Ein Haus in der Ernst-May-Siedlung in Frankfurt
Untrennbar mit Bauhaus verknüpft: Die Ernst-May-Siedlung in Frankfurt. Bild © picture-alliance/dpa

Wer Bauhaus hört, denkt meist sofort an Weimar oder Dessau. Doch auch in Hessen findet sich Architektur, die mit dieser Zeit verknüpft ist - nicht nur in den Siedlungen des "Neuen Frankfurt".

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Bauhaus-Beispiele in Hessen

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Vor 100 Jahren, in einer Zeit des Aufbruchs nach dem Ersten Weltkrieg, gründete Walter Gropius das Bauhaus in Weimar - die bekannteste Schule für moderne Architektur und Kunstdesign in Deutschland. Ein modernes, klares Design stand im Vordergrund, schnörkellos und funktional sollte es sein.

Die Reformgedanken, die Gropius dort gemeinsam mit seinen Schülern und Mitarbeitern fasste, haben vor allem die Architektur bis heute nachhaltig geprägt. Auch in Hessen finden sich vielerorts Spuren des Bauhaus, darunter auch Gebäude, die von Gropius-Schülern entworfen wurden, aber auch Siedlungen vom Bauhaus-Gründer selbst.

"Das Neue Frankfurt"

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Untrennbar verbunden mit dieser Zeit und der neuen Stilrichtung ist das Wohnungsbauprogramm "Das Neue Frankfurt", das von Ernst May initiiert wurde. Innerhalb weniger Jahre ließ der Stadtbaurat insgesamt 12.000 Wohnungen bauen - kompakt, schmucklos, funktional. Aus einem einfachen Grund, wie Klaus Klemp, Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, erklärt:

"Der Anlass für das große Bauprogramm war natürlich wie in allen Städten, dass nach dem Krieg in der Inflationszeit viele vom Land in die Städte gezogen sind, weil man gehofft hat, da noch Arbeit zu finden." Durch den Massensiedlungsbau sollte diese Nachfrage an kleinen, günstigen Wohnungen bedient werden, sagt Klemp.

"Der Versuch, die Stadt umzukrempeln"

So entstand auch die Frankfurter Siedlung "Am Lindenbaum", die heute unter Denkmalschutz steht. Unter Leitung von Ernst May entwarf sie Bauhaus-Gründer Walter Gropius um 1930. Das damalige Frankfurt war für die Architekten ein attraktiver Arbeitsplatz, meint Klemp. "Das Bauhaus war nur eine Schule. Hier war es aber nicht nur eine Schule. Hier war es das ganze Baudezernat. Und der Versuch, die ganze Stadt umzukrempeln."

Bauhaus-Beispiele in Hessen
Die Siedlung "Am Lindenbaum" steht heute unter Denkmalschutz. Bild © Christine Krienke (Landesamt für Denkmalpflege Hessen)

Doch "Das Neue Frankfurt" blieb nicht nur auf den Wohnungsbau begrenzt. Man wollte in puncto Städtebau und Architektur neue Maßstäbe setzen. Eigens dafür wurde eine neue städtische Design- und Kunstschule eröffnet, ganz nach dem Vorbild aus Weimar. Auch die Frankfurter Küche, die als Vorläufer der heutigen Einbauküche gilt, ging aus der Bauhaus-Zeit hervor.

Bauhaus in Darmstadt

Nicht nur Gropius selbst hat in Hessen gewirkt, auch die Bauten seiner Schüler findet man hier. Ein Beispiel dafür ist das Ledigenheim in Darmstadt, entworfen von Ernst Neufert, der am Bauhaus in Weimar und Dessau studiert und gearbeitet hat. Das Bauwerk entstand erst in den 1950er-Jahren - also lange nach der eigentlichen Bauhaus-Zeit, die 1933 endete - zeigt aber trotzdem einige der typischen Elemente. So sind die Gebäude um zwei Höfe angeordnet und die Balkone ragen über das Mauerwerk hinaus.

Bauhaus-Beispiele in Hessen
Das Ledigenheim in Darmstadt - entworfen von Bauhaus-Schüler Ernst Neufert. Bild © Christine Krienke (Landesamt für Denkmalpflege Hessen)

In Darmstadt findet sich noch ein Gebäude, das zwar lange vor dem Bauhaus entstand, die neue Sachlichkeit aber schon sichtbar werden ließ: das Ernst-Ludwig-Haus auf der Mathildenhöhe. 1901 wurde es fertiggestellt und von da an als Atelierhaus genutzt.

Es gilt es als Kern der Darmstädter Künstlerkolonie und ist laut Klemp ein Beispiel für funktionales, sachliches Bauen vor dem Bauhaus. "Wenn man will, kann man sagen: Das Bauhaus kommt vielleicht doch ein bisschen auch aus Hessen, weil hier Dinge entstanden sind im Kontext des Jugendstils, die schon die neuen Bauhaus- und Sachlichkeitsgedanken des ornamentfreien Bauens sozusagen vorwegnehmen."

Funktionales Design an Hochschulen

Viele Gebäude hessischer Universitäten und Hochschulen sind ebenfalls vom Bauhaus geprägt, sagt Winfried Speitkamp, Präsident der Bauhaus-Uni in Weimar und Vorsitzender des hessischen Landesdenkmalrats. Zum Beispiel die 1960 entstandene Kunsthochschule in Kassel: "Ein Gesamtensemble, das verschiedene Arbeitsnutzungsbereiche, Seminarräume, Cafeterien verbindet, flexible Elemente enthält und zeigt, wie man moderne Funktionsgebäude nach Bauhausgedanken errichtet."

Bauhaus-Beispiele in Hessen
Funktional und schlicht - die Universitätsbibliothek am Campus in Frankfurt-Bockenheim. Bild © Christine Krienke (Landesamt für Denkmalpflege Hessen)

Neben der Kasseler Kunsthochschule sind die Bauten der Technischen Hochschule in Darmstadt und die Frankfurter Universitätsbibliothek am Campus Bockenheim vom Bauhaus geprägt.

Weitere Informationen

Ausstellungen

Zum 100. Jubiläum zeigen drei Frankfurter Museen Ausstellungen zum Bauhaus in Hessen. Im Vordergrund stehen Wohnen und Leben zu dieser Zeit und das Wohnungsbauprogramm "Das Neue Frankfurt". Weitere Informationen dazu finden Sie in unserer Übersicht.

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