Rund 900 Blutspenden brauchen die hessischen Krankenhäuser für ihre Patienten – jeden Tag. Und jeder Spender wird gebraucht. Für Rüdiger Glaser aus Biblis ist das Spenden eine Leidenschaft. Er hat schon 125 Mal gespendet.

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zum hr-fernsehen.de Video Besonderes Jubiläum - Blutspender macht es zum 125. Mal

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Die Fragebögen liegen bereit, die blauen Liegen sind mit Papier abgedeckt und es riecht nach frischen Würstchen. Im Bürgerhaus im Riedstädter Stadtteil Wolfskehlen (Groß-Gerau) steht alles bereit für die rund 80 Blutspender, die an diesem Nachmittag erwartet werden.

Rüdiger Glaser tritt durch die Tür – er kennt die Abläufe gut. Gerade hat er sein Blut testen lassen und lächelt. "Ich bin geeignet, auch heute", sagt Glaser. Selbstverständlich sei das nicht, schließlich könnten Krankheiten oder Reisen ins Ausland oder Impfungen auch einen Ausschluss bedeuten.

Männer dürfen sechs Mal pro Jahr spenden

Glaser spendet zum 125. Mal Blut. Ein solches Jubiläum haben zwar durchaus auch andere schon hinter sich: Der aktuelle Spitzenreiter in Hessen liegt laut dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) bei 214 Blutspenden. Glaser sei jedoch mit seinen 45 Jahren dafür tatsächlich sehr jung, bestätigt auch Angelika Sievers vom DRK im Kreis Groß-Gerau.

Schließlich dürften Männer maximal sechs Mal im Jahr spenden – Frauen höchstens vier Mal und es gilt ein Mindestalter von 18 Jahren. Glaser plant seine sechs Termine im Jahr frühzeitig. Das sei für ihn Gewohnheit, "in etwa so wie Zähneputzen oder einen Brief zur Post zu bringen."

"Man kann viele tolle Dinge entdecken"

Während Glaser auf einer Liege Platz nimmt, kommt er ins Schwärmen. Schließlich hätte Blutspenden viele positive Seiten: "Man kriegt ein Check-up vom Arzt, man kann anderen helfen und man kann auch viele tolle Dinge entdecken an den Orten, an denen man Blut spendet." Einmal war der Bibliser sogar schon in Kassel, er hat das Hessische Ried erkundet und die Weschnitzquelle im Odenwald besucht – insgesamt habe er schon an über 80 Orten Blut gespendet.

Spenderblut wird in Frankfurt weiterverarbeitet

Die kleine Pumpe neben ihm piept  - das Display zeigt an, dass der Beutel unter Glaser mit 500 Milliliter Blut jetzt voll ist. Während Glaser sich aufsetzt, verschweißt DRK-Mitarbeiterin Ellen Heinrich den Beutel und legt ihn in eine Kiste. Zusammen mit den anderen Blutspenden kommt die Spende von Glaser am Abend in das Institut des DRK in Frankfurt und wird dort untersucht.

Rüdiger Glaser liegt auf einer Krankenliege.

Anschließend wird die Blutspende in drei Bestandteile aufgeteilt, denn das Blutplasma wird eingefroren, die roten Blutkörperchen werden gekühlt und die Blutplättchen müssen bei Zimmertemperatur gelagert werden. Dadurch könnten Empfänger immer genau die Blutbestandteile bekommen, die sie tatsächlich brauchen. Rote Blutkörperchen und Blutplasma werden dabei häufig bei plötzlichem Blutverlust, wie zum Beispiel nach einem Unfall eingesetzt. Die Blutplättchen brauchen Patienten unter anderem bei einer Chemotherapie.

An Feiertagen werden die Spender weniger

Die hessischen Krankenhäuser brauchen für ihre Patienten rund 900 Blutspenden am Tag, zwei von drei Krankenhäusern würden das Blut dabei in eigenen Depots einlagern, erklärt Eberhard Weck, der in Frankfurt für die Spenden verantwortlich ist. Ihn freut, dass die Zahl der Spender in den vergangenen Jahren gestiegen ist. 2019 haben ihm zufolge 198.293 Menschen in Hessen Blut gespendet – im Durchschnitt jeder zwei Mal.

Engpässe gebe es nur in Ferienzeiten oder an Feiertagswochenenden, bei Häufungen von Krankheiten wie zum Beispiel bei der "Grippewelle" oder während sportlicher Großereignisse wie einer Fußball-WM. Allerdings geht Weck davon aus, dass in den nächsten Jahren mehr Spenden benötigt werden – denn der Bedarf steige mit einer wachsenden Zahl älterer Menschen in der Bevölkerung an.

Blutspenden tut gut

Im Bürgerhaus von Wolfskehlen sitzt Glaser bereits am Tisch und isst Brot mit Würstchen. Ihm gehe es einwandfrei, sagt er. Angelika Sievers vom Roten Kreuz sitzt neben ihm und nickt. "Das ist eine leichte Blutverdünnung. Der Körper fühlt sich dann ein bisschen besser durchblutet. Und das ist, was man dann auch am nächsten Tag bemerkt", erklärt sie.

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Rüdiger Glaser spendet zum 125. Mal Blut.
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Sendung: hr-fernsehen, maintower, 14.01.2020, 18.00 Uhr