Ex-Covid19-Kranke Lukas Maurer und Katharina Euler

Atemprobleme, Gliederschmerzen, Erschöpfungszustände - auch noch Wochen nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung: Das trifft nicht nur ältere Menschen, wie zwei Unter-Dreißigjährige berichten.

Videobeitrag

Video

zum Video Covid-19-Spätfolgen treffen auch junge Menschen

hs 11.11.2020 Thumbnails
Ende des Videobeitrags

Sätze wie "Corona ist doch nur ein Husten" bringen die 23-jährige Katharina Euler aus Eppertshausen zur Weißglut. Sie erkrankte Ende Juni, bekam Fieber und verlor ihren Geruchs- und Geschmackssinn. Diagnose: Covid-19.

24 Tage verbrachte sie auf Anweisung des Gesundheitsamts in häuslicher Isolation. Einmal pro Woche meldete sich die Behörde und fragte Symptome ab, nach drei Wochen durfte sie wieder arbeiten gehen - was aber nicht bedeutete, dass es ihr bis dahin wieder gut ging. "Ich war einfach immer müde und hatte, wenn ich mich angestrengt habe, auch ganz oft so einen Druck im Halsbereich und musste mich konzentrieren, richtig zu atmen."

Erst seit einem Monat kann Katharina wieder eine Stunde mit ihrem Hund spazieren gehen, ohne danach völlig erschöpft zu sein. So langsam merke sie, dass ihre Kondition besser werde. Insgesamt hatte sie etwa vier Monate Probleme mit der Atmung.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Covid-19-Spätfolgen auch bei jungen Menschen ein Problem

Virologe Ulrich Matt
Ende des Audiobeitrags

Spätfolgen noch nach Monaten

Sich aufs Atmen zu konzentrieren, das kennt auch Lukas Maurer aus Rodgau. "Es war ein Gefühl, als ob ich gleich ersticken würde, weil mein Körper nicht mehr funktionieren würde." Der 29-Jährige erkrankte unwissentlich an Corona, wahrscheinlich schon im März - sicher ist man da aber nicht, er wurde nicht auf Corona getestet.

Im Mai sei es ihm plötzlich wieder schlechter gegangen. Er verspürte "Druck in der Brust", wie er berichtet, das Atmen sei ihm schwer gefallen. Ein Antikörpertest schließlich bestätigte, die Ursache der Beschwerden war das Corona-Virus.

Mit den Spätfolgen dieser Covid-19-Erkrankung kämpft Lukas bis heute: Eigentlich jogge er gerne und spiele Fußball. Wegen der Erkrankung habe er fast ein halbes Jahr aber gar keinen Sport gemacht. Und bis heute habe er noch nicht die Kondition zurückerlangt, die er vor der Erkrankung hatte. Abends im Bett habe er oft Gliederschmerzen und könne deswegen nicht einschlafen.

Keine Therapie, aber eine Nachsorge-Ambulanz

Eine richtige Therapie gibt es für geheilte Corona-Patienten mit Spätfolgen noch nicht. An der Uniklinik in Gießen gibt es aber eine sogenannte Covid-Nachsorge-Ambulanz. Dort können sich Patienten melden, wenn sie nach ihrer Erkrankung weiterhin mit Spätfolgen zu kämpfen haben. "Die Patienten werden in erster Linie regelmäßig untersucht. Es wird geschaut, ob sie Probleme haben, die behandlungsbedürftig sind", sagt der zuständige Arzt Ulrich Matt.

Derzeit werden auf der Covid-Nachsorge-Ambulanz 60 Patienten betreut, doch es werden wöchentlich mehr, sagt Matt. Das Durchschnittsalter der Patienten liege bei 55 Jahren. "Wir haben auch jüngere Patienten, auch mit Mitte, Ende 30 Jahren, aber die meisten schweren Verläufe, sind doch im höheren Alter."

Die häufigsten Symptome der Nachsorge-Patienten seien Schwäche, Müdigkeit, oder Konzentrationsschwächen. Aber auch Beeinträchtigungen in der Lungenfunktion träten hin und wieder auf. Der Arzt betont, dass eine Nachsorge keine Rehabilitation sei. Diese sei aber besonders wichtig, vor allem wenn Patienten einen schweren Krankheitsverlauf hatten und beispielsweise längere Zeit auf der Intensivstation lagen. Diese sollten dann zur Physiotherapie oder Krankengymnastik, um wieder in Schwung zu kommen.

Weitere Informationen

Unser Leben mit Corona

Fakten, Meinungen und Perspektiven zum Leben mit Corona in Hessen: Damit beschäftigt sich am Mittwoch der hr in einem Thementag im Radio, im Fernsehen und im Netz.

Programmtipps

Ende der weiteren Informationen

Betroffene warnen vor Leichtsinn

Katharina Euler hat sich auch vor kurzem in so einer Nachsorge-Ambulanz durchchecken lassen. Ihre Werte seien normal, also nicht auffällig nach einer Covid-Erkrankung. Der Arzt versicherte ihr, dass es ihr bald besser gehen werde. Diese Nachricht war eine große Erleichterung für sie. Doch wenn sie Menschen sieht, die immer noch viel zu eng beisammensitzen oder keine Maske tragen, macht sie das wütend. "Ich war ja zum Glück nicht im Krankenhaus oder musste beatmet werden, aber trotzdem brauche ich so lange, um mich davon zu erholen. Ich möchte ein Umdenken anregen, dass das nicht so auf die leichte Schulter genommen wird."

Auch Lukas hat kein Verständnis für Masken-Verweigerer oder Menschen, die nach seiner Sicht den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen haben. "Ich sehe, dass viele Leute nicht darauf achten, den Abstand einzuhalten. Es ist nicht nur meine Generation, es sind auch ältere Leute." Aber die Krankheit sei hart und beschäftige einen auch noch lange nachdem die eigentlichen Symptome vorbei sind, eben oft über Monate. "Das sollte man nicht unterschätzen."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 11.11.2020, 19.30 Uhr