Ein brauner Hund hinter einem Gitter. Er hat sich am Gitter aufgestellt, mit seiner Pfote am Gitter.

Wegbrechende Spenden, gestiegene Ausgaben und ein hoher Durchlauf von "Homeoffice-Hunden": Tierheime hat das vergangene Corona-Jahr stark belastet. Auch ein neues Hilfsprogramm der Bundesregierung hilft da nur bedingt weiter.

Videobeitrag

Video

zum Video Wie Tierheime unter Corona leiden

hs_060521
Ende des Videobeitrags

Keine Feste, keine Flohmärkte - und damit kaum Spenden. Tierheimen hat die Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten arg zugesetzt. "Es war für uns eine Zeit ohne klare Perspektive, da keiner einschätzen konnte, wie lange es so weitergeht", erzählt Maresi Wagner. Sie leitet das Kreistierheim in Marburg. Bis zu 30 Hunde und 80 Katzen leben hier; 10 Menschen kümmern sich um sie.

Spendern fehlte selbst das Geld

Die Vermittlung der Tiere war gerade zu Beginn der Pandemie zusätzlich erschwert, wie Wagner berichtet. Während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr sei die Nachfrage nach Hunden groß gewesen. "Allerdings vor allem nach Welpen, und die gibt es im Tierheim kaum", so die Leiterin. Und selbst bei erfolgreich vermittelten Tieren blieb der Durchlauf weiter hoch: Einige Leute im Homeoffice hätten sich zwar einen Hund geholt, viele fühlten sich auf die Dauer aber doch überfordert und gaben das Tier wieder zurück.

Maresi Wagner mit Hund

Volle Zwinger bedeuten auch höhere Kosten. Zum Anfang von Corona sah es da in Marburg gar nicht mal so schlecht aus, sagt Wagner. Viele Leute wollten in der schwierigen Zeit etwas Gutes tun und spendeten an das Heim. Mit Verlauf der Pandemie habe sich das aber geändert. Regelmäßige Spender konnten kein Geld mehr geben, weil sie selbst von Kurzarbeit oder Jobverlust betroffen waren.

Förderung aus Bundesmitteln

Wie andere Tierheime auch hat das Marburger im vergangenen Jahr nicht nur weniger eingenommen, sondern musste durch Corona auch deutlich mehr ausgeben: Zu den Kosten für Mitarbeiter, Tierfutter und Ärzte kamen auch noch Masken, Desinfektionsmittel und weitere Corona-Folgekosten dazu.

Die Bundesregierung hat diese Misere nun erkannt und gewährt Vereinen, die Träger von Tierheimen sind, seit einigen Tagen einmalig einen Zuschuss von 7.500 Euro aus der Bundeskasse. Besser als nichts, findet Tierheim-Leiterin Maresi Wagner. Der Betrag decke aber gerade mal die Kosten von einer Woche.

Manche Heime gehen leer aus

Kleine, zumeist ehrenamtlich geführte Einrichtungen gehen indes mitunter leer aus, weil sie die betrieblichen oder wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Förderung nicht erfüllen. Anspruchsberechtigt sind laut Bundesumweltministerium nämlich nur Tierheime, die durch Mehrkosten und Mindereinnahmen im vergangenen Jahr ein Defizit von mindestens 7.500 Euro aufweisen können.

Leidtragend seien "ganz viele, ganz wichtige Vereine - zum Beispiel die Katzenschutzvereine, die Kastrationsaktionen machen", sagt Sigrid Faust-Schmidt vom hessischen Tierschutzverband. Da diese oft kein eigenes Tierheim betreiben würden, könnten sie auch keine Förderung beantragen.

Dauerhafte Unterstützung gefordert

Trotzdem ist die finanzielle Unterstützung für die Tierschützer ein wichtiges Zeichen, das aber längst nicht einmalig bleiben sollte: Solche Förderungen müsse es auch unabhängig von Corona geben - und zwar so unbürokratisch wie möglich. Häufig seien die Anträge für Förderprogramme schon so aufwändig, dass viele Tierheime daran scheitern würden, erklärt Faust-Schmidt.

Die Leiterin des Marburger Tierheims, Maresi Wagner, ist jedenfalls dankbar für die 7.500 Euro, die ihr Verein bekommt. "Damit kann man wenigstens einen Teil der zusätzlich ausgegebenen Gelder decken. Aber wunschlos glücklich wird damit kein Tierheim."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 06.05.2021, 16.45 Uhr