Drei Fotos zeigen außergewöhnlichs Stücke der Sammlung: das Skelett eines "Schreckenstiers", ein Kunstwerk von Beuys in Form eines Einmachglases und ein

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag. Anlass, sich einmal in der Sammlung des Hauses umzuschauen. Eine Auswahl der spannendsten Stücke.

Das Trinkspiel

Foto eines Kunstwerkes des Hessisches Landesmuseums Darmstadt: ein goldenes Trinkspiel in Form des heiligen St. Georg.

Trinkspiele waren beliebt an der Tafel der Landgrafen von Hessen-Darmstadt - verständlich in Zeiten ohne Netflix, Konsole und Co. Und dabei wurde geprasst: Dieses wertvolle Stück gehörte ursprünglich zur Schatzkammer der Landgrafen.

Die Goldschmiedearbeit zeigt den Heiligen Georg hoch zu Ross. Er erlegt einen Drachen und rettet damit die vor ihm kniende Prinzessin. Durch ein Laufwerk im Sockel bewegte es sich auf der festlichen Tafel. Das Pferd, dessen Kopf abnehmbar ist, konnte mit Wein gefüllt werden und musste von demjenigen geleert werden, bei dem es stehen blieb.

Der Schildkrötenautomat

Stücke Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Und weiter geht es mit landgräflicher Unterhaltung: Diese Figurenuhr aus dem landgräflichen Besitz ist mit einem Geh-, Stundenschlag- und Laufwerk ausgestattet. Letzteres bewegt die Beine und den Kopf des Tieres sowie die Arme des Reiters.

Die Schildkröte, die mit kriechenden Bewegungen über eine Fläche lief, ist nach Angaben des Museums als Symbol der klugen Bedachtsamkeit ("Eile mit Weile") zu verstehen. Automaten dieser Art, die versuchen, Leben nachzuahmen, waren zu ihrer Zeit sehr beliebt.

Das Einmachglas

Stücke Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Kommen wir zu einem der ungewöhnlichsten Exponate des Museums: ein Einmachglas mit Birnen. Es ist Teil des sieben Räume umfassenden Werkkomplex "Block Beuys" des Aktionskünstlers Joseph Beuys (1921-1986).

Das eingelegte Obst stammt von der Mutter des Künstlers. Nicht nur die konservierten Früchte, auch Würste, Margarine oder Schokolade gehörten zu seinen Arbeitsmaterialien.

Der Mondfisch

Stücke Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Der Mondfisch ("Mola mola") ist in der Wand der Artenvielfalt des Museums ausgestellt und ein ganz besonders kurioses Tier. Er kann bis zu drei Tonnen schwer und über drei Meter lang werden. Damit ist er der schwerste Knochenfisch der Welt. Außerdem ist er als "fruchtbarster Fisch" im "Guinness Buch der Weltrekorde" registriert - mit 300 Millionen Eiern, die in einem Weibchen gefunden wurden.

Auch seine äußeren Körpermerkmale sind besonders. So besitzt er keine "normale" Schwanzflosse, diese bildete sich im Laufe seiner Entwicklung allmählich zurück und verschmolz mit seinem restlichen Körper zu einer Art Hautlappen. Zur Fortbewegung benutzt der Mondfisch daher - anders als alle anderen Fische - die Rücken- und Afterflosse, die er dazu seitlich hin und her bewegt. Außerdem hat der Mondfisch eine sieben Zentimeter dicke, nackte Haut ohne Schuppen.

Oft werden Mondfische beobachtet, die sich zum Sonnen seitlich drehen und parallel zur Wasseroberfläche schwimmen. Dieses Verhalten dient der schnellen Erwärmung, nachdem der Mondfisch im tiefere Wasser auf Nahrungssuche war. Seine Nahrung besteht zum großen Teil aus Quallen, die er mit seinem schnabelartigen Maul packt.

Der Sensationsfund

Stücke Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Ein Landwirt entdeckte die heute weltweit bekannte Filigranscheibenfibel im Jahr 1930 beim Anlegen eines Weinbergs bei Mölsheim in Rheinhessen. Motiviert durch den sensationellen Fund unternahm das Hessische Landesmuseum Darmstadt in den Jahren 1931 und 1935 Grabungen, die einen frühmittelalterlichen Reihengräberfriedhof zutage brachten.

Entstanden ist die kostbare Gewandnadel zur Zeit des Fränkischen Reiches (5. bis 9. Jahrhundert n.Chr.). Verwendet wurde dafür auch anderer Schmuck, der da schon rund 650 Jahre alt war. Die Scheibenfibel zählt zu den am reichsten verzierten Fibeln ihrer Herstellungsepoche.

Der versteckte Grusel

Stücke Hessisches Landesmuseum Darmstadt

"Das Gestade der Vergessenheit" gehört zu den bekanntesten Werken des in Darmstadt aufgewachsenen Malers Eugen Bracht (1842-1921). Für die Felsgruppe im Bild wählte er als Vorbild die "Drei Zinnen" in den Dolomiten (Südtirol). Damit griff er ein Motiv auf, das als touristisches Ziel auch durch eine Flut von Postkarten bekannt war.

Erst auf den zweiten Blick entdeckt der Betrachter ein schauriges Detail in der poetischen Darstellung: Die Landschaft ist nicht etwa mit hellen Steinen übersät - es sind in Wirklichkeit kleine Totenschädel.

Das "Schreckenstier"

Stücke Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Deinotherien sind eine sehr alte Familie von in Europa vor etwa 5 Millionen Jahren ausgestorbenen Rüsseltieren. Sie hatten keine Stoßzähne im Oberkiefer, sondern nach unten gebogene Hauer im Unterkiefer. In der frühen Geschichte des Funds wurde der angsteinflößend wirkende Dickhäuter als "Schreckenstier" betitelt. Erst später wurde klar, dass es sich bei dem "Deinotherium giganteum" um einen harmlosen Pflanzenfresser handelte.

Der Prachtkäfer

Stücke Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Unglaublich: Über Jahrmillionen hinweg hat dieser Prachtkäfer ("Buprestidae") seinen bunt schimmernden, metallischen Glanz bewahrt. Sein Fundort, die Grube Messel im Kreis Darmstadt-Dieburg, war einst ein Urwaldsee mit einer erstaunlichen Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Heute geben die Fossilien aus der Grube Messel einen Einblick in ein Ökosystem, das vor rund 47 Millionen Jahren existierte.

Das Mineral

Stücke Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Nein, das sind keine Goldwürfel, und ja, die Form ist natürlich entstanden: Diese Pyrit-Würfel aus Spanien haben ihre fast perfekte kubische Form während ihres Wachstums ausgebildet. Obwohl Pyrit aus Eisen und Schwefel besteht, wird es auch Narrengold oder Katzengold genannt, da es echtem Gold farblich ähnelt. Das Mineral bringt außerdem eine besondere Eigenschaft mit: Schlägt man zwei Pyrit-Stücke aneinander, fliegen Funken, mit denen sich ein Feuer entzünden lässt.

Die Mumie

Stücke Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Am nächsten Museumsstück ist erkennbar, wie sehr der Mensch schon immer am (Haus-)Tier hing: Im alten Ägypten wurden nicht nur Menschen, sondern auch bestimmte Tiere mumifiziert. Die Ägypter verehrten den Ibis als heiligen Vogel. Mit der Kultur ihres Gottes Thot, dessen Verkörperung der Ibis war, war der Vogel als Symbol in ganz Ägypten verbreitet - auch als Mumie. Forscher fanden ganze Ibismumienfriedhöfe mit teils über einer Million Exemplare.

Die Zeichnung

Stücke Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Diese virtuose Zeichnung aus der Grafischen Sammlung des Museums zeigt eine Gruppe von Satyrn (Dämonen oder Mischwesen), die sich aufgeregt um einen Tisch drängen, auf dem ein Spiegel-Zylinder steht. Wie ein Wunder erscheint auf ihm ein Elefant, während die verzerrte Darstellung des Tieres auf der Tischfläche eingezeichnet ist.

Was die Mischwesen hier begeistert beobachten, ist das Verfahren der Anamorphose. Darunter versteht man Bilder, die so verzerrt sind, dass sie für den Betrachter nur in einem bestimmten Blickwinkel oder durch einen speziellen Spiegel in ihrer eigentlichen Form erkennbar werden. Die Zeichnung ist eine der ersten, die dieses Phänomen zeigt.

Die Kanne

Stücke Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Dieses Wassergefäß nennt sich Aquamanile und ist über 700 Jahre alt. Die Form: ein Mischwesen aus Pferd und Frau, gemäß griechischer Mythologie also eine Kentaurin. Das Gefäß ist sowohl ein Gebrauchsgegenstand als auch ein kleines Kunstwerk (Kleinplastik). Es diente während der christlichen Messfeier als Wasserkanne für die Händewaschung des Priesters. Daher erklärt sich auch der Begriff "Aquamanile", der sich zusammensetzt aus aqua (lat. Wasser) und manus (lat. Hand).

Der Wasserauslauf auf der Brust war ursprünglich mit einem Zapfhahn versehen, der aber verloren ging. Aquamanilen aus Tieren, Drachen, Misch- und Fabelwesen gab es in vielen mittelalterlichen Kirchenschätzen. Sie stehen für den Kampf gegen das Böse in der Welt.

Der ungeheuerliche Delfin

Stücke Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Ein Delfin mal ganz anders: Dieses kleine, aus Edelkoralle hergestellte Zierstück zeigt Eros, den römischen Gott der Liebe, allerdings in Gestalt eines Knaben. Er reitet auf einem Wesen, das mit seinem weit aufgerissenen Maul voller scharfer Zähne wie ein Seeungeheuer erscheint. Es ist aber ein Delfin, der oft als Reittier des Eros und seines griechischen Pendants Amor auftritt - diesmal nur nicht als Symbol für Intelligenz und Anmut wie sonst in der Mythologie.

Weitere Informationen

200 Jahre HLMD

Den Grundstock des heutigen Hessischen Landesmuseums Darmstadt (HLMD) legte Landgräfin Karoline, als sie Ende des 18. Jahrhunderts ihrem Sohn Ludwig X. (1753–1830, ab 1806 Großherzog Ludewig I.) ihre Sammlung von Naturalien und physikalischen Instrumenten vererbte. Während seiner Regierungszeit von 1790 bis 1830 fügte Ludewig I. wichtige Bestände wie Glasgemälde, altdeutsche Altäre, niederländische Gemälde des 17. Jahrhunderts, Kupferstiche und naturgeschichtliche Objekte und Fossilien hinzu. Ein Höhepunkt: 1802 erwarb Ludewig I. das gesamte druckgraphische Werk Albrecht Dürers und Rembrandts. Im Jahr 1820 übergab Ludewig I. seine Kunst- und Naturaliensammlung in Form einer Stiftung in das Eigentum des Staates und machte sie damit der Öffentlichkeit zugänglich.

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