Illustration, die vier gezeichnete Spritzen in Reihung übereinander zeigt. Auf der obersten steht ein älteres Paar.

Seit einigen Wochen können sich die Menschen in Hessen nach dem Booster noch eine vierte Impfung gegen das Coronavirus holen. Wie die Nachfrage ist, wer sich dringend darüber Gedanken machen sollte - und wer eher nicht.

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Vierte Impfung für über 70-Jährige?

hs
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Der Schutz der Corona-Impfungen lässt leider mit der Zeit nach. Die ersten Booster-Impfungen liegen nun schon ein halbes Jahr zurück - schon nach einem Vierteljahr hat der Schutz vor einer symptomatischen Ansteckung durch Omikron bei Älteren deutlich nachgelassen.

Das Robert-Koch-Institut hat Studien und Daten zur Viertimpfung zusammengetragen. Auch an den Corona-Fallzahlen auf hessischen Intensivstationen lässt sich der schwindende Impfschutz nachlesen: Noch immer landen Ungeimpfte und Teilgeimpfte um ein Vielfaches häufiger auf der Intensivstation als mindestens Zweitgeimpfte.

Das Verhältnis hat sich in den vergangenen Wochen angenähert. Das hängt zum Teil mit den gestiegenen Fallzahlen zusammen, die Fälle "mit Corona" auch auf den Intensivstationen häufiger werden lassen - aber auch der schwindende Impfschutz spielt eine Rolle.

Warum reden wir jetzt über die Viertimpfung?

Gerade kommen mehrere Dinge zusammen: Zum einen sorgt die Omikron-Welle - deren Scheitelpunkt noch nicht erreicht ist - für extrem hohe Ansteckungszahlen. Die Wahrscheinlichkeit, sich dem Virus stellen zu müssen, ist also extrem hoch.

Zum anderen hat das Virus der Omikron-Varianten die Fähigkeit zum "Immun-Escape", die seine Vorgänger nicht im gleichen Maße hatten: Es kann in vielen Fällen die körpereigene Abwehr aushebeln. Eine Impfung ist keine Garantie gegen Ansteckung mehr, auch wenn sie das Risiko eines schweren Verlaufs weiter enorm senkt.

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Für wen sind die Viertimpfungen ein Thema?

Aus Israel weiß man: Eine vierte Impfung hilft denen, deren Immunsystem geschwächt ist, bei denen Antikörper gegen Corona schneller wieder schwinden. Maria Vehreschild, die derzeit an der Uniklinik Frankfurt eine Studie zu Viertimpfungen leitet, erklärt: "Für die Risikogruppen ist die vierte Impfung wichtig, weil man in diesen Gruppen beobachtet hat, dass der Impfschutz schneller nachlässt als in anderen Gruppen."

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung allen, die über 70 sind - oder ein anderweitig geschwächtes Immunsystem haben - und bei denen der Booster mehr als drei Monate zurückliegt. Auch Pflegepersonal soll sich nach STIKO-Empfehlung ein halbes Jahr nach dem Booster erneut impfen lassen.

Dabei müssen sich diese Gruppen keine Gedanken machen, ihr Immunsystem zu überfordern, wenn sie die Impfung bisher gut vertragen haben. "Die Gefahr einer Überimpfung besteht nicht", sagt Vehreschild. "In diesen Gruppen ist es ja gerade so, dass der Impfschutz relativ schnell nachlässt."

Sollte man stattdessen nicht lieber auf einen neuen Impfstoff warten, der besser gegen Omikron hilft?

Weil Omikron den "Immun-Escape" beherrscht, arbeiten die Impfstoff-Hersteller an angepassten Versionen ihrer Impfstoffe. Biontech hatte für April oder Mai die Auslieferung angekündigt. Auch wenn es zurzeit so aussieht, als ob dieser Zeitplan nicht zu halten ist - soll man nicht auf den besser wirkenden Impfstoff warten?

Die Immunologin Vehreschild kann die Frage zwar gut nachvollziehen, rät aber angesichts des hohen Infektionsrisikos derzeit, nicht zu warten: "Das Wichtigste ist jetzt, dass man sich als Risikoperson schnellstmöglich schützt. Und wir wissen auch noch nicht genau, wann die angepasste Impfung auch wirklich hier erhältlich sein wird."

Kann man den Booster erneut auffrischen lassen, wenn man nicht zur Risikogruppe zählt?

Wann immer man einen Arzt findet, der einem die Auffrischungsimpfung verschreibt, kann man sich erneut impfen lassen. Allerdings: Ein Arzt wird die vierte Impfung nicht ohne guten Grund empfehlen, und für Menschen mit normalem Immunschutz lohnt sie sich nicht: "Da profitieren Sie deutlich weniger davon", erinnert Vehreschild. "Und dann ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis nicht ausreichend, um die vierte Impfung zu empfehlen."

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Kann man sich die Auffrischung angesichts der milden Omikron-Variante nicht schenken?

Die jüngsten Rekordwerte bei den Infektionen und der fortgesetzte Anstieg hatten bislang nicht annähernd so schlimme Folgen wie die Winterwelle vor einem Jahr - auch dank der Impfungen. Die Älteren, die ein besonders hohes Risiko haben, schwer oder gar tödlich an Corona zu erkranken, haben sich bislang nicht im gleichen Maß angesteckt - aber die Zahlen steigen auch in den Altersgruppen der über 60- und über 80-Jährigen.

Dass Omikron gerade in der aktuellen BA.2-Variante nicht harmlos ist, zeigt der Blick ins Ausland - etwa nach Hongkong, wo Ältere zum großen Teil nicht geimpft sind und Omikron viel tödlicher ist, als das Virus es im vergangenen Winter hierzulande war.

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Wie laufen die Viertimpfungen in Hessen an?

Bisher eher bescheiden. Knapp sechs Wochen nach dem Start der Viertimpfungen haben die Hausarztpraxen etwas mehr als 90.000 Hessinnen und Hessen viertgeimpft - das wären nicht mal zehn Prozent der 971.000 Menschen über 70, die es in Hessen gibt.

Immerhin: Neben den Hausärzten impfen auch die Impfzentren zum vierten Mal - allerdings dürften das bisher nur wenige zehntausend Impfungen bundesweit gewesen sein; darauf lässt lässt die Gesamt-Impf-Zahl im RKI-Wochenbericht schließen. In der tagesaktuellen Impfstatistik der Behörde werden die Viertimpfungen dagegen gar nicht gezählt und aufgeführt - seit Wochen nicht.

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Und was ist, wenn man noch nicht geboostert ist?

Das trifft auf erstaunlich viele Menschen zu. Auch in der Altersgruppe der über 60-Jährigen ist bis zu einem Viertel der Menschen in Hessen nicht geboostert - und damit gegen Corona tendenziell nicht mehr ausreichend geschützt. Für sie besteht immer noch die Möglichkeit einer Auffrischungs-Impfung - genug Kapazitäten und Impfstoff sind allemal da.

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