Mathias Wald Drogensucht

Mathias Wald war drogenabhängig und wollte sich das Leben nehmen. Dank einer glücklichen Fügung kam alles anders: Jetzt hilft er Betroffenen, neuen Mut zu finden.

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hessenschau vom 06.02.2021
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Wenn Mathias Wald von seinem Einstieg in die Drogensucht erzählt, erinnert er sich, wie einfach sich alles am Anfang angefühlt hat: Mit dem Joint kamen die Leichtigkeit und der Wunsch, alles vergessen zu wollen. "Bei mir begann es am Lagerfeuer einer Auszubildendenfahrt", sagt er. Die Sorgen, die das Erwachsenwerden mit sich bringt, seien plötzlich weit weg gewesen. "Ich hatte so das Bedürfnis, das wieder zu tun." Und Wald tat es: Die Joints wurden zu seinem regelmäßigen Begleiter.

Von da aus sei der Schritt zu härteren Drogen dann nicht mehr weit gewesen, sagt der heute 46-Jährige aus Künzell (Fulda). Bis Wald alles mögliche konsumiert: Cannabis, dann Amphetamine wie Speed und Ecstasy, Kokain und LSD. Täglich sei er auf Drogen gewesen.

Wald: "Ich musste erst noch ein Stück tiefer fallen"

Zwölf Jahre bestimmt die Drogensucht das Leben von Wald. Er dealt, bricht Autos auf, kommt in Untersuchungshaft, seine Lunge kollabiert. Er habe gar nicht wahrgenommen, dass er kriminell wurde, sagt er heute: "Ich brauchte die Drogen, und ich wollte Spaß haben und mich zuballern." Die Sucht sei so stark gewesen, ein Strudel, in dem er vieles nicht mehr mitbekam: "Ich musste erst noch ein Stück tiefer fallen."

Nach mehr als einem Jahrzehnt auf Drogen bekommt Wald eine drogeninduzierte Psychose, leidet an Verfolgungswahn und epileptischen Anfällen. Er schließt sich zu Hause ein, traut niemandem mehr. "Ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten."

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

An einem Februartag im Jahr 2003 will Wald sein Leben beenden, seit vier Tagen ist er zu diesem Zeitpunkt wach. "Ich habe Stimmen gehört, ich hatte Wahnvorstellungen. Ich habe gesagt, ich fahr' jetzt auf die Autobahn und gegen eine Brücke oder von einer Brücke runter. Da habe ich wirklich diesen Mut zusammengenommen, jetzt Schluss zu machen."

Er schafft es nicht bis zum Auto: Vor seiner Tür steht ein Arbeitskollege, der sich Sorgen macht. "Junge, was ist denn los?", fragt er. Wald bricht vor ihm zusammen. Der Kollege habe gesagt "Du musst dich selbst lieben", erinnert sich Wald, "du bist gut, so wie du bist." Diese Worte hätten etwas in ihm ausgelöst, sein Leben sei wie in einem Film an ihm vorbeigerauscht – alles habe sich von da an verändert. Wald lässt sich freiwillig in eine Psychiatrie einweisen und macht anschließend eine Therapie.         

Der Neustart gelingt 

Immer an seiner Seite: seine Familie und vor allem Lebenspartner Markus. Ein Jahr vor dem ganz tiefen Fall haben sie sich kennengelernt. Während des Kampfes zurück ins Leben gibt Markus ihm die nötige Kraft durchzuhalten. Wald sagt heute, ohne ihn und seine Mutter hätte er es nicht geschafft. "Meine Mutter und mein Freund haben während meines Entzugs vor meiner Wohnung Wache gehalten, im Auto, immer abwechselnd."

Der Neustart gelingt. Heute - fast 18 Jahre nach der Sucht - steht Wald mitten im Leben. Er leitet seine eigene Werbeagentur und hat seine Erfahrungen zum Beruf gemacht. Seit fast 15 Jahren steht er als Redner auf der Bühne und engagiert sich in der Suchtprävention. Er besucht Schulen und Betriebe, spricht auf Kongressen. Der 46-Jährige weiß, seine Geschichte kann anderen den Mut geben, sich ihrer Sucht zu stellen. "Auch wenn du tief fällst, kannst du was aus deinem Leben machen", sagt er.

Wald: "Sucht ist eine Krankheit, die die ganze Familie befällt"

Ex-Junkie Wald bietet dafür die nötige Hilfestellung. Vor zwei Jahren hat er die Videoplattform Elternsuchthilfe ins Leben gerufen. Hier sollen Eltern Hilfe finden, deren Kinder in die Sucht abgerutscht sind. In über 100 Videos sprechen Experten und ehemalige Süchtige über ihre Erfahrungen und zeigen Lösungstrategien im Umgang mit der Sucht auf.

Sucht sei eine Krankheit, die die ganze Familie befällt, weiß Wald. "Da, wo jemand süchtig ist, gibt es immer Angehörige oder Freunde, die co-abhängig sind. Die also unter der Sucht selbst oder unter den Bemühungen, dem anderen zu helfen, leiden." Mathias Wald will den Familien zeigen, dass es einen Ausweg aus dieser Spirale gibt.

Weitere Informationen

Hilfe bei Suizid-Gedanken

Wenn Sie verzweifelt sind und in einer bedrückenden Lebenssituationen keinen Ausweg sehen: Suchen Sie sich Hilfe bei anderen Menschen. Das kann ein Gespräch mit Familienangehörigen oder Freunden sein. In seelische Krisen könne man immer wieder mal geraten, das sei nichts Unnormales, sagen Psychologen. Deshalb gibt es Hilfe und professionelle Beratungsangebote. Hier können Sie auch anonym bleiben. Die Telefonseelsorge ist zu jeder Tages- und Nachtzeit unter der Rufnummer 0800/1110111 erreichbar.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 06.02.2021, 19.30 Uhr