Anja Lange mit ihrem Camper
Anja Lange mit ihrem Euro-4-Camper Bild © hr

Zehntausende Pendler wären von einem Dieselfahrverbot in Frankfurt betroffen. Auch Anja Lange. Sie müsste sogar ihr ganzes Leben umkrempeln.

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Ein Auspuff

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie das Dieselfahrverbot ein ganz persönliches Lebensmodell gefährdet

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Frische Luft, abschalten, auftanken. Wenn Anja Lange nach Feierabend noch eine Runde ausreitet, ist für sie alles in Ordnung. Tagsüber arbeitet sie bei einer großen Behörde in Frankfurt in der Öffentlichkeitsarbeit. Den Abend verbringt sie auf einem Reiterhof.

Die 50-Jährige hat sich ihr ganz persönliches Lebensmodell gebastelt: Sie pendelt mit ihrem Wohnmobil aus der Nähe von Ludwigshafen nach Frankfurt, 100 Kilometer pro Weg. Allerdings nicht jeden Tag, sondern jede Woche. Von Montag bis Freitag schläft sie in ihrem Wohnmobil auf dem Reiterhof im Umland von Frankfurt. "Das ist für mich Lebensqualität. Ich mache quasi Ferien auf dem Reiterhof in der Woche", sagt sie. Doch dieses Modell wird wohl bald nicht mehr funktionieren. Denn Anja Lange hat ein Problem: ihr Diesel-Camper hat nur Euro 4.

Sie wäre also von dem Fahrverbot für alte Diesel in Frankfurt ab kommendem Februar betroffen. Denn der Reiterhof auf dem sie mit ihrem Camper übernachtet, liegt in der Umweltzone. Die wird in Frankfurt auch als mögliche Fahrverbotszone für alte Diesel diskutiert.

Reiterhof liegt vermutlich in Fahrverbotszone

Früher hatte Lange auch eine Wohnung in Frankfurt. Der Liebe wegen zog sie dann in die Nähe von Ludwigshafen aufs Land. Den Job in Frankfurt wollte sie aber nicht aufgeben. Eine zweite Wohnung in der Stadt konnte sie sich bei den hohen Mietpreisen und der Wohnungsnot nicht leisten. So musste sie sich etwas einfallen lassen. Jedenfalls wollte sie nicht jeden Tag hundert Kilometer pendeln.

Deshalb suchte sie sich eine Alternative und fand sie auch: Am Wochenende im großen Haus mit Garten in der Pfalz, unter der Woche Arbeiten und Ferien auf dem Reiterhof. Zu ihrer Arbeitsstelle in Frankfurt fährt sie - ganz umweltfreundlich - unter der Woche dann mit der U-Bahn. Doch dieser Lebensentwurf ist jetzt bedroht.

Ein neues Wohnmobil kann sie sich nicht leisten

Durch die unklare Situation in Frankfurt hängt Anja Lange jetzt in der Luft. Und sie ist stinksauer. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte zuletzt auf dem Diesel-Gipfel der Bundesregierung vor allem das Modell der Prämie propagiert: Dass also Autofahrer ihren alten Diesel gegen einen neuen oder gebrauchten Wagen umtauschen und dafür eine Prämie vom Hersteller bekommen. Doch auch das würde Anja Lange kaum helfen: "Die könnten mir 20.000 Euro Prämie geben - ich hätte nichts davon, weil ich mir trotzdem keinen neuen Camper leisten könnte", sagt sie. 

Aber die 50-Jährige hat beschlossen, sich nicht verrückt zu machen. Auch wenn es nur noch knapp drei Monate dauern könnte, bis sie ihr geliebtes Lebensmodell möglicherweise aufgeben muss.

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Dieselfahrverbot in Frankfurt

Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hatte im September geurteilt, dass Frankfurt Fahrverbote für Dieselfahrzeuge erteilen muss, da alle weiteren Maßnahmen nicht ausreichten, um die Grenzwerte für Stickoxid in der Stadt einzuhalten. Betroffen von dem Fahrverbot sind Euro-4-Motoren sowie Benziner der Schadstoffklassen 1 und 2. Vom 1. September an sollen auch Euro-5-Diesel in der Stad tabu sein. Das Land Hessen hat dagegen beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel Rechtsmittel eingelegt. Das Urteil wird für Anfang Dezember erwartet. Bis dahin scheint alles offen.

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Ihre Kommentare Wie wären Sie persönlich von einem Dieselfahrverbot in Frankfurt betroffen?

26 Kommentare

  • Wer sich in den letzten Jahren nen "Heizöl-Maserati" gekauft hat, wollte doch eigentlich Geld sparen, hat aber damit nur bewiesen, daß er/sie nicht rechnen kann, denn das ist ein Paradebeispiel für die Gültigkeit des Satzes: "Wir sparen - koste es, was es wolle,"
    Die (Betriebs-)Kosten für den Unterhalt eines Diesel-PKW sind letztendlich schon höher als für einen Benziner, wenn man die höhere Kfz-Steuer, das AdBlue, den Austausch/die Reinigung des Rußpartikrlfilters, das Abgas-Rückführungsventil zusammenrechnet. Überdies hält der Motor mittlerweile sehr oft noch nicht mal länger als ein Benziner, was allein schon eine Schande ist.
    Abgesehen davon, daß bei dieser ganzen "Verars...-Affaire" durch unsere Lobby/Politik-Klüngelvereine der Bestandsschutz für die bereits in Verkehr befindlichen Kfz ausgehebelt wurde, ist es einfach ungerecht, jetzt letztendlich wieder einmal den Verbraucher für das Verschulden der Industrie bluten zu lassen.
    Ich selbst fahre übrigens mit Autogas

  • Ich bin für ein flächendeckendes, deutschlandweites Pieselverbot!
    Damit entlich Ruhe ist in dieser
    Tollhausrepublik.
    Diese total bescheuerten Prämienvorschläge bieten doch keinerlei Alternativen und konkrete Lösungsansätze aus diesem Kfz.-Dielämma! Aber die Autoindustrie bescheisst diese Republik und diese Dumwelthilfe verarscht mithilfe unseres stupiden Messwert- und Rechtsystems alle Dieselfahrer, mich eingeschlossen!!! Aber nach dem Diesel geht es an die Benziner, und dann bleibt auch diesen superschlauen, schadenfreudigen Pendlern aus dem FFM-Umland der Sprit im Halse stecken! Und der Strom für die Elektrokarren wird nach deren flächedeckendem Verkauf vom Energieministerium rationiert, weil die Grünen dem RWE die ganzen Braunkohlekraftwerke dicht gemacht hat.
    Ich kaufe mir wieder Pferd und Wagen, dann bin ich erst einmal auf der sicheren Seite! Wohl bekomm's!

  • @Fred
    Aber wenn man doch von einer der "Politessen" erwischt wird, dann sollte es heißen: rechts ranfahren, Fahrzeug abstellen und eine Parkkralle dran. Um das Herausschleppen aus der Umweltzone kümmert sich der Halter - organisatorisch wie finanziell.

    Straßenverkehrsverstöße sollten nicht mit ein paar Euro geahndet werden, sondern mit richtig viel Umstand. Das erzieht viel mehr!

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