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Audioseite Drei Leibnitz-Preisträger aus Hessen

Drei Portraits der Preisträger*innen Prof. Marietta Auer, Prof. Gabriel Martínez-Pinedo und Prof. Dr. Stefanie Dehnen.

Er gilt als eine Art deutscher Nobelpreis. Gleich drei hessische Wissenschaftler erhalten den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis. Die Forscher können sich über jeweils 2,5 Millionen Euro Preisgeld freuen.

Am Morgen saß Marietta Auer noch nervös vor dem Telefon - dann kam der Anruf und damit die große Freude: Die in Gießen und Frankfurt tätige Professorin für Rechtswissenschaften erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis und ein damit verbundenes Preisgeld von 2,5 Millionen Euro. "Das ist wirklich eine große Ehre", freut sich Auer, die noch Stunden später aufgewühlt wirkt. "Aber es ist auch eine große Verantwortung."

Booster für die Wissenschaft

Während Nobelpreisträger wie der Frankfurter Benjamin List ihre Preisgeld-Million durchaus auch privat ausgeben dürfen, gilt das für Leibniz-Preisträgerinnen nicht. Das Geld sei eine Art finanzieller "Booster" für ihre Forschung, erklärt Marietta Auer. Ausgeben darf sie die 2,5 Millionen Euro in den kommenden sieben Jahren für ihre Forschung.

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Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis gilt als der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zeichnet damit seit 1986 jedes Jahr deutsche Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen aus. Dieses Jahr erhalten zehn Forschende jeweils 2,5 Millionen Euro.

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"Anders als bei geförderten Projekten muss ich dafür also keine aufwendigen Anträge bei Drittmittelgebern stellen", erklärt Marietta Auer. Der Preis sei stattdessen eine Gesamtanerkennung für ihre bisherige Leistung. "Einfach in toto dafür, dass ich die Forschung mache, die ich mache." Von dem Geld könne sie zum Beispiel Ausstattung anschaffen oder Nachwuchswissenschaftler einstellen, erklärt sie.

Forschung im Spannungsfeld von Individuum und Allgemeinheit

Auer hat einen Lehrstuhl an der Justus-Liebig-Universität in Gießen inne und leitet zudem eine neue Abteilung am Frankfurter Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie. Sie wolle das Geld vor allem in den Aufbau dieser neuen Abteilung stecken, so Auer.

Die Professorin forscht hauptsächlich im Spannungsfeld von individueller Freiheit und Allgemeinheit. Auer verbindet dabei Rechtswissenschaft mit anderen Disziplinen wie Soziologie und Philosophie. "Mich interessiert, welche Auswirkungen rechtliche Fragen auf die komplette Entwicklung der Gesellschaft haben können."

Konflikte um Freiheit und Eigentum

Auer erklärt: "Zwischen den Rechten der Person und der gesamten Gesellschaft mit ihren Zielen entstehen immer wieder strukturimmanente Konflikte." Ganz aktuell sehe man das zum Beispiel in der Diskussion um Corona: "Der Einzelne hat zum Beispiel die Freiheit sich nicht impfen lassen zu wollen, aber es gibt ein gesamtgesellschaftliches Interesse am Schutz der Bevölkerung."

Ihr Schwerpunkt liege allerdings nicht auf Gesundheitsrecht, sondern sie befasse sich hauptsächlich mit Fragen des Eigentums: "Soll beispielsweise der Einzelne ein Recht haben, Grundstücke zu immer teurer werdenden Marktpreisen zu vermieten oder zu bebauen, während der Mietmarkt für die Gemeinschaft immer weniger erschwinglich wird?"

Sie sehe es als eine ihrer Aufgaben, in einer immer komplexer werdenden Rechtswelt für besseren Überblick und Kategorisierung zu sorgen. Dabei sei es auch Rolle der Wissenschaft einen kritischen Blick auf die Rechtssprechung zu werfen, etwa wenn Gesetze ihr eigentliches Ziel verfehlen würden.

Forscher aus Marburg und Darmstadt

Von den diesjährigen zehn Preisträgerinnen und Preisträgern kommen gleich drei von hessischen Universitäten. Neben Marietta Auer wurden die Marburger Chemikerin Stefanie Dehnen und der Darmstädter Astrophysiker Gabriel Martínez-Pinedo ausgezeichnet.

Dehnen ist Professorin für Anorganische Chemie an der Marburger Philipps-Universität. Sie forscht dort zur Synthese von neuartigen Metallclustern und darüber, wie diese zur Energiespeicherung und zum Energietransfer genutzt werden können. Dehnen entwickelte dafür ein spezielles Synthesekonzept, das laut DFG inzwischen in vielen Chemie-Lehrbüchern zu finden ist und weltweit genutzt wird. In Marburg leitet sie zudem das öffentliche Mitmachlabor Chemikum.

Bild von strahlend blauen leuchtenden Gebildes auf schwarzem Hintergrund

Gabriel Martínez-Pinedo ist Professor für Theoretische Astrophysik an der Technischen Universität Darmstadt. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie schwere Elemente entstehen, etwa Gold und Platin. Die Prozesse dahinter galten lange als großes ungelöstes Problem der Astrophysik. Martínez-Pinedo stellte die Theorie auf, dass dahinter nicht der Kollaps schwerer Sterne in Supernova-Explosionen steht, sondern die Verschmelzung von Neutronensternen, auch Kilonova genannt. Diese Theorie wurde 2017 tatsächlich verifiziert, als mithilfe von Gravitationswellen und mit Teleskopen erstmals eine Kilonova beobachtet werden konnte.

Glückwunsch von der Landesregierung

Glückwunsche für die drei Gewinner gab es direkt von der Landesregierung. Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) teilte mit: "Hessens Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen sind in vielen Forschungsbereichen an der Spitze - das ist gut so, denn wir brauchen die Lösungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft steht." Man brauche die Spitzenforschung auch für die Qualität im Studium, so Dorn weiter. "Damit die klugen Köpfe von morgen von den Besten lernen können."

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