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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Offenbach erreicht die zweite Corona-Warnstufe

Reisebusse auf der Autobahn

Als erste Stadt in Hessen hat Offenbach die Schwelle von 20 Coronavirus-Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten. Der Wert erhöhte sich am Samstag. Vor allem Reiserückkehrer brachten das Virus mit. Die Stadt reagiert mit strengeren Corona-Regeln.

Die Zahl der Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen ist in der Stadt Offenbach weiter angestiegen. Nachdem am Freitag mit 21,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen erstmals die Warnstufe von 20 Fällen überschritten wurde, lag der Wert nach Angaben des Robert-Koch-Instituts am Samstag bei 29,9 Fällen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche.

Mit dem Überschreiten der ersten Warnstufe von 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche erreichte Offenbach als erste der hessischen Kreise und kreisfreien Städte die zweite Warnstufe zur Eindämmung der Pandemie in Hessen. Ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen greift Stufe 3 des vom Sozialministerium erarbeiteten Einsatzplanes. Dann sind erweiterte Maßnahmen sowie die Einbindung des Planungsstabs Covid-19 des Sozialministeriums vorgesehen.

Das Eskalationskonzept beinhaltet ein gestuftes Vorgehen zur Bekämpfung der Pandemie

Grund für das Überschreiten der Schwelle in Offenbach sind nach Angaben der Stadt insbesondere Rückkehrer aus Risikogebieten, die sich im Urlaub mit dem Coronavirus angesteckt haben. Außerdem gebe es einen zweiten Ausbruchsherd, eine Busreise zur Besichtigung einer Käsefabrik in den Niederlanden. Daneben gebe es zunehmend Fälle, in denen der Ursprung der Ansteckung unbekannt sei, sagte Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne).

Diese Maßnahmen gelten jetzt in Offenbach:

Informationskampagne für Rückkehrer aus Risikogebieten

Für Stufe 2, in der sich Offenbach nun befindet, setzt das Landeskonzept insbesondere auf die Information der Bürger. Als erste direkte Maßnahme habe die Stadt deshalb eine große Informationskampagne beschlossen: In zahlreichen Sprachen sollen Rückkehrer aus Risikogebieten aufgefordert werden, sich in die 14-tägige Quarantäne zu begeben, sofern sie kein negatives Testergebnis vorweisen können. Entsprechende Broschüren sollen in Ämtern, Bussen, Taxen und Reisebüros sowie an Sport-, Migrantenvereine und Glaubensgemeinschaften verteilt werden.

Als neue Maßnahme habe der Verwaltungsstab außerdem verabredet, dass das Ordnungsamt und die Polizei das Gesundheitsamt in den kommenden 14 Tagen bei der Rückverfolgung der Infektionsketten unterstützen werden, teilte Ordnungsdezernent Peter Freier (CDU) nach der Stabssitzung am Freitagabend mit.

Hallensport ohne Zuschauer und Abstand bei Freiluft-Kursen

Zu Sportveranstaltungen in geschlossenen Räumen würden in den kommenden 14 Tagen außerdem keine Zuschauer mehr zugelassen.

Eine Lockerung, die in Hessen ab Samstag in Kraft tritt, gelte in Offenbach zudem vorerst nicht: Bildungsangebote außerhalb geschlossener Räume, zum Beispiel von der Volkshochschule, müssen in Offenbach - anders als im Rest des Landes - weiterhin mit 1,5 Metern Abstand und mit einer maximalen Gruppengröße von 15 Personen stattfinden.

Verschärfte Maskenpflicht

In Restaurants und gastronomischen Betrieben muss wieder eine Maske getragen werden, sobald die Gäste ihre Plätze verlassen - etwa auf dem Weg zum Tisch oder zur Toilette.

Grundsätzlich werde bei Verstößen gegen die Maskenpflicht jetzt sofort ein Verwarngeld von 50 Euro erhoben, teilte die Stadt mit. "Jeder weiß inzwischen, wo er eine Maske tragen muss. Deshalb verzichten wir ab sofort auf eine mündliche Ermahnung", sagte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD).

Kontrolle der Gästelisten in der Gastronomie

In der Gastronomie werde die Stadt in der nächsten Zeit auch verstärkt kontrollieren, ob Gästelisten geführt und vollständig ausgefüllt werden. Dazu stellt die Stadt auf ihrer Internetseite ein Musterformular bereit.

Ordnungsdezernent Freier wies darauf hin, dass die Listen laut aktueller Corona-Verordnung ab dem 1. August ausschließlich zur Nachverfolgung von Infektionsketten genutzt werden dürfe. Zuvor hatten Datenschützer Kritik daran geübt, dass die Gästelisten bislang auch für polizeiliche Ermittlungen eingesehen werden durften.

Die Stadt selbst habe alle Dienstreisen und Betriebsausflüge in den kommenden 14 Tagen abgesagt. Interne Sitzungen seien auf maximal zehn Teilnehmer begrenzt worden oder fänden virtuell statt. Damit wolle man als gutes Beispiel voran gehen.

Verwaltungsstab berät sich häufiger

Der Verwaltungsstab trifft sich ab sofort außerdem wieder regelmäßiger. Mindestens zweimal pro Woche werde über weitere Maßnahmen beraten, kündigte die Stadt an. Zusätzlich überwacht eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Krankenhaus, Feuerwehr, Kassenärztlicher Vereinigung und Rettungsdiensten, ob es Engpässe bei der Versorgung der Corona-Patienten gibt.

"Die jetzt getroffenen Maßnahmen für Offenbach schaden wirtschaftlich niemandem, deshalb ergreifen wir sie lieber sofort als zu spät", sagte Oberbürgermeister Schwenke. Die nächste Stufe würde Offenbach ab 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche erreichen - dann drohen auch wieder strengere Kontaktbeschränkungen und Schließungen. "Wenn die Bevölkerung die Verschärfung der Lage frühzeitig versteht, können wir einen neuen Lockdown vermeiden", hofft Schwenke.

Weitere Informationen

Mehrstufiges Eskalationskonzept

Das Konzept des Sozialministeriums zur Eindämmung lokaler Coronavirus-Ausbrüche sieht mehrere Stufen vor:

  • Bis 20 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche gibt es keine verschärften Maßnahmen.
  • Ab 20 Neuinfektionen gelten eine erhöhte Aufmerksamkeit, verstärkte Informationspflicht sowie bedarfsgerecht angepasste Maßnahmen.
  • Ab 35 Neuinfektionen gelten wieder strengere Kontaktbeschränkungen. Betriebe und Einrichtungen, in denen das Coronavirus aufgetreten ist, werden geschlossen. Zusätzliche Krankenhausbetten werden geschaffen.
  • Ab 50 Neuinfektionen kommt es zu weitgehenden Einschränkungen: Einrichtungen und Betriebe müssen geschlossen, Zusammenkünfte untersagt und auch der ÖPNV eingeschränkt werden.
  • Ab 75 Neuinfektionen übernimmt zusätzlich der Krisenstab des Sozialministeriums die Steuerung der Maßnahmen.
Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr1, 31.07.2020, 20 Uhr