Tamara Dorff und Klaus Barski
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Die Schere zwischen Arm und Reich driftet immer weiter auseinander. Während eine Frankfurter Friseurin keine bezahlbare Mietwohnung mehr findet, kann ein Immobilienhändler aus Königstein das Geld mit vollen Händen ausgeben. Ist das gerecht?

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sef

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Eigentlich ist Tamara Dorff mit ihrem Leben ganz zufrieden. Doch es gibt auch Momente, "in denen fühle ich mich auf jeden Fall arm". Die Suche nach einer bezahlbaren Mietwohnung zum Beispiel führt der 27-Jährigen deutlich ihre Grenzen vor Augen.

1.265 Euro brutto verdient sie als Friseurin in ihrem Job in Frankfurt-Bornheim, netto bleiben 1.050 Euro. Von 100 Wohnungen zumindest in der Nähe der Mainmetropole sind vielleicht zwei bezahlbare für etwa 900 Euro warm dabei, so ihre Erfahrung. "Und um die bewerben sich auch andere. Das Risiko ist groß, dass man nichts kriegt."

Ihre ehemalige Wohnung wurde ihr und ihrem Mann im März gekündigt. Das Haus wurde an einen neuen Eigentümer verkauft, der die Miete auf 1.600 Euro kalt verdoppelte. Seither ist Dorff erfolglos auf der Suche.

Jetzt ist sie mit ihrem Mann erst einmal zu dessen Eltern gezogen. Dorffs Mann studiert Sozialarbeit, schon zuvor konnten sie die Mietkosten nur dank finanzieller Unterstützung der Eltern bewältigen. Neben dem Studium jobbt ihr Mann, zusammen kommen sie im Schnitt auf bis zu 1.300 Euro netto monatlich. Damit gelten sie laut der vom Hessischen Landesamt für Statistik verwendeten Definition als armutsgefährdet.

Wenn die Anschaffung einer neuen Jacke zur Herausforderung wird

Tamara Dorff
An guten Tagen bekommt Tamara Dorff bei ihrer Arbeit als Frisörin bis zu 15 Euro Trinkgeld. Bild © Gabi Delingat

Es hapert nicht nur an der Wohnung. Viele Dinge, die für andere selbstverständlich sind, kann sich die 27-Jährige schlicht nicht leisten. Zum Beispiel Essen gehen mit Freunden oder ein eigenes Auto. Aber auch notwendige Alltagsanschaffungen wie eine Winterjacke sind Investitionen, die gut überlegt werden müssen.

Wenn Tamara Dorff an die Zukunft denkt, wird ihr mulmig. "Wenn ich auf diesem Einkommensstand bleibe, ist Kinderplanung ausgeschlossen." Auch in Sachen Rente sieht es für Dorff, die ihren Beruf seit elf Jahren ausübt, alles andere als rosig aus. "Neulich kam mein Rentenbescheid - die Zahlen waren katastrophal." Bei gleichbleibendem Einkommen hat sie demnach eine Rente von 540 Euro zu erwarten. "Das ist ja nichts!"

Dass sie in ihrem Traumberuf so wenig verdient, dass es momentan kaum zum Leben reicht, findet sie ungerecht: "Man steht den ganzen Tag, übt ein Handwerk aus, spricht mit Menschen, sorgt dafür, dass sie schön aussehen. Iich liebe meine Arbeit, aber es ist auch ein Knochenjob."

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Armutsgefährdung in Hessen

Hessen liegt mit einer Armutsgefährdung von 15,4 Prozent bundesweit im Mittelfeld. Das geht aus Zahlen der Statistikämter des Bundes und der Länder hervor. Der Anteil von von Armut bedrohten Menschen schwankt zwischen 14,3 Prozent in der Rhein-Main-Region und 17,5 Prozent in Mittelhessen. Auch in Nordhessen war die Quote mit 16,9 Prozent hoch. Die Werte der Statistikämter geben den Anteil der Personen mit einem Einkommen von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung an. Die Schwelle dieser Armutsgefährdung lag 2017 in Hessen bei 1.034 Euro netto für einen Einpersonenhaushalt und bei 1.551 Euro netto für einen Zweipersonenhaushalt.

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Multimillionär wirft mit Dollarnoten

Klaus Barski auf Taunus-Tour mit seinem Rolls Royce.
Immobilienhändler Klaus Barski ist gerne mit seinem Rolls Royce im Taunus unterwegs. Bild © Gabi Delingat

Sorgen um Einkommen oder gar Miete muss sich Klaus Barski schon lange nicht mehr machen. Der 75 Jahre alte Multimillionär aus Königstein (Hochtaunus) hat sein Geld mit Immobilien gemacht. Für besonderes Aufsehen sorgte er im Mai dieses Jahres, als er vor einem Theater in der Frankfurter Innenstadt mit 1.000 Ein-Dollar-Scheinen um sich warf - für ihn ein Werbegag.

Findet er es gerecht, dass manche Menschen so wenig verdienen, dass sie damit kaum die Miete zahlen können? "Ja, das ist gerecht", sagt Barski. "Es werden immer Leute oben sein, und es werden immer Leute unten sein. Wenn man jung ist, kann man Armut nur dadurch bekämpfen, indem man sich traut, über seine Grenzen hinauszugehen." Aber das koste Mut und Kraft "und man kann auch mal auf die Nase fallen".

Wie sich "ganz unten" anfühlt, hat Barski auch erlebt. Selbst aus ärmlichen Verhältnissen stammend, machte er eine Ausbildung zum Verlagskaufmann, arbeitete als Gemüselieferant und versuchte sich als Kunstmaler. Zwischendurch standen ihm die Schulden nach eigenen Angaben "bis zum Hals".

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Mit Investitionen in Immobilien kam ab den 1960er-Jahren der finanzielle Erfolg. Wie viel Geld er in seinem Leben verdient hat, weiß Barski gar nicht so genau: "Vor wenigen Monaten habe ich in Königstein mein 33. Objekt gekauft. Ich besitze aber immer nur fünf Objekte."

"Eigentlich arme Teufel"

Barski glaubt daran, dass Bildung einen wichtigen Anteil daran hat, um der Armutsfalle zu entrinnen: "Als ich in Frankfurt angefangen habe, habe ich als junger Assistent 500 Mark verdient. Abends nach Feierabend habe ich mich an der Akademie für Werbung und Verkausfförderung fortgebildet. Ich hatte noch nicht einmal Abitur."

Als wichtigstes Mittel vor allem gegen Altersarmut sieht er die Eigentumswohnung: "Wir sind ein merkwürdiges Land. In anderen Ländern wie Italien oder Portugal haben die meisten Leute Wohneigentum. Das müssen wir auch schaffen. In Deutschland lebt jeder zweite in einer Mietwohnung bis ans Lebensende. Eigentlich arme Teufel."

Doch wie sollen sich Menschen Wohneigentum leisten, wenn ihr Einkommen schon kaum für die Miete reicht? Tamara Dorff hat sich entschieden, im nächsten Jahr ihren Meister zu machen. "Ich will mich weiterbilden, um so viel wie möglich in dieser Branche zu verdienen." Dann käme sie schon bald auf ungefähr 1.600 Euro netto. Mit Studienende wird auch ihr Mann mehr zum Einkommen beitragen können. "Wieder in einer eigenen Wohnung zu leben", sagt Dorff, "das wäre für uns schon ein großer Traum."

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Ihre Kommentare Wenn das Gehalt kaum zum Leben reicht - ist das gerecht?

24 Kommentare

  • Ich kann nur unterstreichen, was Dagobert Duck aus Entenhausen und Benjamin aus Frankfurt geschrieben haben.
    Wann wacht die Gesellschaft auf und wann fangen die "Reichen" an zu sehen, dass es nichts gibt, was ihren enormen Reichtum rechtfertigt?
    Es gibt Menschen in Deutschland, die jeden Cent sorgfältig ausgeben müssen und trotzdem auf grundlegende Sachen verzichten müssen -sogar mit einer Vollzeitstelle- und es gibt reiche Personen, die nicht wissen, für was für einen Schwachsinn sie ihr Geld noch ausgeben sollen.

  • @ alle Barskis dieser Welt

    Denkt immer daran:

    "Der Herr braucht den Diener, aber der Diener nicht den Herrn."

    Es wird womöglich bald wieder Zeit den Holzschuh in die Webstühle zu werfen.

  • 500 DM damals waren weit mehr als heute 1050 Euro. Der Herr aus Königstein suhlt sich in seinem Erfolg, den er nicht reflektiert. Finde ich abstoßend, sagt eine, die sich Mieten mitten in FfM und noch einiges mehr leisten kann

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