Ein Kind testet sich selbst auf das Coronavirus.

Landesweit steigen die Corona-Fälle bei Kleinkindern, eine Testpflicht in Kitas gibt es trotzdem nicht. Ein Wiesbadener Kitaträger will sich damit nicht abfinden.

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hessenschau vom 19.04.2021
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Seit diesem Montag gilt an Hessens Schulen eine Corona-Testpflicht: Zweimal in der Woche müssen die Schülerinnen und Schüler selbst einen Antigen-Schnelltest durchführen, damit sie am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen. Für die Kitas ist ein solcher Schritt bisher nicht geplant.

Dabei ist das Risiko, sich in einer Kita mit dem Coronavirus zu infizieren, für die Angestellten hoch. Bis Montag galt noch keine Maskenpflicht. Immer wieder kam es zu Ausbrüchen, nach denen Gruppen oder sogar ganze Kitas wochenweise geschlossen wurden.

Limburg: Inzidenz bei Kleinkindern über 400

Besonders hart trifft es derzeit den Kreis Limburg-Weilburg: Hier lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Null- bis Vierjährigen laut Robert Koch-Institut (RKI) am Montag bei 457 - und damit fast doppelt so hoch wie über alle Altersgruppen hinweg gerechnet. Seit Monatsbeginn habe es in elf Kitas und Krippen Corona-Ausbrüche gegeben, teilte der Kreis auf Anfrage mit.

Eine davon: Die Villa Kunterbunt in Limburg. Ende März musste die gesamte Kita dicht gemacht werden, weil sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Quarantäne waren. Alle neun Krippenkinder wurden positiv auf das Coronavirus getestet, obwohl nur eines von ihnen Symptome zeigte.

Kita-Leiterin: "Warum werden die Kinder nicht getestet?"

Geschützt fühle sie sich in der Kita "in keinster Weise", sagt Kita-Leiterin Kerstin Lang. Auch nicht durch die Maskenpflicht, die für die Erzieherinnen und Erzieher seit Wochenbeginn gilt. Vor einer Ausbreitung der hochansteckenden britischen Variante des Coronavirus hilft das ihrer Meinung nach ebenso wenig wie Desinfizieren - schließlich sei gerade den kleineren Kindern schwer zu vermitteln, dass sie Körperkontakt vermeiden sollen.

"Die Bremse hätte viel früher gezogen werden müssen", ist Lang überzeugt. Nicht durch eine Schließung der Kitas, denn die sozialen Kontakte seien wichtig für die Kinder. Sondern durch verpflichtende, regelmäßige Tests: "Warum werden die Kinder nicht getestet? Ich würde mir wünschen, dass sie die Kita nur noch mit einem negativen Testergebnis besuchen dürfen."

Die Gewerkschaft GEW hatte das vor ein paar Tagen ebenfalls gefordert. Eltern sollten regelmäßig zu Hause kindgerechte Gurgel-, Lolli- oder Spucktests durchführen und der Kita das negative Ergebnis bestätigen, lautete der Vorschlag der GEW-Vorsitzenden Birgit Koch. Denn die Angst vor einer Ansteckung sei groß und die Personaldecke dünn.

Frankfurt: Mehr Ansteckungen in Kitas als in Schulen

Zahlen des Robert Koch-Instituts belegen: Die Ausbrüche in den Kitas nehmen zu. Deutschlandweit stieg der Anteil an Kitas, in denen mindestens eine Gruppe zeitweise geschlossen werden musste, demnach von 1,8 Prozent im Februar auf 4,7 Prozent am 19. März. Die Zahl der übermittelten Kita- und Hort-Ausbrüche habe Mitte März ihren bisherigen Höhepunkt mit 197 innerhalb einer Woche erreicht, heißt es in der Corona-Kita-Studie für März.

In Frankfurt zählte die Stadt seit Jahresbeginn 25 Corona-Ausbrüche an Schulen - und 142 in Kitas. Man müsse von einer höheren Übertragungswahrscheinlichkeit in Kitas ausgehen, da dort die Schutzmaßnahmen nicht umgesetzt werden könnten, teilten Stadt und Gesundheitsamt in einem Brief mit, den viele Kitas an die Eltern verschickten.

Maßnahmen leitete die Stadt daraus allerdings nicht ab: Kontaktpersonen würden ermittelt und Infektionsketten durch Tests zuverlässig unterbrochen, sagte Stadtrat Stefan Majer (Grüne). Dieses Vorgehen habe sich bewährt. Ähnlich urteilt das Land Hessen: Während Schulen in Kreisen mit einer Inzidenz über 200 wieder geschlossen werden sollen, gilt für die Kitas weiterhin nur eine dringende Empfehlung, die Kinder zu Hause zu betreuen.

Wiesbaden: Freiwillige Tests für Kinder

In der Wiesbadener Kirchengemeinde Sankt Bonifatius war man das Warten auf die Politik leid. Ende Februar war es in einer der zugehörigen Kitas zu einem größeren Ausbruch gekommen. Sieben Kinder und elf Mitarbeiter wurden positiv getestet; einige Mitarbeiter erkrankten schwer, obwohl sie bereits ihre erste Schutzimpfung erhalten hatten.

Seit Montag bieten die sieben Kitas nun kostenlose, freiwillige Schnelltests an, die die Eltern unter Anleitung bei ihren Kindern durchführen können. Kita-Koordinatorin Julia Fauth sagt, die Kirchengemeinde habe für rund 6.400 Tests 26.000 Euro ausgegeben. Das würde mindestens reichen, um alle Kinder und Mitarbeiter einmal in der Woche zu testen.

"Damit haben wir zwar tief in den Geldtopf gegriffen, aber die Sicherheit unserer Mitarbeiter geht vor", so Fauth. Viele Kinder trügen das Virus in sich, ohne dass es auffalle. Das würde dann durch die Reihentests bemerkt. Sie hoffe, dass das Angebot von den Eltern angenommen werde.

Mimik für Sprachentwicklung wichtig

Ricarda Neuwirdt, Leiterin der Kinderkrippe Purzelbaum in Limburg-Dietkirchen, ist anderer Meinung. Sie könne verstehen, wenn Eltern nicht wollten, dass ihre Kinder getestet werden, sagt sie. Schließlich sei gerade ein PCR-Test für die Kinder unangenehm. Auch von der Maskenpflicht halte sie wenig, da die Mimik für die Sprachentwicklung wichtig sei. "Meine Lippenbewegungen, ob ich etwas ernst sage oder lache, das geht hinter der Maske verloren", sagt sie.

Dass sich in ihrer Kita alle Erzieherinnen und Erzieher bereits einmal mit Astrazeneca impfen lassen konnten, gebe ihnen etwas Sicherheit. Und auch die Testpflicht der Mitarbeiter würde gut angenommen. "Schön wäre es jetzt noch, wenn die Informationen vom Land schneller kommen würden, damit wir die Fragen der Eltern besser beantworten können", sagt sie.

Sendung: hr-fernsehen, 19.04.2021, 19.30 Uhr