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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kinder in der Fitness-Krise

Luzie macht in ihrem Kinderzimmer Sport vorm Tablet.

Mit dem Lockdown kam die Lethargie: Vor allem Kinder und Jugendliche litten in den vergangenen Monaten unter massivem Bewegungsmangel. Um das in Krisenzeiten künftig zu vermeiden, hat die Uni Kassel ein spezielles Online-Sportprogramm entwickelt.

Die zehnjährige Luzie stellt ihr Tablet auf das Regal im Kinderzimmer, gleich geht ihr Online-Sportprogramm los. Eine Dreiviertelstunde trainiert sie dann mit anderen Kindern zusammen über den Bildschirm. Seit Februar ist sie mit Spaß dabei, erzählt Luzie. Sie spielen "Feuer, Wasser Luft", Memory mit Bewegung oder Stopp-Tanz.

Projekt der Uni Kassel

"Get Up-Stand Up-Move Up" heißt der Kurs der Uni Kassel, der sich speziell an Kinder im Grundschulalter richtet. In Zusammenarbeit mit dem Verein TSG Wilhelmshöhe untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie der Sport übers Internet zu den Kindern kommen kann - und das motivierend und pädagogisch korrekt.

Denn während Youtube & Co. voll sind mit Fitnessvideos für Erwachsene, haben sich vor allem jüngere Kinder während des Corona-Lockdowns kaum bewegt. Der Weg zur Schule fiel weg, dafür ging es häufiger Richtung Kühlschrank. Das Uni-Team will mit seinem eigens entworfenen Online-Sportprogramm für künftige Krisen ein besseres Angebot für Kinder entwickeln, von dem auch Vereine profitieren können. Insgesamt 60 Kinder im Grundschulalter nehmen an dem Projekt teil.

Bewegungsmangel im Lockdown

Ausschlaggebend für die Idee sei der zweite Lockdown im November gewesen, erzählt Projektleiterin Julia Limmeroth. Vereins- und Schulsport fiel damals ersatzlos aus. "Wir hatten einen Rückgang von 107 Minuten Bewegung auf 60 bis 70 Minuten pro Tag", so Limmeroth. Das sei die untere Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. "Intensive Belastung hat quasi gar nicht mehr stattgefunden."

Das wirke sich nicht nur auf die körperliche Verfassung aus. Auch die Psyche der Kinder leide darunter, weiß Limmeroth. Sport im Verein sei immer mit sozialer Interaktion verbunden, ohne die seien Kinder tendenziell trauriger und unmotivierter. Nur rund acht Prozent der Sportvereine haben laut dem Forschungsprojekt Kindern übers Internet auch während des Lockdowns ein Angebot machen können.

Sport im Kinderzimmer

Beim Uni-Projekt sind der 17-jährige Julius und die 15-jährige Lilly als Übungsleiter eingesetzt. Beide spielen normalerweise Handball bei der TSG Wilhelmshöhe. In Sportsachen setzt sich Julius nun zu Hause vor den Computer, die Teilnehmer werden dazugeschaltet. Nach einem kurzen Begrüßungsritual geht es los.

Wie Lilly freut er sich, dass die Grundschülerinnen und Grundschüler so viel Spaß haben beim gemeinsamen Sport. Das kann Luzie nur bestätigen - für sie kam das Projekt zur richtigen Zeit: "Ich bewege mich gerne und hatte so die Möglichkeit, wieder etwas zu machen."

Damit ist sie nicht alleine, wie eine Studie des Deutschen Kinderhilfswerks zeigt. 90 Prozent der befragten Kinder vermissten während des Lockdowns Sport und Bewegung.

Positives Zwischenfazit

Projektleiterin Limmeroth kann bereits ein erstes Fazit von "Get Up-Stand Up-Move Up" ziehen: "Wir sehen, dass die Kinder Spaß hatten, wenigstens etwas in Kontakt mit anderen bleiben und eine Bindung zu den Übungsleitern aufbauen konnten." Die gesammelten Daten müssten nun ausgewertet werden.

Für Luzie endet der Onlinekurs jetzt vorerst. Da Vereinssport inzwischen wieder möglich ist, hat sie sich entschlossen, wieder zum Handball-Training zu gehen. In Sachen Fitness ist sie bestens gerüstet.

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