Setzrisse in Häusern in der Kraffstraße in Offenbach

Tiefe Risse ziehen sich durch die Mauern mancher Häuser im Offenbacher Mathildenviertel. Die Bewohner machen große Bäume dafür verantwortlich, die Stadt den Klimawandel.

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Setzriss in einem Haus in der Krafftstraße in Offenbach
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Das südwestliche Ende des Offenbacher Mathildenviertels kann sich sehen lassen. In der Krafftstraße etwa stammen viele Häuser aus der Gründerzeit. Aber seit ein paar Jahren treten dort und in der nahen Karlstraße immer mehr Schäden auf: Risse durchziehen Wände und Fassaden. Auch bei Stefan Prinz. Der Wohnungseigentümer glaubt wie viele andere Besitzer und Bewohner zu wissen, woran das liegt: am Durst der stattlichen Eichen vor den Häusern.

"Der Boden sackt ab", sagt Prinz. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass der Tonboden in Offenbach nachgebe, wenn 20 Meter hohe Bäume "mit einem Wasserverbrauch von ein paar hundert Litern am Tag" eben dieses Wasser aus dem Boden zögen. "Das ist keine Erfindung der Anwohner", darauf besteht Prinz.

Häuser in der Krafftstraße in Offenbach

Boas Diehl hat das im Auftrag der Stadt untersucht. Der Gutachter für Garten- und Landschaftsbau hat Proben vom Untergrund unter zwei Häusern in der Krafftstraße genommen. Und die belegen ihm zufolge eindeutig, "dass der Boden hochverdichtet ist".

Gutachten schließt Bäume als Ursache aus

Der Wassergehalt unterhalb der Fundamente der Häuser habe bei 23 bis 24 Prozent gelegen, führt Diehl aus. Die Bäume bräuchten allerdings einen Wassergehalt von mindetens 30 Prozent, um dem Boden Wasser überhaupt zu entziehen. "Wir haben auch keine Wurzeln gefunden unterhalb des Fundaments. Daher können wir die Bäume als Verursacher der Risse ausschließen", sagt der Gutachter.

Betroffene wie Hauseigentümerin Petra Graf überzeugt das nicht. Sie ist der Ansicht, dass die Fachleute nicht tief genug gebohrt haben, um der Sache wirklich auf den Grund zu gehen: "Diese Eichen können ja bis zu 25 Meter tief in den Boden einwachsen. Bei einer Bohrtiefe von 3,60 Meter kann man das gar nicht feststellen."

Bewohner glauben Gutachten nicht

Die Hauseigentümerin stellt das Gutachten in Frage. Demnach, sagt sie, müssten die Bäume doch bald absterben, wenn sie gar kein Wasser aus dem Boden ziehen könnten: "Meine Frage ist: Woher beziehen sie dann ihr Wasser?" Experte Diehl sagt dazu: aus dem Boden unter der Straße.

Setzriss in einer Wohnung in der Krafftstraße in Offenbach

Heike Hollerbach, Leiterin des Offenbacher Umweltamts, kann die Sorgen der Bewohner und Hausbesitzer verstehen. Nach den Untersuchungen ist sie sicher, dass nicht die Straßenbäume das Problem sind, sondern der Klimawandel: "Wir haben einfach einen extremen Rückgang beim Grundwasser und bei den Niederschlägen." Hollerbach spricht von "einer großen Austrocknung im Unterboden". Dabei sei es völlig unerheblich, ob in der Nähe ein Haus oder ein Baum stehe.

Johnnie Clapper wohnt in der Krafftstraße und fordert, dass die Eichen einer anderen Bepflanzung weichen, damit er, seine Freundin und viele Nachbarn sich wieder sicher fühlen können: "Oft können wir nicht so ruhig schlafen, weil wir ja nicht wissen, was in der Nacht passieren könnte." Wie Clapper es sieht, verschärft sich die Lage zusehends.

Stadt will Bäume nicht einfach fällen lassen

Unter den betroffenen Häusern liegt eine Tonschicht, die nachgibt, wenn sie austrocknet. Darüber sind sich die beiden Seiten in diesem Streit einig. Nicht aber über die Ursache.

Die Anwohner betonen, ihnen gehe es nicht um Regressforderungen an die Stadt, auch wenn eine Reparatur der Setzrisse leicht in die Zehntausende geht. Sie wollten sich einfach in ihren Häusern wieder sicher fühlen, sagen sie.

Die Stadt Offenbach findet ihrerseits, sie habe mit dem Gutachten die Anwohner ja durchaus auch finanziell unterstützt. Aufgrund des nicht eindeutigen Ergebnisses und angesichts des fortschreitenden Klimawandels und heißer werdender Innenstädte hält die Stadt es aber für unverantwortlich, die stolzen Eichen im Mathildenviertel auf Verdacht hin fällen zu lassen.

Sendung: hr4 für Rhein-Main, 13.10.2020, 15.30 Uhr