Mathe-Unterricht in einer 7. Klasse der Offenbacher Bachschule.

Hessens Schulen kehren nach den Sommerferien zum Präsenzunterricht für alle zurück. Das Abstandsgebot im Unterricht fällt dafür weg. Bildungsgewerkschaften kritisierten die Pläne.

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Die Grundschulen hatten bereits zwei Wochen vor den Sommerferien den Anfang gemacht, nach den Ferien sollen dann auch die übrigen Schulformen in den Präsenzunterricht und zur Fünf-Tage-Woche zurückkehren. Das teilte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in Wiesbaden mit.

"Aufgrund der positiven Rückmeldungen seit der Aufhebung des Abstandsgebots an unseren Grundschulen und weil sich das Infektionsgeschehen in Hessen nochmals deutlich verlangsamt hat, werden wir nach den Sommerferien auch in den übrigen Schulformen zu einem Präsenzunterricht an fünf Tagen in der Woche zurückkehren", sagte Lorz.

Er berief sich auf medizinische Empfehlungen und die Ergebnisse einer Konzeptgruppe, in der Vertreter von Schülern, Eltern, Lehrern, Ministerium und Schulämtern mitgearbeitet hätten.

Abstandsgebot nein, Hygienregeln ja

Das Abstandsgebot wegen der Corona-Pandemie werde im Unterricht aufgehoben, so Lorz. Dies mache es möglich, zu einem geregelten Klassen- und Kurssystem ohne Begrenzung der Gruppengröße zurückzukehren.

"Die gängigen Hygieneregeln, also insbesondere die Vermeidung körperlicher Kontakte und, wo immer möglich, die Wahrung eines angemessenen Abstands, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung außerhalb der Unterrichtsräume, die Desinfektion von Oberflächen und das regelmäßige Händewaschen, bestehen selbstverständlich fort", betonte der Minister.

Lorz weiter: "Wir gehen diesen Schritt aus Überzeugung - wohlwissend, dass es ein Nullrisiko nicht geben kann und dass im Bedarfsfall lokal oder auch flächendeckend erneut Einschränkungen erforderlich werden können."

Ausnahmen nur mit ärztlichem Attest

Seit Wiederaufnahme des Unterrichts in Hessen nach der coronabedingten Zwangspause sind die Schüler abwechselnd in kleineren Gruppen unterrichtet worden. In den Grundschulen hatte bereits am 22. Juni wieder ein normaler Präsenzunterricht für die Kinder begonnen, allerdings können die Eltern bislang noch selbst entscheiden, ob ihr Kind zur Schule geht oder den Unterrichtsstoff zuhause lernt.

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Im neuen Schuljahr gilt dann aber wieder eine Präsenzpflicht für alle Schüler und Lehrer. Eine Aufhebung der Präsenzpflicht sei dann nur mit einem ärztlichen Attest möglich, teilte Lorz mit. Lehrer könnten sich bei Bedarf kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Die Schüler, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen könnten, sollten dann digital ins Klassenzimmer dazu geschaltet werden. Bei Bedarf werde ihnen ein entsprechendes Gerät geliehen.

Kritik an fehlenden Konzepten

Bildungsgewerkschaften und die Landtagsopposition kritisierten das Konzept als unzureichend. Es fehle an ausreichenden Hygienekonzepten und einem Plan B im Fall einer zweiten Welle von Infektionen im Herbst.

Auf ein geteiltes Echo stießen die Pläne bei den Eltern. "Wir haben Eltern, die freuen sich sehr über einen geregelten Alltag; dass die Kinder ihre Freunde wiedersehen und ordentlich unterrichtet werden", sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Korhan Ekinci. "Wir haben aber auch sehr viele Rückmeldungen von Eltern, die besorgt sind, dass die Schulen wieder aufmachen, die Kinder keinen Abstand halten und die Gruppenregeln aufgelöst werden", so Ekinci. Manche erwägten sogar schon Klagen gegen die Öffnung.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 30.06.2020, 16.45 Uhr

Ihre Kommentare Schulen kehren nach den Ferien zum Regelbetrieb zurück: Was halten Sie davon?

216 Kommentare

  • Nichts. Absolut riskant. Das würde ich privat nicht riskieren.

  • Ich befürchte - und das ist meine persönliche Meinung- das wir uns in Zukunft daran gewöhnen müssen, mit solchen Viren zu leben. Das heutige heißt Covid-19, in ein paar Tagen/Monaten/Jahren kommt Covid-25, R2D2 oder C3PO. Was dann? Wieder ein Lockdown? Wieder alle Schulen und Geschäfte zu? Die Fabriken dicht, Gastronomie geschlossen. Das schafft auf Dauer keine Gesellschaft, weder die ökonomische noch die soziale. Bitte mal aktuell z. B. die Küstenregionen anschauen: Urlauber dicht an dicht, keine (bzw. wenige) mit Masken, Coronaregeln werden ignoriert. Keiner macht sich Gedanken. Wenn Schule zu, dann auch Küste zu, kein Urlaub, stay at home. Wollen die wenigsten (siehe Küsten etc.). Deshalb bin ich dafür, die Schulen nach den Sommerferien wieder vollumfänglich zu öffnen. Der Alltag muss zurück, im Zweifel auch mit höherem Ansteckungspotential. Denn auf Dauer befürchte ich - wie oben erwähnt - dass auf Covid-19 weitere Viren folgen könnten. Und auf ewig geht es so nicht weiter.

  • Die Krise war bisher eine Herausforderung für alle und wir hatten großes Glück. Man kann natürlich nicht ewig so vor sich hin dümpeln und vielleicht zuhause hocken. Verwunderlich fand ich die schnelle und selbsttätige Einsicht der Politik, sofort standen Gelder bereit, auch wenn ich eher Menschen kenne, die immer noch darauf warten. Da wir zur Vergesslichkeit neigen, wie bedroht wir uns "gestern" noch fühlten, kommt nun die Schwamm-drüber Mentalität der hessischen CDU vielen gelegen. Dabei fehlt mir leider jeglisches Anknüpfen an die Vorsicht der vergangenen Wochen. Der Vorteil liegt auf der Hand, Freunde wieder sehen, ab in den Urlaub. Überspielung der Konzeptlosigkeit seitens der Politik im Falle eines weiteren halben Schuljahres wie bisher. Gott sei Dank kenne ich keinen der bisher Verstorbenen. Ich farge mich manchmal, was sie zu dem Hauruck der Schulöffnung sagen würden.

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