Abwasserrohr in die Werra

Seit Jahren steht der Kasseler Salz- und Düngemittelhersteller K+S wegen der Versalzung der Weser in der Kritik. Nun soll er die Salzbelastung des Flusses weiter senken.

Ende 2020 hatte das Kasseler Kaliunternehmen K+S noch kurzfristig eine auf ein Jahr befristete Genehmigung zur Salzwasserentsorgung in die Werra erhalten. Eine potenzielle Verlängerung dieser Genehmigung hat am Donnerstag die erste Hürde genommen.

Die für die Weser zuständigen Umweltminister von sieben Bundesländern einschließlich Hessens einigten sich auf einen Stufenplan zur Senkung der Salzbelastung in den kommenden Jahren. An der Entscheidung beteiligt waren die zuständigen Ministerien von Bayern, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen.

Stufen-Prinzip für Chlorid-Absenkung beschlossen

Festgelegt wurde eine stufenweise jährliche Absenkung der Zielwerte von heute 2.310 auf 1.580 Milligramm Chlorid pro Liter im Jahr 2024. Anschließend soll geprüft werden, ob für die Jahre 2026 und 2027 eine weitere Absenkung möglich ist. Die neuen Vorgaben lägen deutlich unter denen, die K+S beantragt habe, teilte die Weserkonferenz mit.

Trotzdem seien die Arbeitsplätze in der Region durch die Zielwerte nicht gefährdet. Das Unternehmen könne bis zum Herbst 2024 darlegen, ob Risiken bezüglich der technischen Realisierbarkeit und der Zumutbarkeit bestehen, die einer Festlegung der Werte für die Jahre 2026 und 2027 entgegenstehen. Wenn das Unternehmen nicht wirklich unabwendbare Gründe nennen könne, erfolge die Umsetzung der Zielwerte automatisch.

K+S: Zielwerte sind anspruchsvoll

Die Werra ist einer der beiden Hauptquellflüsse der Weser. Umweltschützer bezeichnen die Folgen der Salzentsorgung für beide Gewässer als dramatisch. Deren Ökosysteme seien weitgehend zerstört.

Für den Konzern wiederumhängt die Produktion im hessisch-thüringischen Kalirevier an der Entsorgung von Abwässern. K+S begrüßte den Beschluss, da er dem Unternehmen langfristige Planungssicherheit biete.

Die nun festgelegten Zielwerte seien allerdings anspruchsvoll, betonte ein Unternehmenssprecher. "Wir werden aber alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um diese einzuhalten, und stehen fest zu unserem Ziel, ab 2028 keine Prozessabwässer aus der Kaliproduktion mehr in die Werra einzuleiten."

Geht laut Konzern um 5.300 Jobs

Insbesondere in der Einstapelung und Haldenabdeckung sehe K+S die beiden zentralen Bausteine, um die umweltgerechte Entsorgung im Werra-Fulda-Kalirevier langfristig sicherzustellen und kontinuierlich zu einer Verbesserung der ökologischen Qualität der Flüsse beizutragen.

Die zum Ende des Jahres auslaufende Genehmigung zur Einleitung von Salz in die Weser kann nur nach dem jetzigen Beschluss des Bewirtschaftungsplans durch die Umweltminister verlängert werden. Nach Unternehmensangaben hängen 5.300 Arbeitsplätze direkt an der Produktion im Werra-Gebiet.

Sendung: hr1, 18.11.2021, 17.30 Uhr