Demo gegen Antisemitismus in Marburg

#wirstehenzusammen: Nach dem rechtsextremistischen Terroranschlag von Halle haben in Marburg am Samstag mehrere tausend Menschen gegen Antisemitismus und rechte Gewalt protestiert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rund 3.000 Menschen demonstrierten am Samstag in Marburg.

"Dieser Anschlag ist ein Anschlag auf uns alle", sagte Oberbürgermeister Thomas Spies bei der Kundgebung am oberen Markt.
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Insgesamt beteiligten sich rund 3.000 Menschen an dem als Trauermarsch angelegten Demonstrationszug, wie ein Polizeisprecher am Samstagabend sagte. Unter dem Motto #wirstehenzusammen demonstrierten sie für Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde und gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus, Hetze, Gewalt und Ausgrenzung.

"Wir sind erschüttert und verletzt. Unser Mitgefühl gilt den Opfern und allen, die bedroht sind oder sich bedroht fühlen. Sie sollen, Ihr sollt alle wissen: Wir stehen immer an Eurer Seite", erklärte der Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD).

Monika Bunk von der Jüdischen Gemeinde Marburg mahnte: "Lasst das keine einmalige Sache sein! Nehmt die alltäglichen Diskriminierungen, Antisemitismen und Hassworte wahr, die an eure Mitmenschen gerichtet werden." Rechte Hetze sei keine freie Meinungsäußerung. "Judenhass ist Menschenhass. Ausländerhass ist Menschenhass", so Bunk.

Zwei Menschen in Halle erschossen

Am Mittwoch hatte ein schwer bewaffneter Deutscher versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der rund 50 Gläubige den wichtigsten jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Als der Plan misslang, erschoss der Täter eine 40 Jahre alte Passantin und einen 20-jährigen Mann in einem Döner-Imbiss. Auf seiner Flucht verletzte er ein Ehepaar mit Schüssen schwer. Der 27 Jahre alte Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft. Er hat die Tat gestanden und dabei antisemitische und rechtsextremistische Motive eingeräumt.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt hatte nach der Tat mehr Sicherheit für die jüdischen Gemeinden gefordert. Es sei beschämend, dass Juden in Deutschland immer noch überwiegend selbst für ihre Sicherheit sorgen müssten.

Sendung: hr-iNFO, 12.10.2019, 21.00 Uhr