Collage: Flugzeug in der Luft, Mikroskopaufnahme des Corona-Virus, Messe Light and Building

Noch ist in Hessen kein Corona-Fall bekannt, trotzdem sind die Auswirkungen des Virus auch hier spürbar: Eine Messe wurde verschoben, die Lufthansa verhängt einen Einstellungsstopp, und eine Hochschule nimmt vorerst keine chinesischen Studenten auf.

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Frankfurter Messe verschoben

Eigentlich sollte die Messe "Light + Building" am 8. März in Frankfurt starten. Wegen der verstärkten Verbreitung des Coronavirus in Europa wird sie nun auf September verschoben, wie die Messe Frankfurt mitteilte. Die Situation sei in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt bewertet worden.

Weitere Informationen

Coronavirus: Aktuelle Entwicklungen im Ticker

Weltweit haben sich laut WHO mehr als 80.000 Menschen infiziert. Inzwischen geht die Bundesregierung von einer "neuen herausfordernden Lage aus". Das Virus sei nähergerückt. Die Kollegen von tagesschau.de berichten in einem Ticker über die neuesten Entwicklungen.  

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"Es wird eine mehrstufige gesundheitliche Prüfung von Messegästen aus China verlangt, die durch die Messe Frankfurt nur mit unverhältnismäßigem Aufwand realisiert werden kann", hieß es zur Begründung. Die Messe für Licht und Gebäudetechnik gibt es alle zwei Jahre. 2018 seien rund 220.000 Besucher gekommen.

Einstellungsstopp bei Lufthansa

Bis Ende März hat die Lufthansa sämtliche Passagierflüge zum chinesischen Festland gestrichen. Auch für Verbindungen nach Hongkong kündigte der Konzern wegen der schwachen Nachfrage weitere Streichungen an. Die dadurch wegfallenden Einnahmen zwingen die Airline nun dazu, an anderer Stelle Kosten zu senken.

Geplante Neueinstellungen würden derzeit überprüft, ausgesetzt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, kündigte das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt. Darüber hinaus sollen die Mitarbeiter zu unbezahltem Urlaub und geringerem Arbeitsvolumen in Teilzeit bewegt werden. Neue Schulungskurse für Bord- und Bodenpersonal wurden abgesagt. Die Teilnehmer aus den bereits laufenden Kursen könnten vorerst nicht übernommen werden, sollen aber mittelfristig Arbeitsverträge erhalten.

Fraport: Mitarbeiter sollen frei nehmen

Auch der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport tritt auf die Kostenbremse. Derzeit würden alle größeren Kostenpositionen auf den Prüfstand gestellt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Es gehe darum, den Personaleinsatz dem geringeren Bedarf anzupassen. Das Passagier- und Frachtaufkommen auf den Verbindungen von und nach China und Asien sei bereits stark eingebrochen.

Fraport-Beschäftigte sollen nun auf freiwilliger Basis unbezahlten Urlaub nehmen oder ihre Arbeitszeit reduzieren. Dies betreffe sowohl die Verwaltung als auch den Flugbetrieb, hieß es. Neueinstellungen soll es nur noch in begründeten Ausnahmefällen geben.

Weniger chinesische Touristen

Deutschland ist das europäische Reiseziel Nummer 1 bei Chinesen, Frankfurt steht auf Platz 2 der beliebtesten deutschen Städte. Im vergangenen Jahr übernachteten Chinesen über eine halbe Millionen Mal in Hessen. Der asiatische Markt ist ein wichtiger Quellmarkt, wie der Hessische Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA unterstreicht.

Doch wegen des Coronavirus und der damit verbundenden Reisebeschränkungen bleiben die Touristen aus China momentan aus. Genau beziffern ließen sich die Auswirkungen noch nicht, sagt der DEHOGA. Die Rückmeldungen von hessischen Hoteliers zeigten aber, dass die Umsatzzahlen rückgängig sein und Buchungen storniert würden.

Warenverkehr ausgebremst

Viele hessische Unternehmen liefern nach China oder sind auf Waren aus dem Land angewiesen. In Zeiten des Coronavirus wird das zum Problem: So kann zum Beispiel das Unternehmen Delta Pronatura in Egelsbach (Offenbach), das unter anderem das Fleckenpulver Dr. Beckmann produziert, zur Zeit gar nicht nach China liefern. Das einzige Lager dort sei komplett geschlossen, erzählt Geschäftsführer Heiner Beckmann. "Das ist noch das kleinste Problem. Das größte ist, dass wir dort nichts verschicken können und dadurch natürlich auch keinen Umsatz haben." Dabei sei China ein wichtiger Markt.

Auch umgekehrt wird es zum Problem: Das Unternehmen MATO in Mühlheim am Main (Offenbach) zum Beispiel wartet auf Lieferungen. Für seine Schmiergeräte wie Fettpressen braucht es Akkus, und die kommen aus China. Die Reserven seien fast aufgebraucht, berichtet der Geschäftsführer. Doch die Akkus dürfen in China momentan weder produziert noch ausgeliefert werden. Das Unternehmen kauft nicht nur Komponenten aus China, MATO produziert dort auch selbst. Bis vor wenigen Tagen blieb das Werk wegen des Corona-Virus komplett geschlossen.

Hochschule nimmt vorerst keine chinesischen Studenten auf

Im kommenden Sommersemester will die Hochschule für Gestaltung in Offenbach keine Austauschstudenten aus China aufnehmen. Als diese Entscheidung Mitte Februar bekannt wurde, erntete die Hochschule dafür viel Kritik bis hin zu Rassismus-Vorwürfen.

Doch damit habe der Entschluss nichts zu tun, stellt Kanzlerin Susanne Eickemeier klar. Es liege an der momentanen Situation in China: Viele Universitäten haben den Unterricht eingeschränkt oder sogar komplett eingestellt. Ein Austausch sei deswegen nur schwer möglich. Umgekehrt sei auch die Einreise nach Deutschland für chinesische Studenten nicht unproblematisch. "Da war ungewiss, wie die Quarantäne-Situation ist, wo die Personen unterkommen. Daher erschien es uns folgerichtig, das für einen bestimmten Zeitraum auszusetzen." Sobald die Situation sich geklärt habe, werde man den Austausch wieder aufnehmen.

Andere Hochschulen haben ähnlich reagiert: Die Philipps-Universität Marburg empfiehlt ihren Beschäftigten und Studenten, möglichst keine Reisen nach China zu unternehmen. Auch der Studierendenaustausch ist eingeschränkt, genauso wie an der Technischen Universität Darmstadt und der Hochschule Darmstadt.

DRK verhängt Blutspende-Sperre

Wer aus China zurückkommt, darf vier Wochen lang kein Blut spenden. Das hat das Deutsche Rote Kreuz beschlossen, nachdem die ersten Corona-Fälle dort bekannt geworden waren. Nun gibt es eine weitere Entscheidung des DRK, die auch für hessische Blutspender gilt: Italien-Rückkehrer sind ebenfalls für vier Wochen gesperrt.

Das sei nichts ungewöhnliches, erklärt Eberhard Weck vom DRK-Blutspendedienst in Frankfurt. Man müsse immer abklären, ob mit der Blutspende ein Risiko verbunden sein könnte. So dürften zum Beispiel auch Rückkehrer aus Afrika wegen der Malaria-Gefahr vorübergehend nicht spenden.

Deutsche Bank schränkt Dienstreisen ein

Die Deutsche Bank reagiert auf die Ausbreitung des Coronavirus mit einer Einschränkung von Dienstreisen. "Wir haben Reisebeschränkungen für das chinesische Festland, Hongkong und die betroffenen Teile Italiens auferlegt und Mitarbeiter gebeten, alle nicht absolut notwendigen Reisen vorerst aufzuschieben", sagte ein Sprecher der Bank. Die versuche, das Risiko auch für die Beschäftigten vor Ort so gering wie möglich zu halten, hieß es. "Wir folgen den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und haben unseren Mitarbeitern entsprechende Hygieneempfehlungen nahegelegt", so der Sprecher. Das Geldhaus beschäftigt in China über 1.600 Mitarbeiter, in Italien sogar über 3.600.

Bundesbank: Journalisten, die kürzlich in China waren, bitte nicht kommen!

Auch die Bundesbank ergreift Vorsichtsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus. Für die Pressekonferenz zur Vorstellung ihres Geschäftsberichts 2019 hat sie den angemeldeten Journalisten im Vorfeld folgende E-Mail geschickt: "Für den Fall, dass Sie sich in den vergangenen 14 Tagen in den Corona-gefährdeten Gebieten Asiens oder Europas aufgehalten haben, möchten wir Sie bitten, die Pressekonferenz per Livestream im Internet zu verfolgen." Fragen könne man den Pressesprechern per E-Mail zukommen lassen.