Der elfjährige Jan mit Ball - Ilena mit ihrem Vater
Der elfjährige Jan mit Ball - Ilena mit ihrem Vater Bild © Jenny Klestil

Die Frankfurter Fotografin Jenny Klestil porträtiert Menschen mit Down-Syndrom. Die Bilder zeigen Glücksmomente und Bilder voller Lebensfreude. Nur eines gibt es bei ihr nicht: Mitleid.

Der elfjährige Jan ist aufgeregt. Eine Fotografin aus Frankfurt ist gekommen und macht Fotos von ihm und seinen Eltern - oben auf der Streuobstwiese hinter ihrem Haus in Maintal-Bischofsheim. Wie er da mit dem Fußball zwischen seinen Eltern hin und her schießt, übersieht man schnell, dass Jan kleiner ist als Gleichaltrige und geistige und körperliche Einschränkungen hat. Jan hat das Down-Syndrom - auch Trisomie 21 genannt. Er lacht und redet viel, umarmt jeden, der ihm sympathisch ist, auch die Fotografin Jenny Klestil.

Jan mit seiner Mutter Angelika
Jan mit seiner Mutter Angelika Bild © Jenny Klestil

Für Mutter Angelika Jungmann ist das eine Grundvoraussetzung, damit die Foto-Session mit ihrem Sohn überhaupt klappen kann: "Wenn er sich unwohl fühlen würde, würde er bocken, die Szene verlassen. Aber solange er Spaß dabei hat, ist es überhaupt kein Problem."

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Welt-Down-Syndrom-Tag

Der 21. März wird seit einigen Jahren weltweit als Down-Syndrom-Tag begangen. Das Datum bezieht sich auf die Genmutation der Betroffenen: Das 21. Chromosom oder Teile davon sind dreifach (deshalb der März) vorhanden. Das führt zu verschiedenen körperlichen und geistigen Behinderungen. In Deutschland leben derzeit schätzungsweise 500.000 Menschen mit Down-Syndrom.

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Jenny Klestil fotografiert "Menschen mit Extra", wie sie sagt. Über 1.300 Menschen mit Down-Syndrom hat sie inzwischen fotografiert, vor allem in ihrem natürlichen Umfeld und vertrauten Situationen. "Glück kennt keine Behinderung" nennt sie ihr Projekt. Ihre Fotos wurden schon in über 150 Ausstellungen in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt.

Sie könne sich bis heute nicht satt sehen an den natürlichen Bildern, die bei den Treffen mit ihren Models entstünden, sagt sie. "Da gibt’s nicht so was wie: Hach, ich hab mir die Haare nicht gewaschen. Sondern die finden sich per se richtig gut, wie sie sind. Wir alle können uns davon eine Scheibe abschneiden", sagt die 41-Jährige.

Eltern erfuhren erst bei Geburt von Down-Syndrom

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Jans Eltern haben erst bei seiner Geburt erfahren, dass er das Down-Syndrom hat. "Am Anfang war es ein Schock", sagt Vater Jungmann. Im Rückblick aber auch eine Riesenchance: "Das hat uns als Familie noch enger zusammengeschweißt." Heute spielt Jan im örtlichen Fußballverein in der F-Jugend und geht unbefangen und meist glücklich durch die Welt. Zum Foto-Shooting trägt er ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Es müsste mehr von meiner Sorte geben."

"Die Offenheit, mit der er Menschen begegnet, ist für uns oft Vorbild", sagt Mutter Angelika. Sie will anderen Eltern Mut machen, keine Angst davor zu haben, ein Kind mit Trisomie zu bekommen: "Ich denke, jedes Kind ist ein Glück, wenn es auf die Welt kommen darf. Und man muss das Leben mit ihm leben."

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Durch ihre Arbeit seien mittlerweile viele Freundschaften entstanden zu Menschen mit Down-Syndrom, sagt Fotografin Klestil. Viele Familien hätten schon oft die Frage zu hören bekommen, ob sie denn nicht vorher von der Behinderung ihres Kindes gewusst hätten. Ein Bluttest in der Schwangerschaft kann mögliche Behinderungen schon früh erkennen. Die aktuelle Diskussion darum, ob er von den Kassen bezahlt werden soll, hält Jenny Klestil für ein falsches Signal: "Werden dann Menschen mit Extras aussortiert, die vermeintlich nicht perfekt sind?"

Dieter Müller: "Der Jan ist immer lustig"

Hat Jan auch schon in ein Fußballcamp eingeladen: Ex-Fußballspieler Dieter Müller
Hat Jan auch schon in ein Fußballcamp eingeladen: Ex-Fußballspieler Dieter Müller Bild © Jenny Klestil

Der zweite Teil des Foto-Shootings findet bei einem prominenten Nachbarn statt: Dieter Müller, Ex-Fußballnationalspieler und langjähriger Präsident der Offenbacher Kickers. Er wohnt gleich neben den Jungmanns, begegnet Jan fast jeden Tag und hat ihn schon in sein Fußballcamp eingeladen. Dieter Müller ist Jans großes Vorbild.

Der frühere Profi-Fußballer ist begeistert von Jans Lebensfreude: "Der Jan ist immer lustig. Es geht einem ja auch mal nicht so gut. Aber wenn er mich sieht, ruft er immer: Hallo Dieter, wie geht's dir? Das finde ich beeindruckend", sagt Müller. Die Fotos der beiden sind übrigens Ende April beim Down-Sportfestival in Frankfurt zu sehen.