren durch die Polizeibehörde eingeleitet, bei der der Beamte tätig ist - also auch in anderen Bundesländern, weil Polizisten aus ganz Deutschland im Einsatz waren. Die Disziplinarverfahren ruhten aber erstmal, bis die Strafverfolgungsbehörden Entscheidungen in den Verfahren gefällt haben.