Trauungen in Zeiten von Corona - ein Paar steht allein vor dem Standesamt

Kein Polterabend, keine Gäste, keine Feier: Traumhochzeit geht anders. Trotzdem heiraten auch in der Corona-Krise Paare in Hessen standesamtlich. Mal mit Schutzmaske, mal mit Videokonfererenz.

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Sina Miller und Christian Fuchs hatten diesen Tag seit einem Jahr geplant: Am 8. Mai wollten sie in Langenselbold (Main-Kinzig) standesamtlich heiraten. Etwa 20 Verwandte sollten bei der Trauung dabei sein, drei Trauzeugen waren angedacht. Abends sollte es einen Polterabend mit rund 200 Gästen geben, am Wochenende darauf sollte ihre freie Trauung folgen. Doch wegen der noch geltenden Kontakt- und Veranstaltungsbeschränkungen musste das Paar aus Erlensee den Polterabend und die freie Trauung mit privater Zeremonie absagen. Die Gäste zur standesamtlichen Zeremonie lud man aus.

Im Standesamt in Langenselbold dürften neben dem Brautpaar und der Beamtin derzeit nur noch zwei weitere Menschen an der Trauung teilnehmen. "Wir nehmen nur noch jeweils einen Trauzeugen mit. Ich ziehe trotzdem mein Brautkleid an und mein Zukünftiger seinen Anzug", sagte die 25 Jahre alte Braut. "Eine Absage oder Verschiebung ihrer standesamtlichen Hochzeit kam für Miller und Fuchs nicht infrage. "Wir haben uns jetzt schon so lange vorbereitet und gefreut, da haben wir uns gesagt, dass wir dieses Jahr unbedingt noch ein positives Ereignis haben wollen."

Corona Standeamt Brautpaar Sina Miller Christian Fuchs

Maßnahmen in dem Standesämtern unterschiedlich

Absagen, verlegen oder unter Auflagen heiraten? Vor dieser Entscheidung stehen derzeit viele Paare, weil ihr Hochzeitstermin mitten in die Coronakrise fällt. Wollen sie an ihrem Termin festhalten, müssen sie die Einschränkungen des jeweiligen Standesamtes hinnehmen. Die Trauungen sind mitunter kürzer, werden statt an feierlichen Orten in den Behörden abgehalten, nur in Anwesenheit des Brautpaares, eines Dolmetschers oder mit wenigen Beteiligten wie in Langenselbold. Das zeigt ein hr-Stichprobe unter Standesämtern in Hessen.

Bei den Standesämtern in Fulda und Offenbach sind die eigentlich halbstündigen Trauungen in der Krise nur noch halb so lang. Musiker, Fotografen, Trauzeugen und Gäste dürfen bis auf Weiteres in Wiesbaden, Kassel, Fulda, Gießen, Darmstadt und Offenbach nicht dabei sein. Gießen macht Ausnahmen für Kinder aus dem gemeinsamen Haushalt, Darmstadt für minderjährige Kinder des Paars.

Bei manchen Trauungen in Fulda haben Brautpaare zuletzt ihre Gäste für das Ja-Wort via Skype zugeschaltet. In Kronberg (Hochtaunus) hingegen dürften derzeit noch insgesamt zehn Personen an der Hochzeit teilnehmen, darunter das Brautpaar und der Beamte. Alle Beteiligten würden gelistet werden, erklärte die Stadt.

Anders als bei den Standesämtern in Fulda, Darmstadt, Gießen und Wiesbaden besteht in Kronberg und Offenbach eine Maskenpflicht - auch für die Brautpaare. In Offenbach gelte dies erst seit Montag. Die Vorschrift sei für die gesamte Stadtverwaltung eingeführt worden, das betreffe somit auch das Brautpaar bei der Trauung, erklärte ein Sprecher. In Offenbach wird derzeit nur noch in Büroräumen der Behörde geheiratet - und nicht wie üblich im Büsing-Palais. In Wiesbaden müssten die Paare nur auf dem Weg zum Trausaal Masken tragen, währenddessen trenne eine Plexiglasscheibe das Paar und den Standesbeamten.

Trauungen werden verlegt und abgesagt

Manche Traupaare entscheiden sich wegen der Corona-Beschränkungen jedoch gegen die Hochzeit zum Wunschtermin. In Gießen sind seit März rund 30 Prozent der Trauungen verschoben worden, Absagen und Verlegungen reichten bis in den Juni. Doch der Großteil der geplanten Trauungen finde noch statt. In Darmstadt habe die Hälfte aller Brautpaare seit März ihre Trauung verschoben, Brautpaare mit Terminen im August hätten ihre Trauung auf Oktober und November verlegt. Nur zehn Prozent der angemeldeten Trauungen seien bislang abgesagt worden.

Die Gründe für eine Verlegung oder eine Absage des Termins sind vielfältig und zumeist auf das Coronavirus zurückzuführen, wie die Standesämter auf hr-Anfrage erklärten. Hochzeitsfeiern könnten nicht stattfinden, Familie und Freunde dürften bei der Zeremonie nicht dabei sein oder Angehörige gehörten zur Risikogruppe - so hätten die Begründungen gelautet. In einigen Fällen befinde sich die Familie, der Bräutigam oder die Braut zudem derzeit noch im Ausland und habe wegen der Reisebeschränkungen nicht wie geplant zur Hochzeit einreisen können.

Paare entscheiden sich spontan für andere Standesämter

Manche Standesämter haben infolge der Coronakrise aber auch Neuanmeldungen verzeichnet: Paare, die ursprünglich bei anderen Standesämtern heiraten wollten, hätten sich zu Beginn der Krise wohl kurzfristig für Behörden mit lockereren Auflagen entschieden. In Gießen hätten zusätzlich Paare geheiratet, die ursprünglich an der See, auf Inseln oder in anderen Urlaubsregionen ihre Hochzeit planten.

In Fulda haben sich einige Paare sogar direkt bei ihrer Anmeldung der Eheschließung im Büro der Standesbeamten trauen lassen, wie die Stadt mitteilte. Andere Ämter wie Kronberg (Hochtaunus) und Kassel wiederum nehmen wegen der unsicheren Situation derzeit gar keine neuen Anmeldungen zur Eheschließung mehr entgegen.

Freie Trauung am Hochzeitstag

Viele Paare nehmen die teils massiven Einschränkungen aber eben in Kauf. So wie Sina Miller und Christian Fuchs in Langenselbold. Es sei für sie schon ein komisches Gefühl gewesen, sich so von ihren ursprünglichen Vorstellungen verabschieden zu müssen, sagt Miller. "Das Ganze hat uns aber auch schon gezeigt, dass es im Endeffekt bei einer Hochzeit nur darauf ankommt, dass sich zwei Menschen lieben. Das Drumherum ist nur ein Goodie obendrauf." Das Paar will die freie Trauung am 8. Mai 2021 nachholen - an seinem ersten Hochzeitstag.

Sendung: hr-iNFO, Coronaupdate, 29.04.2020, 9 Uhr