Glasfaser-Ausbau

Der wirtschaftsstarke Lahn-Dill-Kreis zeigt bereits seit Jahren, dass der ländliche Raum nicht digital abgehängt werden muss. Nun ist hier ein 33-Millionen-Euro-Projekt gestartet. Das Ziel: Glasfaser in jede Firma.

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Audioseite Lahn-Dill-Kreis: "Glasfaser in jede Firma"

Fünf Männer mit Schaufeln vor einem Erdhaufen auf einer Baustelle
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Homeoffice und Schulschließungen haben es schmerzhaft deutlich gemacht: Durch Hessen zieht sich eine digitale Kluft - zumindest was die Internet-Schnelligkeit angeht. Besonders Menschen, die auf dem Land wohnen, müssen sich in letzter Zeit viel mit ruckelnden Videokonferenzen und abbrechenden Uploads rumschlagen.

Auch der Breitband-Atlas der Bundesregierung offenbart: Während High-Speed-Internet in hessischen Ballungsräumen Standard ist, ist besonders der weniger dicht besiedelte ländliche Raum weiterhin häufig abgehängt. Im Süden Hessens ist die Anbindung tendenziell besser als im Norden.

Ein Beispiel: Für 97 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer in Frankfurt stehen Downloadgeschwindigkeiten von mindestens 200 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zur Verfügung, für einen Großteil sogar deutlich schnellere Verbindungen. Wer dagegen in Gemünden (Vogelsberg) lebt, hat mit großer Wahrscheinlichkeit gerade mal 30 oder sogar nur 10 Mbit/s zur Verfügung. Bereits unter 50 gilt man als unterversorgt.

Lahn-Dill-Kreis startet früh Glasfaserausbau

Nicht so der Lahn-Dill-Kreis. Der Kreis versucht seit Jahren, die Glasfaser-Kluft zu überwinden und dadurch seine wirtschaftliche Stärke und seine Attraktivität für Fachkräfte nicht zu verlieren. Schon 2014, also vergleichsweise früh, begann ein interkommunales Netzwerk gemeinsam mit dem Kreis, den Glasfaserausbau mit Millionen-Investitionen und Fördergeldern voranzutreiben. Es ist das größte gemeinschaftliche Infrastrukturprojekt im Kreis.

Die Mühen haben sich offenbar gelohnt: Inzwischen wurde jedes Dorf ans Glasfasernetz angeschlossen. Über 90 Prozent der Haushalte haben Datengeschwindigkeiten von 100 Mbit/s und mehr zur Verfügung. Alle Schulen und Kliniken sind sogar seit vergangenem Jahr direkt ans Glasfasernetz angeschlossen.

Glasfaser für jede Firma

Nun geht der Kreis das nächste Thema an: Nach Privathaushalten sollen auch die rund 10.200 Unternehmen im Lahn-Dill-Kreis besser an die Datenautobahn angebunden werden. Am Mittwoch war im Gewerbegebiet "Beim Eberacker" in Lahnau Spatenstich für das neue 33-Millionen-Euro-Projekt.

Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen alle 134 Gewebegebiete im Kreis direkt ans Netz angeschlossen sein. Insgesamt müssen dafür 137 Kilometer Gräben gebaggert werden und fast 1.000 Kilometer Glasfaser-Kabel verlegt werden. Damit können die Unternehmen dann Up- und Download-Geschwindigkeiten von mindestens 1.000 Mbit/s erreichen.

Die Baukosten teilen sich Betreiber und die öffentliche Hand: Fünf Millionen übernimmt die Telekom, den Löwenanteil stemmen Bund, Land und die Kommunen.

"Nicht mehr wochenlang Computer laufen lassen"

Profitieren werden davon zum Beispiel viele Ingenieurbüros, etwa wenn sie hochauflösende Bilder versenden müssen, erklärt Hermann Steubing, der das Projekt maßgeblich betreut: "Wenn die Unternehmen an ihre Kunden große Pakete abzugeben haben, müssen die nicht mehr wochenlang ihre Computer laufen lassen, sondern das geht dann sehr zügig."

Auch Burghard Loewe, Hauptgeschäftsführer der IHK Lahn-Dill, sagt: "Für die Wirtschaft ist das ganz entscheidend, weil das ein Teil der Infrastruktur ist, so wie Strom und Wasser." Mit zunehmender Digitalisierung werde die Internetanbindung für Unternehmen immer wichtiger werden.

Den Lahn-Dill-Kreis sieht Loewe für diese Entwicklung nun sehr gut aufgestellt: "Was die wirtschaftsstarken ländlichen Regionen angeht, sind wir ganz vorne."

Als nächstes: Glasfaser in jedes Haus

Auch Landrat Wolfgang Schuster (SPD) sieht in dem Projekt eine wichtige Investition in die Zukunft der Region: "Wir sind die Werkstatt Hessens - und wir wollen das auch bleiben", sagt er. Dazu gehöre für ihn ganz klar: Glasfaser in jede Firma.

Und darüber hinaus hat der Kreis sogar schon neue Pläne: Zwar wurde bereits jedes Dorf mit Glasfaser versorgt. Von den Verteilerkästen führen jedoch weiterhin Kupferleitungen in die Privathäuser, was die Geschwindigkeit derzeit noch reduziert. Als nächstes will der Kreis deshalb das Projekt "Glasfaser in jedes Haus" angehen.

Dafür will man sich aber Zeit nehmen. Die Kosten werden sich auf voraussichtlich 250 Millionen Euro belaufen.

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