Der Flörsheimer Pfarrer Sascha Jung hat sich am Montag offiziell beurlauben lassen. Der 43-Jährige verzichtet auf das Amt, weil er mit dem Zölibat hadert. Der durch öffentliche Autritte überregional bekannte Pfarrer hatte schon früher den Unmut konservativer Katholiken ausgelöst.

Hat sich beurlauben lassen:  Pfarrer Sascha Jung aus Flörsheim
Hat sich beurlauben lassen: Pfarrer Sascha Jung aus Flörsheim Bild © hr

Sascha Jung hat sich als katholischer Pfarrer von seinen Gemeindemitgliedern in Flörsheim (Main-Taunus) verabschiedet. Nach über fünfeinhalb Jahren hört der 43-Jährige auf. Ihn plagen nach eigenen Angaben immer öfter Zweifel an der ehelosen Lebensform katholischer Geistlicher - dem Zölibat.

Will nicht mehr Pfarrer sein: Sascha Jung aus Flörsheim
Wünscht sich einen Neuanfang: Pfarrer Sascha Jung Bild © hr

Jung selbst hat den Limburger Bischof Georg Bätzing in einem Gespräch darum gebeten, ihn vom Priester-Dienst zu beurlauben, sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle. Bätzing habe diesem Wunsch entsprochen. Die Beurlaubung ist demnach an diesem Montag in Kraft getreten. Damit verzichtet Jung auch auf die Pfarrstelle in Flörsheim und auf den Einsatz als Pfarrverwalter in Hochheim.

Tränen und Applaus im letzten Gottesdienst

Am Sonntag waren die Gemeinden in beiden Städten bei den Sonntagsgottesdiensten fast zeitgleich über den Entschluss Jungs informiert worden. Darüber hatte zuerst der "Wiesbadener Kurier" berichtet. Demnach reagierten die anwesenden Gemeindemitglieder bestürzt. "Teilnehmer des Gottesdienstes berichteten von Tränen, aber auch von Applaus für Jungs Leistungen als Pfarrer", so die Zeitung.

In einer persönlichen Erklärung an die Gemeindemitglieder betonte Jung, den Entschluss zu einem Leben als Priester habe er zwar vor elf Jahren mit "bereitem Herzen" getroffen. In all den Jahren hätten ihn aber "auch Anfragen und Zweifel begleitet". Vor allem die Frage nach der Lebensform des Priesters, nämlich in der frei gewählten Ehelosigkeit des Zölibats, hat mich dabei bewegt", heißt es in der Erklärung Jungs.

Jung wünscht sich einen Neuanfang

"Ich muss mir selbst und meinem Leben einen neuen Anfang ermöglichen, weshalb ich jetzt diesen Schritt gehe und eine Zeit des Nachdenkens dafür nutze, die mir der Bischof jetzt gibt", schreibt Jung. "Ich werde noch ein paar Tage da sein und dann aus Flörsheim wegziehen."

Schon in der ZDF-Doku "Zwischen Bütt und Beichtstuhl" hatte der auch im Karneval aktive "Fastnachtspfarrer" offen von dem erzählt, was ihm nach eigenen Worten "auf der Seele und am Herzen" lag. Im Karneval trat er auf Fastnachtsbühnen des Rhein-Main-Gebiets vor bis zu 2.000 Zuschauern auf und äußerte sich da auch recht offen zu Liebe, Sex und Zölibat. Die Folge: Ein Shitstorm in sozialen Netzwerken und auch Leserbriefe durch konservative Katholiken.

Bischof stellt Zölibat zur Diskussion

Bistumssprecher Schnelle sagte, Bischof Bätzing respektiere die Entscheidung Jungs. Bätzing selbst hatte den Zölibat vor kurzem zur Diskussion gestellt. "Es schadet der Kirche nicht, wenn Priester frei sind zu wählen, ob sie die Ehe leben wollen, oder ob sie ehelos leben wollen", sagt er im Februar im Gespräch mit hr-iNFO.

Allerdings sei ihm persönlich der Zölibat nach wie vor "viel wert, so hat Jesus gelebt. Als Priester will ich nicht nur Funktionär sein, sondern auch in seinen Fußstapfen gehen."

Pfarrer von Petersberg ging aus Liebe zu einer Frau

Mit dem Zölibat gebrochen hatten schon mehrere katholische Pfarrer im Bistum Fulda. Jan Kremer legte sein Amt in Petersberg (Fulda) im Sommer 2018 nieder - aus Liebe zu einer Frau. "Einzig und allein die zölibatäre Lebensweise kann und will ich nicht mehr erfüllen und muss somit die Konsequenzen tragen", erklärte Kremer damals. Zu dieser Zeit hatte er als Geistlicher 21 Jahre lang gewirkt.

Kurz darauf beschloss der damalige Pfarrer der St. Bonifatiusgemeinde in Schlüchtern (Main-Kinzig), Lech Kowalewski, seinen Dienst zu quittieren. Als Grund nannte das Bistum Fulda auch in diesem Fall, dass Kowalewski "die zölibatäre Lebensform nicht mehr weiterführen möchte". Kowalewski war seit August 2000 Pfarrer in Schlüchtern, davor betreute er sieben Jahre lang die Gemeinde in Großenlüder (Fulda).

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 11.03.2019, 19.30 Uhr