Nachbarschaftshilfe, Einkäufe werden bis zur Tür getragen

Viele wollen helfen - viele suchen Hilfe: Wegen Corona sind Risiko-Patienten, ältere und kranke Menschen ans Haus gebunden. Aber es gibt Unterstützung: Im Internet vernetzen sich immer mehr Helfer und Suchende in den Regionen. Manchmal reicht schon ein offenes Ohr.

Während die Grenzen dicht gemacht werden und Menschen sich seltener treffen dürfen, bilden sich im Internet neue soziale Netzwerke. Nachbarn bieten an, Einkäufe zu erledigen, mit dem Hund Gassi zu gehen oder einfach ein Telefongespräch, um die Isolation in den eigenen vier Wänden zu überwinden. Manche haben sich Italien als Vorbild genommen und verabreden sich für Hauskonzerte auf dem Balkon oder am Fenster.

Wir haben zusammengetragen was Hessen tun, um der Einsamkeit zu trotzen und anderen zu helfen. Beispiele, die ein Vorbild sein können: Auch beim Helfen ist allerdings wichtig, lieber wenigen konstant helfen, statt viele auf einmal zu treffen - jede Ansteckung muss vermieden werden. Für aktuelle Informationen und Austausch hat auch der hr eine Facebook-Gruppe eingerichtet.

Rhein-Main: Hilfe-Netzwerke und Gute Worte an Wäscheleinen

Unter dem Stichwort "Solidarisch trotz Corona" haben sich in Frankfurt, Offenbach und Darmstadt Gruppen über den Messengerdienst Telegram gegründet. Ziel ist es, Hilfesuchende mit denen zu vernetzen, die Hilfe anbieten können. Mittlerweile haben sich in Frankfurt auch Stadtteil-Gruppen gegründet. Auf der Internetseite gibt es Flyer und Plakate in vielen verschiedenen Sprachen zum Ausdrucken - um auch diejenigen zu erreichen, die nicht in Chats aktiv sind.

Orte, die keine Kunden oder Besucher mehr empfangen können, denken um: Etwa das Familienzentrum "Billabong" in Frankfurt. Die Ehrenamtlichen bieten an, Suppe und Kuchen nach Hause zu bringen und Einkäufe zu liefern. Die evangelische Gemeinde Riedberg geht es besinnlich an und ruft dazu auf, jeden Abend um 19.30 Uhr Kerzen ans Fenster zu stellen, "als Zeichen, dass wir zusammenhalten und aneinander denken". Wer Aufmunterung braucht, kann sich vor dem Kirchenhaus Zettel mit "Guten Worten" von einer Wäscheleine pflücken. Den Service gibt es auch als E-Mail.

Die Tafeln in Frankfurt und Offenbach müssen schließen, was viele Familien und Rentner betrifft. Für Offenbach ist eine Notversorgung in Planung, für Menschen, die ihre Bedüftigkeit nachweisen können. Deswegen appellieren viele in den Sozialen Netzwerken auch an jene zu denken, die wenig Geld haben und wegen Corona besonders betroffen sind, wie Alleinerziehende, ärmere Familien und ältere Menschen, die sonst zu den Tafeln müssen.

Nordhessen: Balkonkonzerte, Wursttaxi und Telefon-Angebote

Für Nordhessen gibt es eine Vielzahl an Facebook-Gruppen, die in den Regionen Hilfe anbieten. Eine der größten ist die Corona-Hilfe für Kassel. Einige dort wollen auf einfachem Weg helfen. Sie bieten an, Erledigungen zu übernehmen oder am Telefon ein offenes Ohr zu haben - für alle, die sich zuhause einsam fühlen. Im Kasseler Stadtteil Vorderer Westen wird am Donnerstag ab 17 Uhr nach italienischem Vorbild auf der Straße, Balkonen oder am Fenster musiziert.

In Melsungen (Schwalm-Eder) werden über eine Internetseite Hilfsangebote für Senioren koordiniert. Und wer keine Ahle Worscht mehr daheim hat: Die Landfleischerei Opfer bietet im Werra-Meißner-Kreis ein Wursttaxi an: Kostenlose Lieferung, die Wurst-Box wird vor die Tür gestellt. Was es kostet, wird vorher telefonisch durchgegeben.

Südhessen: Netzwerke, Flyer und Quarantänehelden

Auf der Seite "Corona Hilfe Darmstadt" gibt es Infos zum Helfen und für Suchende. Wer in seiner Nachbarschaft Flyer verteilen möchte, kann dort Vorlagen ausdrucken und verteilen. Mit dabei sind die Jusos in Darmstadt, die Einkaufshilfen anbieten. Die Helfer in Darmstadt verweisen auch auf die Seite Quarantänehelden für Menschen, die das Haus nicht verlassen können oder Risikopatienten sind. Jeder kann seine Postleitzahl eingeben und um Unterstützung in seiner Gegend bitten. Andere können anbieten, wo sie helfen können. Viele versuchen etwa über die Seite, Unterstützung für ihre Angehörigen zu finden oder eine Kinderbetreuung, um weiter arbeiten zu können.

Mittelhessen: Basketballer tragen Einkaufskörbe und Helfer-Karte

Die Gemeindeverwaltungen im Landkreis Gießen bieten an, Hilfe für diejenigen zu koordinieren, die auf anderen Wegen keine Unterstützung finden. Aber auch die offiziellen Stellen rufen zur Solidarität in der Nachbarschaft auf. Die Basketballer der Gießen 46er lassen den Ball ruhen und bieten stattdessen Hilfe an. Für Marburg gibt es zwei Facebook-Gruppen: "Menschen helfen Menschen" und "Marburg-Biedenkopf steht zusammen". Für die Region ist auch eine Karte im Netz zu finden, auf der potentielle Helfer eingetragen sind.

Osthessen: Essensgeschenke und Kinderbetreuung

In der Facebook-Gruppe "Fulda hilft sich!“ werden Hilfsangebote eingestellt: Essensgeschenke, Kinderbetreuung oder Einkaufshilfen. Manche fragen auch einfach andere um Rat oder schicken aufmunternde Worte. Dort melden sich auch Menschen aus dem Landkreis, etwa aus den Gemeinden Hünfeld, Künzell, Petersberg oder Neuhof. Die Grünen in Petersberg organisieren ebenfalls Einkaufshilfen. Und auch in Bad Hersfeld und im Landkreis Hersfeld-Rothenburg vernetzen sich Menschen bei Facebook, um zu helfen, mittlerweile hat die Gruppe schon mehr als 1.300 Mitglieder. Auch in der Rhön wird geholfen: Die "Rhöner Nachbarschaftshilfe" organisiert auf Facebook Ehrenamtliche, die Bedürftigen helfen können.

Ihre Kommentare Wo wird bei Ihnen geholfen oder entstehen Netzwerke? Bitte nennen Sie die Region und das Hilfe-Angebot mit einem Link.

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14 Kommentare

  • Gerne biete ich meine Unterstützung an, z.B. Tätigen von Einkäufen.

  • Einkaufen.
    Kinder betreuung.
    Flyer


  • in/für Marburg und Umgebung gibt es eine Nachbarschaftshilfe von aktiven Marburger*innen, die Hilfsangebote wie auch Hilfsgesuche sammelt und vermittelt. Neben Telefon- und Mail-Dienst sind die Helfenden auch direkt über eine Karte zu finden.

    Zu finden unter https://covidmr.de

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