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Sozialdezernent Manjura unter Druck wegen ehemaliger AWO-Beschäftigung

Ein Schild der AWO vor einem Haufen Geld

Der Wiesbadener Stadtrat Manjura (SPD) steht im Verdacht, ein Scheinarbeitsverhältnis bei der AWO gehabt zu haben. Er bestreitet dies, doch es bestehen offene Fragen. Die CDU erhöht den Druck.

Der Revisionsausschuss der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung hat sich mit einem möglichen Scheinarbeitsverhältnis des städtischen Sozialdezernenten Christoph Manjura (SPD) beschäftigt. "Offene Fragen an die AWO Wiesbaden und Stadtrat Manjura", lautete der Tagesordnungspunkt 11 der Sitzung am Mittwochabend.

Befeuert wurde die Debatte von einer kurz zuvor öffentlich gewordenen internen Mail der Arbeiterwohlfahrt (AWO) über Scheinarbeitsverhältnisse, in der auch der Name Manjuras auftaucht. Als Referent der ehemaligen AWO-Geschäftsführerin Hannelore Richter soll der SPD-Politiker Geld kassiert haben, ohne tatsächlich dafür zu arbeiten. Es soll um einen Zeitraum von drei Jahren gehen. Richter wurde im Zuge der AWO-Affäre abgelöst.

Fragen bleiben offen

Der Verdacht gegen Manjura war zuvor schon mehrfach laut geworden. Im Revisionsausschuss wollten die Stadtverordneten Klarheit darüber erlangen. Doch das klappte nicht, weil Manjura wegen eines plötzlichen Krankheitsfalls nicht erschien.

Bei früherer Gelegenheit wies Manjura den Verdacht auf ein Scheinarbeitsverhältnis stets von sich. Er habe seinen Job als Referent der AWO-Geschäftsführung ausgefüllt und sei ja auch in der Verwaltung des Sozialverbands bekannt gewesen. Doch unter den Abgeordneten bleiben Zweifel an seinen Angaben - nicht zuletzt aufgrund der internen Mail.

CDU erhöht Druck auf Manjura

Heikel ist zudem, dass Manjura als Sozialdezernent auch über bezahlte Aufträge entscheidet, von denen die AWO profitiert. Die CDU-Fraktion beharrt deshalb weiter darauf, dass er den Verdacht, ohne Arbeit Geld von der AWO genommen zu haben, ausräumen müsse. Falls sich der Verdacht gegen Manjura bewahrheiten sollte, "wäre das schon ein Grund, dass er vielleicht als Dezernent nicht mehr tragbar ist", sagt Fraktionschef Bernd Wittkowski.

Der CDU-Politiker verweist auf den Fall der Tochter seines Parteikollegen Wolfgang Gores. "Ihr wurde vorgeworfen, dass sie ein Scheinarbeitsverhältnis eingegangen ist. Dann wurde der Druck so groß, dass der einfache Stadtverordnete letztlich sein Mandat niedergelegt hat," so Wittkowski. Der Fall Manjura müsse nun aufgeklärt werden.

In den Verdacht einer Scheinbeschäftigung bei der AWO Wiesbaden geriet im vorigen Jahr auch die Ehefrau des langjährigen Kreisvorsitzenden des Sozialverbands. Inzwischen ist der Kreisverband insolvent und sucht für seine neun Kitas und zwei Pflegeheime einen Käufer.

Sendung: hr-iNFO, 25.02.2021, 8.50 Uhr