Selbstversorger: Daniel Königer
Daniel Königer in seinem selbstgezimmerten Wintergarten. Bild © Michelle Goddemeier (hr)

Vor 33 Jahren begann Daniel Königer ein Leben als Selbstversorger in der Abgeschiedenheit eines Vogelsberg-Dorfs. Er wollte "raus aus dem System" - und lebt seither in seinem eigenen.

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Der Duft von frischem Pfefferminztee erfüllt die kalte Luft. Eine Holzdiele knarrt, im Garten gackern Hühner. Daniel Königer steht in seiner Küche und befüllt Vorratsgläser mit getrockneten Kräutern. Eine seiner regelmäßigen Tätigkeiten - Daniel Königer ist Selbstversorger; er versucht weitgehend autark zu leben.

Gemüse, Obst, Kräuter und Wildstauden: Das Anwesen in Grebenhain im Vogelsberg ist ein Paradies für Menschen wie ihn. Auch Hühner und Zwergziegen hält der 62-Jährige auf dem fünf Hektar großen Areal, zu dem noch mehrere Wohn- und Gartenhäuser, Schuppen, Ställe und Werkstätten gehören.

Engpässe ausgerechnet im Frühjahr

Sein Tag beginnt meist gegen 7 Uhr und gestaltet sich ganz unterschiedlich. "Wetter und Natur diktieren mir sehr viel", sagt er. Jetzt geht das Jahr langsam zu Ende, und auch im 33. Winter auf dem Hof in der hessischen Provinz ist Königers Vorratskammer wieder prall gefüllt. Kisten voller Äpfel und eingekochtes Obst stapeln sich im Keller. Die Gefriertruhe ist randvoll mit vorgekochten Suppen, Gemüse und Fleisch. Königer lehnt sich entspannt zurück und atmet durch: Er ist vorbereitet, die kalten Monate können kommen.

Selbstversorger: Blick in Garten
Im Garten pflanzt Königer Obst und Gemüse. Im Winter schützt er die Pflanzen mit Kartons. Bild © Michelle Goddemeier (hr)

Die kalte Jahreszeit bereitet ihm keine Probleme. "Die Vorräte im Winter sind groß. Im Frühjahr ist der Engpass. Das glauben die meisten gar nicht", sagt Königer. Dann seien die Vorräte fast aufgebraucht und das meiste Obst und Gemüse noch nicht reif zur Ernte.

Vom Brezelbub zum Selbstversorger

Königer ist ein Aussteiger, das Leben in der Stadt bereitete ihm keinen Spaß mehr. Früher zog er in Wiesbaden und Darmstadt durch die Kneipen - im Gepäck einen Korb voll Brezeln, die er verkaufte. Vor 33 Jahren sah er das Haus mit dem großen Grundstück in der Zeitung - und kaufte es. Gemeinsam mit seiner damaligen Frau zog er aus dem Rhein-Main-Gebiet ins beschauliche Grebenhain.

"Ich habe direkt gewusst, hier bleib ich", sagt er heute. Mit dem Erbe seines Vaters konnte er sich den Traum erfüllen: "Das Schöne ist der Mangel an finanziellem Druck." Feierabend hat er im Sommer gegen 21.30 Uhr, und den genießt er wenn möglich auf seiner "Alm", einer großen Wiese.

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Selbstversorger mit Ziegen

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"Ich wollte raus und unabhängig sein", beschreibt Königer seine Motivation für den radikalen Wandel. Doch seine Frau kam auf Dauer mit dem neuen Lebensstil nicht klar. In den vergangenen 33 Jahren hatte Königer auch schon viele andere Mitbewohner. "Die meisten unterschätzen die harte Arbeit oder drücken sich", erzählt er. "Alleine eine Mahlzeit zuzubereiten dauert zwei Stunden."

Einmal pro Woche Fleisch

Längst hat Königer keinen bezahlten Job mehr. Er ernährt sich überwiegend vom Ertrag seines selbst bestellten Landes: Kohlrabi, Brokkoli, Salat, Kürbis, Pilze, Beeren und Äpfel wachsen dort und sorgen für einen abwechslungsreichen Speiseplan. Fleisch kommt ungefähr einmal pro Woche auf den Tisch. Dafür schlachtet Königer seine Hühner und friert das Fleisch ein. In naher Zukunft möchte er auch wieder Gänse und Kaninchen halten. "Töten ist nie schön", gibt er zu.

Selbstversorger: Vorratskammer
In der Vorratskammer werden Obst und Gemüse aufbewahrt Bild © Daniel Königer

Der 62-Jährige produziert nicht nur seine Nahrung selbst, er kümmert sich auch um Brennholz und kompostiert Abfälle. Ihm ist es wichtig, möglichst viel selbst zu schaffen und zu recyceln. Doch alles kann auch er nicht selbst herstellen. Öl, Salz, Milch und Getreide kauft er ganz konventionell in Bioqualität im Supermarkt oder im Bio-Großhandel.

Wohngemeinschaft und Selbstversorger-Schule

Selbstversorger Daniel Königer
Selbstversorger Daniel Königer vor einem seiner Gewächshäuser. Bild © Michelle Goddemeier (hr)

Zurzeit hat er eine Mitbewohnerin, doch er wünscht sich weitere Mitstreiter. Das Prinzip: Kost und Logis gegen harte Arbeit. "Zu tun gibt es auf so einem Hof immer etwas", sagt Königer. Gäste seien sowohl längerfristig als auch für kurze Zeit willkommen. "Eine Woche sollte es aber schon sein, man muss sich ja auch eingewöhnen", so die Erfahrung des Selbstversorgers. Probleme mit seinen Nachbarn hat Königer keine. "Die lassen mich in Ruhe. Aber tratschen tun sie bestimmt.", erzählt er.

Neben seinem Wohngemeinschaftsprojekt hat Königer noch weitere Pläne. "Ich würde gerne eine Art Selbstversorger-Schule eröffnen", sagt er. Dort möchte er seine 33-jährige Erfahrung weitergeben und Menschen für das Thema sensibilisieren. Dabei sei ihm vor allem eines wichtig: "Man muss mit dem Herzen dabei sein".

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Leben als Selbstversorger kennenlernen

Interessierte können sich bei Daniel Königer melden (lautani@web.de). In einem ersten Telefonat bespricht er dann die Details und erklärt die Arbeit auf dem Hof, so möchte er falsche Vorstellungen vom Selbstversorgerleben aus der Welt schaffen. Wenn alles passt, lädt Königer Interessierte ein, sich ein Bild vom Leben und der Arbeit zu verschaffen - um eventuell dort zu bleiben.

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