Neustart an Hessen Schulen: Schüler erhalten Mund-Nasen-Masken

Für hunderttausende Schüler in Hessen hat nach der Corona-Zwangspause am Montag der Unterricht wieder begonnen. So lief der Unterricht unter den neuen Hygiene- und Sicherheitsvorschriften.

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hessenschau vom 18.05.2020
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Bei Chemielehrer Clemens Groß soll es an diesem Montag wieder gleich zur Sache gehen. Die Molekülbaukästen stehen bereit. Seine Schüler sollen sich wieder an Experimente wagen. Ein kleines Highlight zum Auftakt, auch wenn der Chemie-Unterricht an der Freiher-von-Stein-Schule in Fulda nie wirklich ausgesetzt hat. "Wir haben den Stoff genau so gemacht, wie er im Lehrplan steht", sagt Groß. Wochenlang hielt er den Unterricht über eine virtuelle Lernplattform ab. Ab Montag wird wieder "live" unterrichtet - zumindest für einen Teil der Schüler.

Neustart als Herkulesaufgabe

An Hessens Schulen ist die nächste Stufe der Öffnung nach der Corona-Zwangspause angelaufen. Bereits am 27. April waren Oberstufenschülern in den Präsenzunterricht zurückgekehrt, nun begann auch der Unterricht für die übrigen Klassen der weiterführenden Schulen sowie die Viertklässler an den Grundschulen. Rund 515.000 Kinder und Jugendlich drücken damit wieder die Schulbank - wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen als bisher.

Denn für den "Neustart nach Corona" müssen an den hessischen Schulen zahlreiche Extra-Regeln eingehalten werden. Die hessische GEW-Vorsitzende Birgit Koch spricht von einer "Herkulesaufgabe" für die Schulen.

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Davon allerdings ist am Montagvormittag in den Schulen, in denen sich die hr-Reporter umgesehen haben noch nicht so viel zu spüren. "Es hat genau so begonnen, wie wir uns das vorgestellt haben," erklärt Katja Lepper, Leiterin der Pestalozzi-Schule in Gießen. Das Kollegium sei in den letzten Tagen damit beschäftigt gewesen, die Schule für den Neustart vorzubereiten. Plakate an de Wänden erinnern Schüler und Lehrpersonal an die neuen Regeln: 1,50 Meter Abstand halten, rechts gehen. "Sie halten sich daran, sie geben sich Mühe", sagt Lepper.

"Normal" ist an Hessens Schulen fast gar nichts

Dabei ist der organisatorische Mehraufwand, den die Schulen betreiben müssen, gewaltig. In der Anne-Frank-Realschule in Frankfurt, wo an diesem Montag die achten und neunten Klassen den Unterricht wieder aufgenommen haben, herrscht Schichbetrieb. Die ersten Achtklässler beginnen um 7.45 Uhr. Um 8.30 Uhr folgen die Neuntklässler. Ab 10.45 Uhr schließlich trifft die zweiten Schicht der achten Klasse ein.

Auf dem Schulhof herrscht indes ungewohnte Ruhe - auch die Pausen sind zeitversetzt, damit nicht zu viel Schüler auf einmal auf dem Gelände rumtoben. Auch in den Klassen ist mehr Platz als üblich. Maximal 15 Schüler dürfen in einem Raum unterrichtet werden. Zwischen ihnen sind Stühle mit großen Kreuzen markiert. Sie bleiben leer, damit auch während des Unterrichts der Mindestabstand eingehalten wird.

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Schülerinnen an einer Frankfurter Schule müssen sich nach Klassen sortiert aufstellen.
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Der Neustart soll in Frankfurt wie überall in Hessen, ein Schritt zurück in die Normalität sein. Doch "normal" ist an Hessens Schulen dieser Tage fast gar nichts. Die 14-jährige Elissa bringt es auf den Punkt: "Es ist halt ungewohnt wieder in der Schule zu sein, man hat es halt so lange nicht gesehen und jetzt ist der Schulhof so leer und vorher war er immer so voll. Wir haben uns hier begrüßt, wir haben versucht relativ Abstand zu halten, alle mit Mundschutz. Das ist halt schon komisch und ungewohnt."

Banger Blick in die nahe Zukunft

In Fulda muss Chemielehrer Clemens Groß derweil zwischen zwei Räumen hin- und herpendeln. Die bereits auf 15 Schülerinnen und Schüler reduzierte Klassen wurde noch einmal auf zwei Räume verteilt. Für ihn heißt das: Erst in einem Raum Schüler einweisen und Aufgaben verteilen, dann rüber in das gegenüberliegende Klassenzimmer und dort die Prozedur wiederholen. "Gewöhnungsbedürftig", findet das der 17-jährige Marlon. Doch bei ihm wie bei den meisten Schülern überwiegt die Freude, wieder Freunde und Lehrer von Angesicht zu Angesicht zu begegnen.

An der Gießener Pestalozzi-Schule blickt man derweil bereits in die Zukunft - mit gemischten Gefühlen. Ziel ist es, bis zu den Sommerferien den Rückstand aus der Zwangspause aufzuholen. An ihrer Schule gebe es viele Kinder mit bildungsfernen Eltern, berichtet Schulleiterin Katja Lepper. "Da wird die Schere noch weiter auseinander gegangen sein."

Und nach Pfingsten sollen auch die übrigen Grundschulkinder wieder an die Schule zurückkehren: "Das ist natürlich schwierig, einem sechsjährigen Kind, das vielleicht noch gar nicht sicher ist, wo recht und wo links ist, zu sagen: Hier musst du rechts gehen. Und wenn du deinen besten Freund nach Wochen wieder siehst, renn nicht auf ihn zu, nimm ihn nicht in den Arm, halte 1,5 Meter Abstand."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 18.05.2020, 16.45 Uhr