Audio

Audioseite Ein Lego-Video "Marke Eigenbau"

Legomännchen auf einem Schiff

Mal nebenbei ein Stop-Motion-Musikvideo drehen? Sollte doch an einem Wochenende möglich sein, dachte der Gießener Musiker Dominik Reh. Es sollte anders kommen.

Es war als lustiges Wochenende geplant. Ein Musikvideo "Marke Eigenbau" wollte Hobbymusiker Dominik Reh aus Gießen mit seiner Kollegin Silja Melch mit Stop-Motion-Tricktechnik drehen. Aus Lego. Gemütlich und entspannt. Doch es sollte ein zeitliches Großprojekt werden.

Dominik Reh macht seit Jahren Musik und spielt in der Gießener Band "O Alaska". Seit längerer Zeit arbeitet er auch an seiner Solokarriere. Als er eines Abends "wiedermal über einem Glas Wein" beim Texten war, kam ihm der Refrain "Holding Lego in my hands" in den Sinn.

"Ich wollte immer schon mal ein Stop-Motion-Video machen", erzählt Reh, da habe er gedacht: "Jetzt ist hier gerade ein Text entstanden, wo Lego drin vorkommt - also klare Sache."

"Knallhart verplant"

Silja Melch und Dominik Reh: Weißhaarige Frau und Mann mit halblangen, lockigen Haaren, beide lachen.

Reh arbeitete zu dem Zeitpunkt als Musiklehrer in einer Grundschule in Gießen, war aber wegen Corona im Homeoffice. Spontan fragte er seine Lieblingskollegin, ob sie nicht Lust hätte, ihm beim Lego-Video zu helfen.

Silja Melch war ebenfalls wegen Corona viel zu Hause und sagte spontan zu: "Als Kind durfte ich früher nur mit Barbiepuppen spielen", erinnert sie sich, "für Lego musste ich immer zu meiner Cousine".

Also kramte Reh seine alten Legokisten aus dem Keller: Geisterburg, Piratenschiff und Tempel - und die beiden legten ohne Drehbuch los. Sehr naiv, finden sie heute, rund ein Jahr später. "Wir haben uns knallhart verplant", sagt Reh. "Wir dachten, wir schaffen das an ein oder zwei Wochenenden. Am Ende waren es 35."

Vom Wohnzimmer zum Filmstudio

Legomännchen vor Bett

Reh und Melch verwandelten seine Wohnung in ein kleines Filmstudio, erinnert sich der 30-Jährige. Lego hatte er noch jede Menge von seinem älteren Bruder, aber teuer wurde der Dreh trotzdem: "Wir mussten Lampen kaufen, die waren teuer, außerdem haben wir unter anderem sicherlich 30 blaue Bodenplatten bestellt, um ein Piratenschiff platzieren zu können".

Während Reh mit seiner Smartphone-App die Fotos schoss, protokollierte Melch jedes einzelne Foto in ein Buch. "Wir haben uns am Anfang zum Beispiel gefragt: Wie läuft denn eigentlich so eine Lego Figur? Und dann sind wir durch die Wohnung marschiert und haben die Bewegungen auf die Lego-Figuren übertragen."

1.300 Stunden für ein Musikvideo

Reh und Melch trafen sich nun fast jedes Wochenende. Samstags oft bis in den Morgengrauen. Zeit, Liebe und Herzblut floss in das Lego-Stop-Motion-Video, sagt Reh. Die reine Arbeitszeit habe bei rund 1.300 Stunden gelegen.

Dreharbeiten twocolouredman: Ein Mann und eine Frau basteln an einem Set aus Legofiguren.

Insgesamt habe er mit seinem Handy über 14.000 Fotos geschossen, von denen er 6.000 für das fertige Video verwendet. Rund sechs Minuten ist es lang geworden. Ein enormer Aufwand für das Musikvideo eines Amateurmusikers.

Wo endet Leidenschaft und wo beginnt der Wahnsinn, fragt sich Melch und schmunzelt. "Es war völlig verrückt. Alle haben uns ständig erstaunt gefragt: Wie, ihr seid immer noch daran. Macht’s überhaupt noch Spaß?" Melch lacht und bilanziert: Dank Lego und dank des Musikvideos konnte sie "nach der Schule wunderbar abschalten. Das macht den Kopf frei."

Künstlername: twocolouredman

Am Ende hat es sich gelohnt. Die beiden erzählen im Video die Geschichte eines jungen Mannes, der Geister bekämpft, in Tempeln nach Schätzen sucht und auf fahrenden Zügen über die Wagondächer spurtet. "When I was a Young Boy" heißt Rehs dazugehöriger Song, der nun auf Youtube unter seinem neuem Künstlernamen "twocolouredman" veröffentlicht werden soll.

Der Name bezieht sich auf Rehs unterschiedliche Augenfarben, er hat ein blaues und ein braunes. Nun also kommt das erste Soloalbum des "twocolouredman" aus Gießen. Vielleicht der Beginn einer erfolgreichen Karriere.