Schüler beim Projekttag #grenzenlos
Schüler präsentieren hr-Intendanten Reitze und Kultusminister Lorz ihre Medienprojekte im hr. Bild © Dirk Ostermeier/hr

Welche Klamotten hatten junge Menschen in der DDR an? Wie sah der Alltag aus? Zeitzeugen haben beim hr-Projekttag #grenzenlos2015 in Frankfurt über ihre Jugend in der ehemaligen DDR berichtet. Für die anwesenden Schüler gab es viele Aha-Momente. Die Veranstaltung war live im Netz übertragen worden.

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"Papa erzählt von einer fernen Vergangenheit", muss sich Kultusminister Alexander Lorz (CDU) von seinem Sohn anhören, wenn er von der Zeit erzählt, als Deutschland noch geteilt war.  Deutschland ist seit 25 Jahren wiedervereint. Davor gab es die BRD und die DDR. Junge Menschen kennen das nur aus dem Geschichtsunterricht. "Schüler wissen wenig von dieser Zeit", sagt auch hr-Intendant Helmut Reitze. Rund 170 Schüler sind am Dienstag in den hr gekommen, um mehr von dieser Zeit zu erfahren.  Sie schauen sich Medienprojekte ausgewählter Klassen an und beteiligen sich aktiv an einer Zeitzeugen-Diskussion.  

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"Wie liefen Jugendliche in der DDR rum?", fragt ein Schüler über den hr-Liveblog, der zeitgleich zur Diskussion im Frankfurter hr-Studio läuft. Zeitzeugin Susanne Pütz, die in Thüringen aufgewachsen ist, findet schnell eine Antwort: "Stress mit Klamotten hatten wir nicht", sagt Pütz, die heute hr-Reporterin ist. "Es war das im Schrank, was im Schrank war." An das junge Publikum gerichtet betont sie: "Ich konnte mir in eurem Alter nicht vorstellen, mal nach Paris zu fahren." Auch Musik sei zensiert gewesen, eine staatliche Jury habe bestimmt, wer auftreten darf. "Die Freiheit, die wir in Deutschland jetzt haben, ist ein ganz hohes Gut."

Zeitzeuge: "Es wird über dich entschieden"

Ähnliche Erfahrungen haben Marco Schreyl, Moderator der Diskussion, und Zeitzeuge Mario Shabaviz, gemacht. Beide sind in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Shabaviz arbeitet heute als Journalist beim ZDF. In der DDR war er zunächst Zeitungsredakteur und musste dann zur "Aktuellen Kamera" wechseln, der propagandistischen Nachrichtensendung der DDR. "Das war für mich die Höchststrafe", erinnert sich Shabaviz. In der Redaktion sei jeder Mitglied der herrschenden Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) gewesen. "Es wird über dich entschieden. Es gab keine Fluchtmöglichkeit."

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Wenn die Zeitzeugen von Zensur, Bespitzelung und Gefängnisstrafen wegen Lappalien erzählen, hören die Schüler im Publikum aufmerksam zu. Unter ihnen sind 15 Klassen, die sich mit Medienprojekten zur Deutschen Einheit am Projekttag #grenzenlos2015 beteiligt haben. "Wie krass das damals alles war, das habe ich mir nicht vorstellen können", sagt etwa der 15-jährige Sven Turskis von der August-Bebel-Gesamtschule in Wetzlar. "Mit Zeitzeugen zu reden, ist besser als ein Geschichtsbuch zu lesen." Zusammen mit seinen Mitschülern hat er das Projekt "Grenzenlose Liebe" auf die Beine gestellt.  

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#grenzenlos im hr-fernsehen und Radio

Die Zeitzeugen-Diskussion wird am 3. Oktober ab 7.40 Uhr im hr-fernsehen ausgestrahlt. In hr2, Kulturszene Hessen, ist die Diskussion am 3. Oktober ab 12.05 Uhr zu hören (Wiederholung um 23.05 Uhr).

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Lorz: "Wichtig, die junge Generation miteinzubeziehen"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Flucht, Liebe, Musik: Die Medienprojekte zum Thema Grenzenlos

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Für ihre Medienprojekte zum 25. Tag der Deutschen Einheit haben alle beteiligten Schüler am Dienstag viel Lob geerntet.  hr-Intendant Reitze dankt den Schülern für ihr Engagement: "Es ist toll zu sehen, wie viel Kreatives in euch  steckt. Medienkompetenz und Geschichte sind sehr gut verbunden worden", sagt er. Kultusminister Lorz betont: "Es ist wichtig, die junge Generation, die das alles nicht miterlebt hat, miteinzubeziehen." Von den Medienprojekten sei er sehr beeindruckt. "Wenn ich sehe mit welcher Begeisterung und mit welchem Interesse die Schüler ihre Projekte vorstellen, haben wir unser Ziel erreicht." Es sei eine tolle Leistung, gerade zu dem besonderen Jubiläum, der silbernen Einheit.

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Dass Themen wie Freiheit und Grenzenlosigkeit immer noch höchst aktuell sind, zeigt die momentane Flüchtlingswelle aus Syrien und anderen Ländern, in denen Menschen vor Krieg und Armut nach Deutschland fliehen. Auch Petros Habte, der dritte Zeitzeuge bei der hr-Diskussion, musste aus seinem Heimatland flüchten. Er wurde 1995 in Eritrea geboren, einem Land, in dem seit Jahren eine grausame Militärdiktatur herrscht.  In Deutschland rettet ihn Kirchenasyl. "Heimat ist da, wo ich dazu gehöre", sagt Habte heute. Er ist sehr froh, in Deutschland zur Schule zu gehen - auch wenn seine Flucht gefährlich und hart war.

#grenzenlos2015 ist ein gemeinsames Projekt von hr, Kultusministerium und der Stiftung Zuhören.