Virologe Martin Stürmer beantwortet Nutzerfragen

Heiligabend steht vor der Tür: Wie verbringen wir die Weihnachtsfeiertage, ohne unsere Familien zu gefährden? Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer gibt Antworten auf drängende Fragen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Virologe Stürmer beantwortet Fragen zu Corona und Weihnachten

Der Virologe Martin Stürmer im Labor
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Der harte Lockdown steht vor der Tür - Weihnachten ebenfalls. Viele stehen nun vor der Frage, wie sie mit Verwandten und Freunden feiern können und wie sie Sorge tragen können, sich dabei nicht anzustecken. Hörerinnen und Hörer der hr3-Morningshow hatten die Gelegenheit, sich vom Frankfurter Virologen Martin Stürmer Antworten geben zu lassen. Wir veröffentlichen hier eine Auswahl.

In zehn Tagen ist Heiligabend. Hat es Sinn, dass ich mich vorab noch prophylaktisch testen lasse, um mit der Familie feiern zu können?

Martin Stürmer: Es kommt erst mal auf den Test an. In aller Munde sind ja im Moment diese Antigen-Schnelltests. Die liefern relativ schnell ein Ergebnis, 15 Minuten, keine Wartezeit, kein Labor. Damit bekomme ich aber maximal eine Sicherheit von einem Tag. Das heißt, wenn ich mich am 23. Dezember testen lasse, habe ich spätestens am 25. keine Sicherheit mehr mit diesem Test.

Ein PCR-Test gäbe mehr Sicherheit über die Feiertage. Die Probe muss allerdings ins Labor, und wegen der begrenzten Kapazitäten ist auch nicht gewiss, dass das Ergebnis vor Weihnachten da ist.

Was bringt es, wenn ich mich vor Weihnachten in freiwillige Selbstisolation begebe?

Martin Stürmer: Es bringt natürlich etwas, wenn man die Kontakte auf das absolute Minimum reduziert. Aber das muss halt konsequent geschehen. Wer drei Tage zu Hause bleibt und danach wieder lauter Leuten trifft, handelt kontraproduktiv.

Wichtig ist, dass die Kinder entsprechend agieren und nicht doch mit Freunden unterwegs sind. Wenn Kinder sich infizieren, zeigen sie oft keine Symptome. Dann wiegt man sich in einer Pseudo-Sicherheit, und es kommt vielleicht doch zu einer Ansteckung.

Wie muss eine wirksame Selbstisolation aussehen?

Martin Stürmer: Sie sollte mindestens eine Woche dauern. Es bedeutet nicht nur, Kontakte zu reduzieren, sondern sie möglichst auf Null zu schrauben. Wo sich Menschen auf engem Raum treffen, ist eine Infektion möglich.

Muss ich mir keine Sorgen mehr machen, andere anzustecken, wenn ich schon mal infiziert war?

Martin Stürmer: Man sollte sich trotzdem so verhalten wie alle anderen auch. Ich rate davon ab, für sich eine Sonderregel zu definieren und etwa im Supermarkt keine Maske mehr zu tragen. Erstens käme das nicht gut an. Zweitens gibt es bestimmt genug Menschen, die einem nicht glauben. Daher sollte man keine Ausnahmen machen.

Würden FFP2-Masken an Weihnachten helfen?

Martin Stürmer: Wir haben inzwischen vieles gelernt über die FFP2-Masken. Sie sind absolut hochwertig und der beste Schutz, den man letztendlich haben kann. Gerade für die Großeltern, wenn man sich denn trifft, sollte man das Bestmögliche an Schutz rausholen.

Macht die Ausnahmeregel für Weihnachten die Bemühungen des neuen Lockdowns nicht wieder kaputt?

Martin Stürmer: Die Ausnahmeregelung an Weihnachten ist mit dem aktuellen Beschluss deutlich besser geworden als vorher. Damit hatte ich definitiv ein Problem. Mit der aktuellen Regelung ist natürlich ein gewisses Risiko verbunden. Aber ich denke, das ist zum einen vertretbar, und zum anderen bleibt der Appell an alle: Nicht alles, was erlaubt ist, muss auch gemacht werden.

Ergeben die nächtlichen Ausgangssperren aus virologischer Sicht Sinn?

Martin Stürmer: Infektionen finden wahrscheinlich vielfach im privaten Bereich statt. Den kann man schwer kontrollieren. Wenn man ohne triftigen Grund nicht mehr die Wohnung verlassen darf, kann man sich nicht mit mehreren Leuten irgendwo bei einem Kumpel zu einer Party treffen, allein der Verkehr dorthin wird unterbunden. Deswegen haben die Ausgehverbote auf jeden Fall Sinn.

Ich hätte mir gewünscht, dass das deutschlandweit einheitlich geschieht, orientiert am regionalen Infektionsgeschehen. Ich glaube, dass es letztlich das beste Mittel ist, um die privaten Kontakte weiter einzuschränken und damit Infektionen zu vermeiden.

Wann werden wir merken, ob dieser harte Lockdown wirkt?

Martin Stürmer: Wahrscheinlich erst kurz nach Weihnachten. Jede Maßnahme, die wir jetzt umsetzen, braucht eine gewisse Zeit, bis sie sich in den Zahlen widerspiegelt. Das Infektionsgeschehen, das wir heute messen, liegt in der Regel eineinhalb Wochen zurück. Um den 26. Dezember herum sollten wir sehen, ob das Ganze etwas gebracht hat.

Ändern sich die Beschränkungen, wenn geimpft werden kann?

Martin Stürmer: Wenn die Impfung da ist, werden sich die Beschränkungen erst einmal nicht ändern. Wir werden erst nur einen kleinen Teil der Bevölkerung impfen können. Die Beschränkungen werden sich dann ändern können, wenn wir die Impfung flächendeckend anbieten. Man muss da noch ein bisschen Geduld haben.

Die Fragen stellten Hörerinnen und Hörer von hr3.

Sendung: hr3, Die hr3-Morningshow, 14.12.2020, 07.50 Uhr