Ausgezeichnet: Marco Rill von der Hermann-Hesse-Schule in Obertshausen im Unterricht

Gekürt von den eigenen Schülern: Marco Rill von der Hermann-Hesse-Schule Obertshausen erhält den Deutschen Lehrerpreis 2019. Prägend seien für ihn seine Erfahrungen als Schüler gewesen, sagt der Lehrer.

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Vor gut 20 Jahren saß Marco Rill selbst noch als Schüler in den Klassenzimmern der Hermann-Hesse-Schule in Obertshausen. Heute unterrichtet er hier als Lehrer Mathematik, Geschichte und Politik und Wirtschaft. Die letzte Klasse, die er als Klassenlehrer zum Abschluss führte, hat ihn jetzt zu einem der besten Lehrer Deutschlands gekürt. "Der Klassenzusammenhalt dieser Klasse war schon sehr besonders", erinnert sich Rill.

Zwei Preisträger aus Hessen

Rill ist einer von zwei Lehrern in Hessen, der in diesem Jahr mit dem Deutschen Lehrerpreis in der Kategorie "Schüler zeichnen Lehrer aus" ausgezeichnet wird. Neben Rill wird auch Karin Meffert von der Limesschule Idstein geehrt. Insgesamt werden beim Lehrerpreis 22 Auszeichnungen an Lehrer und Projekte aus zehn Bundesländern verliehen, wie der Deutsche Philologenverband und die Vodafone Stiftung mitteilten. Die beiden Organisatoren vergeben den Preis, der am Montagabend in Berlin verliehen wird.

Die Schüler von Rill lobten unter anderem dessen "interessanten, strukturierten und ambitionierten Unterricht". Sie würdigten aber auch einen respektvollen Umgang, Einfühlungsvermögen, Vertrauenswürdigkeit "und ein besonders hohes Engagement für die Schülerschaft sowie das familiäre Klassenklima".

Darum geht's: Auf Schüler eingehen, sie ernst nehmen

Wer in diesen Tag Marco Rill in seiner Schule begleitet, trifft immer wieder Schüler, die ihm hinterherrufen: "Der beste Lehrer hier an der Schule." Rill scheint das alles ein bisschen peinlich. Er ist eher der ruhige Typ, zurückhaltend. Als Schüler war er früher alles andere als ein Überflieger.

"Ich bin kein so guter Schüler in der Mittelstufe gewesen," sagt Rill schmunzelnd. Er habe sich damals eher für Fußball interessiert als für die Vieren, die er in den Klassenarbeiten schrieb. Erst in der Oberstufe sei bei ihm der Knoten geplatzt. "Ich fand es klasse, wenn ein Lehrer auf mich einging. Oder wenn man das Gefühl hatte, der interessiert sich für einen." Genau das versuche er nun an seine Schüler weiterzugeben.

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"Es geht darum, auch mal abzuweichen vom Stoff oder ihn so aufzubereiten, dass ihn alle Schüler mitbekommen." Das klappe zwar nicht immer. "Aber ich glaube, die Schüler spüren, wenn man sie ernst nimmt und mit ihnen auf einer Ebene spricht", sagt Rill.

Die Schüler finden das toll. "Es macht Spaß bei ihm, er macht auch mal einen Witz, es ist eigentlich nie langweilig", sagt Valeria Dodic aus der achten Klasse und die ihre Klassenkameradin Vivian Alsbach ergänzt: "Wenn man etwas nicht verstanden hat, dann setzt er sich mit einem auch mal in der Mensa hin und erklärt es noch mal."

Ungläubiges Staunen über die Auszeichnung

Dass er jetzt zu einem der besten Lehrer Deutschlands ausgezeichnet wurde, wollte der 37-jährige Rill erst gar nicht glauben. "Der Schülerin, die das ins Rollen gebracht hat, habe ich erst mal gesagt: "Ja, ja ist klar - erzähl das mal einem anderen Lehrer, vielleicht glaubt der es." Aber nun freue er sich sehr über den Preis. "Das ist natürlich ein super Lob", sagt er. Von früheren Schülern habe er immer mal gehört, dass der Unterricht bei ihm Spaß gemacht habe. Diese Auszeichnung aber sei nun etwas ganz besonderes.

Auch sein oberster Dienstherr in Wiesbaden freut sich über den Preis. Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte zu der Auszeichnung: "Schülerinnen und Schüler, die vom Unterricht so begeistert sind, dass sie ihre Lehrkräfte sogar für einen Preis nominieren, gibt es auch nicht aller Tage." Es zeige, dass Karin Meffert und Marco Rill es auf besondere Weise verstünden, den Funken im Unterricht überspringen zu lassen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 18.01.2019, 16.45 Uhr