Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Erste Hessen erhalten zweite Impfung

Ein Mensch erhält eine Impfspritze in den Obenarm

Drei Wochen nach dem Impfstart haben die ersten Hessen ihre Folge-Impfung erhalten. Damit sollen sie für die nächsten Monate vollständig gegen das Coronavirus geschützt sein. In einem südhessischen Altenheim sorgt die Aussicht für Freude und Erleichterung.

Als ambulante Krankenschwester fährt Gaby Sewe täglich von Patient zu Patient. Der direkte Kontakt mit vielen Menschen, vor allem den älteren, ist in ihrem Beruf unvermeidlich – in Pandemie-Zeiten ein Risiko. Als eine der ersten hat die Mitarbeiterin des Wohn- und Pflegeheims "LIA" in Modautal-Asbach (Darmstadt-Dieburg) am Sonntag die notwendige zweite Corona-Impfung erhalten. Für die nächsten Monate soll sie nun vor dem Virus sicher sein.

Für die 53-Jährige bedeutet das Freude und Erleichterung: "Das heißt, dass ich wirklich mit weniger Angst durch die Gegend gehe." Aufpassen und eine Maske tragen müsse man natürlich weiterhin, aber sie mache sich nun weniger Sorgen, nach einer Corona-Infektion auf der Intensivstation zu landen. Sich impfen zu lassen, gerade in ihrem Berufsfeld, findet sie enorm wichtig: "Es ist ein gemeinschaftliches Projekt, das jeder mitmachen sollte."

Erste Impfung vor 21 Tagen

Vor genau drei Wochen hatte Hessen mit den Corona-Schutzimpfungen begonnen. Bewohner von Pflegeheimen und medizinisches Personal waren als erste an der Reihe – darunter auch Gaby Sewe, ihre Kollegen, Heimleiter Rüdiger Schütz und die 40 Bewohner. Auch Schütz freut sich über die zweite Impfung: "Es ist ganz wichtig in der Pflege, dass man sagt, man schützt die Mitarbeiter und auch die Bewohner."

Auch in seiner Einrichtung habe es Skeptiker gegeben, erzählt Schütz. "Mir haben auch Leute gesagt, dass sie keine Freunde des Impfens sind, aber in so einem Fall muss man ans große Ganze denken." Bis auf drei Mitarbeiter, die beim ersten Impfdurchgang nicht dabei sein konnten und sich jetzt für einen Termin im Impfzentrum anmelden müssen, seien nun alle geschützt. Nebenwirkungen habe es - bis auf leichte Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle - weder beim Personal noch bei den Bewohnern gegeben, berichtet Schütz.

70.000 Menschen geimpft

Seit dem 27. Dezember laufen in Hessen Corona-Impfungen. Bis zum Freitag wurden laut Robert-Koch-Institut (RKI) knapp 70.000 Menschen geimpft, darunter rund 27.400 Pflegeheimbewohner und knapp 40.000 Menschen, die im medizinischen Bereich arbeiten. Die Impfquote liegt in Hessen damit aktuell bei 11,1 pro 1.000 Einwohner – und damit leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 12,6.

Am Dienstag sollen die ersten sechs regionalen Impfzentren öffnen. Nach einem chaotischen Start der Terminvergabe Anfang der Woche waren nach nur drei Tagen alle 60.000 verfügbaren Termine für die Erst- und Zweitimpfung vergeben. Die große Mehrheit der 400.000 impfberechtigten Personen über 80 Jahre ging im ersten Schritt leer aus.

Begrenzender Faktor ist nach wie vor die Impfstoffmenge: Neue Termine könnten erst vergeben werden, wenn neue Lieferungen einträfen oder der Bund zusätzliche Dosen zur Verfügung stelle, erklärte das Innenministerium am Freitag. Wann die übrigen 22 Impfzentren in Hessen öffnen sollen, steht noch nicht fest. Auch das hängt von den verfügbaren Impfdosen ab.

Impfstoff weiter knapp

Statt mehr Impfstoff gibt es zunächst wohl aber weniger als erwartet: Aktuell wird in Hessen vor allem das Mittel von Biontech/Pfizer genutzt. Doch Pfizer verringert für drei bis vier Wochen die Lieferungen an Deutschland und weitere europäische Staaten. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium am Freitag mit. Grund seien Umbaumaßnahmen im Pfizer-Werk im belgischen Puurs, mit denen die Produktionsmengen dort längerfristig erhöht werden sollten.

Von der Kürzung noch nicht betroffen ist aber demnach die für kommenden Montag geplante nächste Lieferung an Deutschland, die nach den bisherigen Plänen rund 670.000 Impfdosen umfassen sollte. Die Gesamtmenge der geplanten Lieferungen im ersten Quartal soll aber bestehen bleiben.

Sendung: hr-iNFO, 17.01.2021, 18 Uhr