Carla von Glasow steht vor dem Segelschif, mit welchem sie die Reise nach Chile zur Klimakonferenz antreten wird.

Mit dem Segelschiff über den Atlantik zur Weltklimakonferenz - wie Greta Thunberg: Dieses Abenteuer hat auch Clara von Glasow aus Hessen vor sich. Am Mittwoch ist die 25-Jährige mit anderen Umweltaktivisten in See gestochen.

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Eigentlich sollte die Reise der Regina Maris schon früher starten. Doch vor der Nordseeküste tobte ein Sturm - zu heftig für den Dreimaster. Stattdessen musste die Abfahrt nach Amsterdam verlegt werden. Jetzt ist alles bereit: an Bord stapeln sich Säcke mit Weizenmehl und Spekulatius für die Verpflegung des Teams. Mittendrin: Clara von Glasow in Segelmontur.

"Ich bin bereit für diese Herausforderung mit den vielen Menschen an Bord, den Bewegungen, den Stürmen", sagt sie. "Ich freue mich drauf. Es wird ein großes Abenteuer", sagt von Glasow. Am Mittwoch ging es los. Das Schiff stach in See.

Auf dem Weg zur UN-Klimakonferenz nach Chile

Greta Thunberg hat die Atlantik-Überquerung vorgemacht, nun segelt ihr eine Wiesbadener Studentin nach: Die 25-jährige von Glasow reist per Schiff zur UN-Klimakonferenz nach Chile. "Da ist alles drin, was ich besitze", sagt von Glasow und zeigt auf ihren Rucksack. Sie hat ihn vollgepackt mit Laptop, Notizbuch, Segelausrüstung und Klamotten. Von ihrer Reise berichtet sie für den hr in einem Logbuch.

Sieben Wochen lang wird sie gemeinsam mit 33 anderen Aktivisten aus Europa und Marokko auf dem Dreimaster aus den Siebzigern segeln. 10.000 Kilometer liegen bis Rio de Janeiro vor ihnen, von dort aus müssen sie per Bus die Gebirgskette der Anden überqueren. Abenteuer oder Tortur, je nach Sichtweise.

Wie sie zurückkommt, ist noch unklar

Für von Glasow ist die Reise aber noch mehr. "Ein Zeichen" nennt sie die Fahrt. Sie wollen zeigen, dass es geht: Ganz ohne Flugzeug zur Klimakonferenz zu kommen. "Ich will mir später nicht vorwerfen müssen, dass ich nichts getan habe, um das kleine Zeitfenster, das wir noch haben, zu nutzen."

Deswegen unterbricht sie ihr Stipendium fürs Studium an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden, deswegen bezahlt sie 2.500 Euro für die Überfahrt. Weil sie das Geld auch irgendwo auftreiben musste, hat sie eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Wie sie zurückkommt, weiß sie noch nicht sicher - wahrscheinlich mit demselben Schiff.

Portrait der Klimaaktivistin Clara von Glasow

Dass Clara von Glasow so eine Reise antritt, passt in ihre Entwicklung als Klimaaktivistin: Schon als Kind habe sie mit der Familie am Küchentisch diskutiert, erzählt sie, mit 15 trat sie in die Grüne Jugend ein. Seit zwei Jahren ist sie Mitglied der Klimadelegation, einem Vereins junger Menschen, die als Aktivisten zu den Klimakonferenzen reisen und dort Vorträge halten. Sie steckt viel in ihren Kampf gegen den Klimawandel und jetzt in ihre Reise: Zeit, Geld, Energie. "Ich weiß, dass das so nicht für alle Menschen möglich ist", sagt sie.

Doch nicht mit dem E-Bus nach Santiago

Deshalb wollen die Aktivisten an Bord auch darüber sprechen, wie mehr Menschen nachhaltig verreisen können. In einem Think Tank wollen sie Konzepte entwickeln. Die Ergebnisse werden sie auf der Klimakonferenz präsentieren. "Es muss vor allem darum gehen, Wege nachhaltigen Reisens attraktiver zu gestalten, so dass es für jeden und jede zugänglich ist", sagt von Glasow.

Von einer Idee zum nachhaltigen Reisen musste sich die Gruppe allerdings schon wieder verabschieden: Eigentlich wollten sie nach Ankunft in Brasilien mit dem E-Bus von Rio bis Santiago fahren, um emissionsfrei zu bleiben. Aber im chilenischen Hinterland gibt es kaum Ladesäulen. Bei der Studentin klingt Bedauern durch, wenn sie davon spricht: "Wir fahren mit einem normalen Bus, es funktioniert sonst nicht."

Weitere Informationen

Die Reiseroute

Der Dreimaster Regina Maris hat am 2. Oktober in Amsterdam in den Niederlanden abgelegt und wird unter anderem in Casablanca und Recife einen Zwischenstopp einlegen. Ende November soll das Schiff in Rio de Janeiro ankommen. Clara von Glasow wird von Bord für hessenschau.de in einem Logbuch berichten. Auch auf einer eigenen Website und auf Instagram kann man die Reise verfolgen.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 03.10.2019, 19.30 Uhr