Flüchtlinge als Müllwerker

Die Frankfurter Müllabfuhr sucht händeringend Fahrer und Ladehelfer. Und viele Flüchtlinge suchen Arbeit. Das will die Stadt jetzt zusammenbringen und bildet Flüchtlinge zu Müllwerkern aus. Die ersten Erfahrungen sind gut, doch bisher machen nur wenige Flüchtlinge mit.

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Achmed Dashti kommt aus dem Irak. Er ist 38 Jahre alt, Familienvater und Akademiker. Er sei studierter Wirtschaftswissenschaftler, sagt er. Jetzt arbeitet er für die die Frankfurter Entsorgungsbetriebe (FES) und hat dort einen harten Job: Die Mülltonnen aus den Häusern holen und für die Leerung bereitstellen.

"Hallo, die Müllabfuhr", sagt er in die Sprechanlage eines Mehrfamilienhauses und wartet, dass ihm aufgemacht wird. Sprachlich kriegt er das hin. Aber körperlich fordere ihn die Arbeit. Die Mülltonnen seien oft schwer und stünden im Keller. Die müsse er über die Treppe hinaufschaffen - und nach der Leerung wieder zurück.

Nächstes Ziel: Müllwagen-Führerschein

Harte Arbeit, aber auch nicht schlecht bezahlt: Als Ladehelfer verdient er rund 2.500 Euro brutto im Monat. Dafür musste er schon eine Prüfung bestehen, die so genannte Arbeitsschutz-Unterweisung. Viele Vorschriften hat er gebüffelt, auf Deutsch natürlich. Jetzt will er noch den Müllwagen-Führerschein machen, ebenso wie fünf weitere Geflüchtete, die gerade bei der FES lernen.

Schaffen die sechs am Ende die Prüfung, wird ihnen ein fester Job angeboten. Für die FES wäre es ein Glücksfall, denn die sucht händeringend Fahrer und Lader. Gezielt unter Menschen mit Fluchthintergrund zu suchen, das ist ein neuer Ansatz. Eine Agentur, die im Auftrag der Stadt Flüchtlinge in Arbeit bringen möchte, war Anfang des Jahres auf die FES zugekommen.

Bildung als Herausforderung

Flüchtlinge in Arbeit zu bringen, sei schwer, sagt Frankfurts Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Bisher hätten erst rund zehn Prozent der erwerbsfähigen Flüchtlinge in Frankfurt eine Arbeit mit nennenswertem Einkommen. Meist scheitere es an den Bildungsvoraussetzungen:

"Selbst wenn ein Flüchtling angibt, dass er sechs Jahre zur Schule gegangen ist in Afghanistan oder Eritrea, müssen Sie davon ausgehen, dass er noch nicht die Kompetenzen erworben hat, die ein Frankfurter Grundschüler in der ersten Klasse erwirbt."

Und auch die Karriere bei der Müllabführ ist kein Selbstläufer. Denn schon die Arbeitsschutz-Unterweisung ist mit Fachwörtern gespickt: Warnweste, Eigenschutz und Notausschalter - all diese Vokabeln mussten sich Achmed Dashti und seinen Kollegen in den vergangenen Wochen aneignen. Jetzt steht die nächste große Hürde bevor: Der Lkw-Führerschein.