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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So schneidet Hessen im Schuldneratlas 2020 ab

Dispo Zinssätze

Rund jeder zehnte Hesse kann einer Studie zufolge seine Rechnungen nicht bezahlen. Regional gibt es große Unterschiede bei der Verschuldung. Wiesbaden führt das Negativ-Ranking an.

In der hessischen Landeshauptstadt sind einer Studie zufolge besonders viele Menschen verschuldet. In ihrem am Dienstag veröffentlichten "Schuldneratlas 2020" listet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform Wiesbaden unter den bundesweit zehn Städten mit der höchsten Überschuldungsquote auf.

Creditreform berücksichtigt bei seiner Berechnung nicht nur Menschen, die in einer Privatinsolvenz stecken, sondern zum Beispiel auch Verbraucher, die ihre Rechnungen nicht bezahlt haben und deshalb mehrmals abgemahnt wurden.

Regional große Unterschiede

Etwa jeder sechste erwachsene Wiesbadener (16,8 Prozent) steht demnach im Minus. Im Vergleich der Landeshauptstädte liegt Wiesbaden damit auf dem vorletzten Platz. Lediglich in Saarbrücken ist die Überschuldungsquote noch höher.

Zwischen den einzelnen Landkreisen und kreisfreien Städten in Hessen gibt es allerdings große Unterschiede: Außer in Wiesbaden sind auch in Offenbach (16,6 Prozent) und Kassel (15,0 Prozent) sehr viele Menschen verschuldet, während im Hochtaunuskreis (7,1 Prozent) und Main-Taunus-Kreis (7,4 Prozent) im hessenweiten Vergleich die wenigsten Menschen mit Schulden kämpfen – dort ist nur jeder Vierzehnte betroffen.

Frankfurt liegt mit einer Quote von 10,8 Prozent im unteren Mittelfeld. Kassel, Offenbach und Wiesbaden sind einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge auch die hessischen Städte mit der größten Kinderarmut.

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Hessen auf Platz 6 der Bundesländer

Verglichen mit anderen Bundesländern ist der Anteil überschuldeter Bürger in Hessen jedoch eher gering. Mit einer Überschuldungsquote von 9,95 Prozent liegt Hessen auf Platz 6 der 16 Bundesländer. Die Verschuldungsquote hierzulande liegt etwas höher als der bundesweite Durchschnitt (9,87 Prozent).

Mit insgesamt 520.000 Menschen gelten in Hessen rund 3.000 Menschen weniger als verschuldet als im Vorjahr. Deutschlandweit können knapp sieben Millionen Menschen ihre Schulden nicht mehr bezahlen.

Dabei beobachtet Creditreform einen Trend zur "Konsumverschuldung": Während die Privatinsolvenzen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgingen, erhielten immer mehr Menschen Mahnungen, weil sie ihre Rechnungen nicht bezahlten. Außerdem habe die Zahl der überschuldeten Verbraucher in der Altersgruppe ab 50 Jahren besonders stark zugenommen. Gleichzeitig gehe die Verschuldung bei Menschen unter 40 Jahren zurück.

Trotz Corona-Krise weniger Menschen verschuldet

Außer im Saarland sei die Überschuldungsquote im Vergleich zum Vorjahr in allen Bundesländern zurückgegangen - trotz der Corona-Krise und des Einbruchs der Wirtschaft. Staatshilfen und Konsumzurückhaltung hätten dafür gesorgt, "dass ein flächendeckender Liquiditätsengpass bisher ausblieb", erklärte Creditreform-Geschäftsführer Stephan Vila.

Nach Einschätzung der Experten dürfte dies allerdings nur die Ruhe vor dem Sturm sein: Millionen Menschen seien bundesweit noch in Kurzarbeit, Millionen Freiberufler und Selbstständige kämpften um ihre Existenz.

Sendung: hr1, 10.11.2020, 12 Uhr