Die Grafik zeigt Hände mit Smartphones vor einem Hintergund der ein abstrahiertes Dorf zeigt.

Im osthessischen Nüsttal ist sie schon Realität, in fünf Kommunen im Landkreis Gießen soll es sie ab Mitte des Jahres geben - eine Dorf-App. Die Smartphone-Anwendung soll bestehende lokale Angebote bündeln und das Leben im Dorf attraktiver machen.

Die neuen Vereinstermine auf einen Blick, ein Gruppenchat für die Jugendarbeit im Dorf und die Möglichkeit, sich als Pendler mit anderen über eine Mitfahrzentrale abzusprechen: Mit Dorf-Apps sollen sich Menschen in ländlichen Regionen besser vernetzen, gegenseitig helfen und austauschen können.

In Hessen ist eine solche Dorf-App in Nüsttal (Landkreis Fulda) schon seit Herbst Teil des Alltags: Bürger können auf der App "DorfFunk" über einen Online-Marktplatz nicht mehr liebsame Dinge verkaufen, lokale Vereine Veranstaltungen bekannt geben, und die Gemeindeverwaltung kann aktuelle Meldungen direkt an die Einwohner weiterleiten. Das können frisch geschlachtete Bio-Hühner sein oder Angebote aus dem lokalen Blumenladen.

Smartphones mit Dorf Apps

Landkreis Gießen: Dorf-App für jede Kommune

Was in Nüsttal als Teil eines Forschungsprojekt vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering in Hessen umgesetzt wurde, soll zukünftig im gesamten Landkreis Gießen realisiert werden. Jede Kommune soll eine individuell ans Dorf angepasste App erhalten, kündigt Landrätin Anita Schneider (SPD) an, sollte das aktuelle Pilotprojekt von den Bürgern entsprechend nachgefragt werden.

Die fünf Kommunen des Pilotprojekts - Buseck, Biebertal, Grünberg, Langgöns und Staufenberg - sollen schon ab Mitte des Jahres eine Dorf-App erhalten, die von den Einwohnern mitentwickelt werde.

Landrätin Schneider sieht darin die Chance, das Landleben attraktiver zu machen: "Im Grunde können die Dorf-Apps eine Antwort auf die Probleme sein, mit denen wir uns im ländlichen Raum ohnehin ständig beschäftigen. Das sind vor allem Mobilität und Nahversorgung. Auch das Miteinander, oftmals der Grund, wieso Menschen im ländlichen Raum wohnen wollen, wird durch die Apps gestärkt."

Eine vernetzte Nachbarschaftshilfe könne Einsamkeit von Senioren mindern, den Zusammenhalt stärken. Die Möglichkeit für regionale Unternehmen, lokale Produkte zu bewerben, könne die Nahversorgung verbessern und gleichzeitig die Wirtschaft vor Ort fördern.

Dorf-Apps made in Mittelhessen

Das Gießener Unternehmen "Fabrik19" entwickelt zusammen mit der Agentur "Denkstrukturen" aus Lich solche Dorf-Apps. Mit ihrem Konzept "Dorfleben digital" sind sie seit Freitag auf der Messe "Grüne Woche" in Berlin präsent, gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Markwart Pralle, Geschäftsfüher von "Fabrik19", sieht in der Bündelung aller relevanten Funktionen den großen Vorteil für Gemeinden: "Vieles wird bereits von den Einwohnern in Selbstorganisation realisiert: Auf WhatsApp habe ich momentan den Chat, auf Facebook die Gruppenabsprache, das Dorfblättchen habe ich noch nicht digital und für Mitteilungen der Gemeinde muss ich die Website aufrufen."

Nach einem Baukasten-Prinzip könnte das App-Konzept auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten werden. Möglich sei ein Newsfeed mit den wichtigsten Informationen aus der Region, ein Eventkalender mit Stadt- und Vereinsterminen, ein nachbarschaftlicher Mitbring- und Lieferservice, eine Chat- und Gruppenfunktion sowie eine kommunale Angebots- und Verkaufsplattform. Auch ein aktueller Fahrplan für den öffentlichen Nahverkehr und eine kommunal organisierte Mitfahrzentrale können integriert werden.