Eine junge Hand hält die Hand eines alten Menschen
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Hessen muss sich einer neuen Studie zufolge in den kommenden Jahren auf erheblich mehr Pflegebedürftige einstellen. Es drohe sonst eine große Pflegelücke. Der DGB fordert eine Aufwertung der Pflegeberufe und höhere Löhne für Pflegekräfte.

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Hessen steigt in den kommenden Jahren rapide an. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hervor, die am Montag vorgestellt wurde.

Demnach sind bis zum Jahr 2035 landesweit mehr als 320.000 Menschen auf Pflege angewiesen. Das sind gut 86.000 mehr als im Jahr 2015, was einer Zunahme von 36,8 Prozent innerhalb von 20 Jahren entspricht.

Derzeit sind rund 3,8 Prozent der hessischen Bevölkerung pflegebedürftig, 2035 wären es demnach 5,1 Prozent.

Hessen auf Rang zwei

Damit prognostiziert das Institut für Hessen den zweithöchsten Anstieg aller Bundesländer. Nur in Bayern steigt die Zahl an Pflegebedürftigen der Prognose zufolge noch stärker (39,5 Prozent). Für ganz Deutschland sagen die Forscher eine Zunahme von 32,7 Prozent voraus.

Dieser Anstieg dürfte das arg strapazierte Pflegesystem vor noch größere Herausforderungen stellen. Schon jetzt ist die Not groß, es fehlt an allen Ecken und Enden an Personal. Der Hessische Pflegemonitor geht davon aus, dass es in der Altenpflege einen Zuwachs an Pflegekräften von 104 Prozent vom bisherigen Stand bräuchte, um den Anforderungen umfassend gerecht zu werden.

DGB fordert höhere Löhne

"Deshalb ist schon heute darüber nachzudenken, wie dieser Anstieg an Pflegefallzahlen bewältigt werden kann", fordert das arbeitgebernahe Institut. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert eine Aufwertung der Pflegeberufe und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. "Dazu gehört auch ein kräftiger Anstieg der Löhne", sagte am Montag Michael Rudolph, Vorsitzender des Bezirks Hessen-Thüringen. Zudem bedürfe es einer "Offensive in der Ausbildung und Qualifizierung von Pflegefachkräften".

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) erklärte, es müssten weiterhin erhebliche Anstrengungen unternommen werden. Verbandspräsident Bernd Meurer sprach sich angesichts des Personalmangels für eine qualifizierte Einwanderung aus. Dadurch werde verlässliche Pflege und Betreuung im Alter gesichert.

Sendung: hr-iNFO, 10.09.2018, 12 Uhr