Seda Basay-Yildiz hat den vierten Drohbrief innerhalb weniger Monate erhalten, in dem sie und ihre Familie bedroht werden.

Die Serie an Drohbriefen gegen die Anwältin Seda Basay-Yildiz reißt nicht ab. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang eines vierten Briefes. Das Schreiben wurde direkt an die Anwaltskanzlei gesandt.

Die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz ist in einem neuen Drohbrief abermals bedroht und verunglimpft worden. Das bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Nadia Niesen, dem hr. Das nunmehr vierte Schreiben dieser Art sei demnach direkt in der Kanzlei der Anwältin eingegangen. Zuerst hatte die Frankfurter Allgemeine (FAZ) darüber berichtet. Die Zeitung hatte allerdings geschrieben, der Brief sei dieses Mal per Fax an das Polizeipräsidium Frankfurt geschickt worden.

Das Schreiben ist nach Angaben Niesens in der Aufmachung mit den früheren Drohbriefen identisch. Diese trugen die Unterschrift "NSU 2.0". Wer hinter den Faxen stecke, sei weiter unklar. "Die Ermittlungen sind im Gange", sagte Niesen.

Laut dem FAZ-Bericht gehen die Ermittler davon aus, dass das Fax aus derselben Quelle stammt wie die vorangegangenen Schreiben. Es soll über die gleiche verschlüsselte Verbindung geschickt worden sein. Eine Urheberschaft der Drohschreiben konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Erst vor wenigen Tagen hatte die Frankfurter Anwältin einen dritten Drohbrief erhalten. Schon in den Schreiben des vergangenen Jahres waren mit der Unterschrift "NSU 2.0" massive Drohungen an die Rechtsanwältin und an Familienangehörige ausgesprochen worden.

Anwältin kritisiert Vorgehen der Polizei

Dabei waren private Daten genannt worden, über die nur die Behörden verfügen sollen. Die bisherigen Ermittlungen hatten ergeben, dass an einem Computer im 1. Polizeirevier Frankfurt eine entsprechende Abfrage ohne Anlass vor dem ersten Fax getätigt worden war. In diesem Zusammenhang waren fünf Frankfurter und ein Marburger Polizist aufgeflogen. Sie hatten über eine Messenger-Chatgruppe rechtsextremistische Inhalte ausgetauscht. Die Beamten sind vom Dienst suspendiert worden.

Zuletzt hatte die Anwältin kritisiert, dass sie nicht richtig über die Ermittlungen in ihrem Fall informiert worden sei. Sie forderte ein hartes Durchgreifen gegen "rechte Strukturen" in der Polizei. Basay-Yildiz vertrat im Münchener NSU-Prozess eine Opferfamilie aus Schlüchtern (Main-Kinzig). Außerdem leistete sie mutmaßlichen islamistischen Terroristen rechtlichen Beistand.

Hinweis: Die FAZ hatte am Montagabend berichtet, dass der vierte Drohbrief beim Polizeipräsidium eingegangen sei. Auch hessenschau.de hatte dies so übernommen. Am Dienstag korrigierte die Staatsanwaltschaft die Angaben und bestätigte, dass Drohbrief Nummer vier an die Anwaltskanzlei gegangen sei.

Sendung: hr-iNFO, 4.02.2019, 22 Uhr