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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So laufen die "After-School-Zukunftscamps" im Wetteraukreis

Das Wort Ausbildung wird auf einen Zettel geschrieben.

Schule aus – und dann? Was so schon schwierig genug ist, wird durch Corona noch schwerer: die Suche nach einem Ausbildungsplatz. Jungen Menschen in der Wetterau helfen jetzt "After-School-Zukunftscamps".

In den vergangenen Monaten ist in der Schule vieles zu kurz gekommen: vor allem für die Schulabgänger. Für sie gab es kaum Möglichkeiten, sich auf das Berufsleben vorzubereiten.

Im Wetteraukreis gab es deswegen in dieser Woche die ersten sogenannten "After-School-Zukunftscamps", um Schulabgänger auf das Arbeitsleben vorzubereiten. Hier wird geübt, was wichtig ist: Was muss im Lebenslauf stehen und was im Anschreiben? Wie finde ich eine Ausbildungsstelle, die zu mir passt? Und wo suche ich überhaupt danach?

Kein persönlicher Austausch zwischen Schülern

Darüber würden sich die Schüler normalerweise im letzten Schuljahr untereinander austauschen, sagt Peter Sonnenberg, der als Sozialarbeiter an Schulen im Kreis eingesetzt wird. "Die Diskussion ist weggebrochen, weil Schule ausgefallen ist." Das habe es den Schülern zusätzlich erschwert, sich zu orientieren.

Im Camp werden die Jugendlichen drei Tage lang von Schulsozialarbeitern wie Sonnenberg unterstützt: Sie üben, coachen, überarbeiten gemeinsam die Bewerbungsunterlagen, machen Bewerbungsfotos. Und sie schauen gemeinsam: Welche Ausbildung passt eigentlich zu den Jugendlichen? Wie kann man als Bewerber vielleicht auch hervorstechen, um anderen Bewerbern gegenüber einen Vorteil zu haben?

Zehn Prozent weniger Ausbildungsplätze

Denn nicht nur die Vorbereitung ist zu kurz gekommen, auch die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist schwieriger als sonst: Laut der Agentur für Arbeit wurden in Hessen zuletzt zehn Prozent weniger betriebliche Ausbildungsplätze gemeldet als im Vorjahr: Im Juni diesen Jahres machte das ein Minus von knapp 3.300 Stellen im Vergleich zu 2019.

Laut Schulsozialarbeiterin Elisa Frenkel hatten einige Jugendliche sogar schon Zusagen. Wegen Corona hätten viele Betriebe aber wieder abgesagt: "Oft kurzfristig, weil keine Gelder mehr da waren. Die mussten ihre eigenen Leute in Kurzarbeit schicken und konnten dann keine Azubis bezahlen."

Lange Wartezeiten nach Bewerbungen

Die Auswirkungen von Corona hat auch Tim (Name geändert) gespürt: Er hat schon vor einem halben Jahr Bewerbungen geschrieben – erst vor einem Monat kamen Rückmeldungen und auch Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Die Betriebe entschuldigten die Verzögerungen mit dem Virus. Das Camp soll Tim auch dabei helfen, sich zu entscheiden: Wenn es mit der Ausbildung nicht klappt, geht er vielleicht doch noch auf das Gymnasium?  

Noch freie Plätze im nächsten Camp

Die Camps fanden in dieser Form zum ersten Mal statt, in Nidda und Friedberg gleichzeitig, gefördert vom hessischen Sozialministerium. Den Jugendlichen hat es nach eigener Aussage geholfen: Sie wissen jetzt, wie eine gute Bewerbung aussieht.

Für alle Nachzügler soll es in der letzten Ferienwoche im August nochmal Zukunftscamps an drei Orten im Wetteraukreis geben. Es sind noch Plätze frei, Anmelden können sich Jugendliche also noch. Dafür hat der Wetteraukreis ein Online-Portal geschaltet.

Sendung: hr-iNFO, 10.07.2020, 9 Uhr