Symbolbild Omikron-Variante

In vielen Ländern steigen die Infektionszahlen wegen der Omikron-Variante stark an. In Hessen bleiben sie konstant. Zahlreiche Gesundheitsämter gehen allerdings davon aus, dass die aktuellen Zahlen unvollständig sind.

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Audioseite Inzidenz wohl deutlich höher

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Noch vor Kurzem galten Länder wie Spanien und Portugal wegen ihrer hohen Impfquoten als Vorbilder. Doch nun werden sie von der Omikron-Variante überrollt - die Inzidenzen in den Ländern steigen stark an. Auch in Deutschland warnen zahlreiche Virologen und Virologinnen aufgrund von Omikron vor einer fünften Welle.

Doch die Zahlen in Deutschland stützen diese Sorgen nur teilweise. In Hessen bewegen sich die Inzidenzen zur Zeit auf einem konstanten Niveau, sind im Vergleich zu Anfang und Mitte Dezember sogar gesunken. Am Mittwoch betrug die Inzidenz laut Robert Koch-Institut (RKI) 175,1 und lag somit den fünften Tag in Folge unter 200. Davor hatte die Inzidenz zuletzt am 16. November unter 200 gelegen (197,4). Der erste Omikron-Fall in Hessen war Ende November bestätigt worden.

"Da die Omikron-Variante deutlich leichter übertragen wird als die bisher zirkulierenden Virusvarianten ist damit zu rechnen, dass sie sich wie in anderen Staaten schnell ausbreiten und zur vorherrschenden Variante wird", teilte das Sozialministerium am Mittwoch dem hr mit. Steigende Infektionszahlen seien deshalb nicht auszuschließen.

Testungen gehen zurück

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Infektionen liegt nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zwei bis drei Mal höher als in den derzeitigen Statistiken ausgewiesen. Er warnte am Mittwoch vor einer ungenauen Datenlage: Wegen der Feiertage gebe es momentan eine "deutliche Untererfassung" der Corona-Infektionen. "Die gegenwärtig ausgewiesene Inzidenz unterschätzt die Gefahr, in der wir uns befinden", so Lauterbach.

Die aktuellen Zahlen seien irreführend, berichten auch zahlreiche Gesundheitsämter in Hessen. "Die Zahl der Tests geht wie überall an den Feiertagen zurück. Außerdem wird an Schulen derzeit nicht getestet", sagte etwa eine Sprecherin der Stadt Offenbach.

Geschlossene Praxen und Testzentren

Aufgrund der Feiertage gebe es weniger Testmöglichkeiten - Praxen und Testzentren der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) seien oft urlaubsbedingt geschlossen, begründete der Kreis Werra-Meißner seine sinkenden Inzidenzen. Zum anderen sei die Testbereitschaft in der Bevölkerung geringer ausgeprägt gewesen. "Einige waren verantwortungsbewusst und haben sich vor den Familientreffen getestet, andere sicher nicht", sagte eine Sprecherin der Stadt Kassel.

Weniger Testungen seien auch über den Jahreswechsel zu erwarten, teilte der Kreis Waldeck-Frankenberg mit. Der Kreis Groß-Gerau wies zusätzlich daraufhin, dass die Labore zum Teil personell schlechter besetzt seien. Bei den Kreisen gingen teilweise verzögerte Meldungen ein. Personalmangel oder Probleme in den Gesundheitsämtern zwischen den Feiertagen gibt es nach Auskunft der Kreise allerdings nicht, die Kontaktdatenerfassung werde weiterhin betrieben.

413 Omikron-(Verdachts-)Fälle in Hessen

Der Großteil der Corona-Fälle ist laut RKI "durch die Deltavariante verursacht." Dennoch steigen die Omikron-Fälle in einigen Kreisen deutlich an, so etwa im Kreis Offenbach. "Vor wenigen Wochen hatten wir noch keinen Fall. Inzwischen sind es etwa 20", sagte ein Sprecher. In Hessen sind mittlerweile 413 Omikron-Fälle bekannt. Bei 61 von ihnen wurde die Variante bereits mittels der Sequenzierung festgestellt. Bei den anderen 352 Fällen wurde ein Verdacht mittels PCR festgestellt. Im Vergleich zum Vortag stieg die Zahl der Verdachtsfälle von Omikron am Mittwoch um 13 Prozent an.

Bundesweit war der Anstieg noch größer. 13.129 Fälle werden nun der neuen Corona-Variante zugeordnet, 26 Prozent mehr als am Vortag, wie das RKI bekannt gab. Für die laufende Woche rechnet das RKI mit einer "hohen Anzahl an Neu- und Nachmeldungen". Die Fälle mit der Omikron-Variante seien in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen.

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Wenige PCR-Tests werden auf Omikron getestet

In der vergangenen Woche lag der Anteil der Omikron-Variante an den gemeldeten Infektionen nach Angabe des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen (HLPUG) in Hessen bei rund 22 Prozent. Doch nur ein geringer Anteil der positiven PCR-Tests wird überhaupt auf die Varianten getestet wird.

Dafür bedarf es einer gesonderten Sequenzierung, die laut Sozialministerium in etwa bei fünf Prozent der positiven Tests erfolgt. "Aktuell erreichen uns eher zu wenige Omikron-Fälle, die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher", heißt es von der Stadt Kassel.

Neues Bund-Länder-Treffen am 7. Januar

Noch zu wenige Labore würden regelmäßig auf die neue Variante prüfen. Hinzu käme, dass viele Labore überlastet seien. "Die Dauer für die Sequenzierung liegt nach unserem Kenntnisstand durch Aus -und Überlastung der Labore bei mehreren Tagen bis 3-4 Wochen", so ein Sprecher der Stadt Kassel.

Wegen der hochansteckenden Omikron-Variante hatte Hessen am Dienstag seine Regeln angepasst. "Die Maßnahmen, die wir jetzt treffen, sind im Moment die Maßnahmen", sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vor wenigen Tagen. Es könne sein, dass aufgrund rascher Entwicklungen weitere getroffen werden müssten. Das nächste Treffen von Bund und Ländern ist für den 7. Januar geplant. Bis dahin will der Expertenrat der Bundesregierung ein neues Gutachten auch mit Blick auf die Omikron-Variante vorlegen.

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