Shadi Rassiane mit seinem Buch "Lost"

Freunde kämpfen sich nach einem Flugzeugabsturz im Regenwald zurück in die Zivilisation: Die Idee zum eigenen Action-Thriller trug Shadi Rassiane aus Darmstadt lange in sich, aber die Zeit zum Aufschreiben fehlte. Dann kam Corona.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schüler Shadi Rassiane veröffentlicht Roman im Selbstverlag

Buchcover zu Shadi Rassianes Roman Lost
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Shadi Rassiane steht in seinem Zimmer vor einem Bücherregal. Neben einigen Schul- und Sachbüchern hat er darin seine liebsten Romane aufgereiht: alle Teile von "Harry Potter", viele Krimis, Thriller von Stephen King. "Besonders Action-Thriller habe ich schon immer gerne gelesen", sagt der Darmstädter Schüler und grinst.

Neben seine Lieblingsbücher kann der 15-Jährige jetzt auch sein eigenes Werk stellen: ein 80-seitiges Action-Buch mit dem Titel "Lost". Vor knapp einem Monat hat er es veröffentlicht und damit ein langjähriges Projekt abgeschlossen. "Drei Jahre lang habe ich daran geschrieben", erzählt Shadi: "Dass ich es jetzt in Händen halten kann und dass man es überall kaufen kann, macht mich stolz."

Roman mit zwölf Jahren angefangen

Schon in der Grundschule schrieb Shadi Rassiane gerne Kurzgeschichten und Ferienberichte für die Schule. Dem Hobby ist er treu geblieben. "Ich mag am Schreiben, dass man sich eine eigene Welt schaffen und eigene Charaktere ausdenken kann", erzählt er mit einem Lächeln im Gesicht.

Während eines Familienurlaubs im indonesischen Regenwald beschloss er, sein eigenes Buch zu schreiben. Damals war er gerade mal zwölf Jahre alt.

"Als ich damals auf dem Weg in den Urlaub im Flugzeug saß, konnte ich den Regenwald sehen. Ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn man dort alleine überleben müsste", erinnert sich Shadi. Daraufhin schrieb er die Geschichte von drei Freunden, die nach einem Flugzeugattentat über dem Regenwald abstürzen und sich zurück in die Zivilisation kämpfen müssen.

Von großen Verlagen kamen Absagen

Nicht immer lief das Schreiben so rund, wie er das gerne gehabt hätte. Neben Schule, Lernen und Freundetreffen blieb sein Buch oft auf der Strecke.

Dann kam Corona: keine Schule, kein Freundetreffen - dafür umso mehr Zeit, um an seinem Buch zu schreiben. Oft bis spät in die Nacht, wie Shadis Mutter Imane Rassiane erzählt: "Er saß manchmal bis ein oder zwei Uhr morgens an seinem Laptop. So eine Zielstrebigkeit habe ich bei meinem Sohn noch nie erlebt."

Shadi Rassiane vor seinem Bücherregal

Auch die Veröffentlichung seines Action-Thrillers ging der Teenager entschlossen an. "Von großen Verlagen bekam ich nur Absagen oder gar keine Antwort", berichtet Shadi, und der Frust ist ihm anzuhören: "Ich war kurz davor, das mit der Veröffentlichung sein zu lassen." Noch einmal recherchierte Shadi im Internet und entdeckte die Möglichkeit, sein Buch im Selbstverlag zu publizieren - mithilfe des Anbieters Books on Demand (BoD).

Lektorat und Cover-Design gab er online in Auftrag

Das Lektorat und das Buchcover-Design musste Shadi im Selbstverlag eigenständig organisieren. Die Anbindung an den Buchhandel regelt Books on Demand. "Das war für mich das Wichtigste und auch preislich machbar", sagt der Darmstädter Schüler.

Über Foren im Internet fand Shadi eine Lektorin, die seine Geschichte unentgeltlich gegenlas. Für das Buchcover beauftragte er für 40 Euro eine Illustratorin aus Amerika. So konnte er sich seinen Traum vom eigenen Buch erfüllen.

Wie viele Teenager schaut Shadi ab und zu mal Youtube-Videos und ist auf Instagram unterwegs. "Aber ich lese lieber", erzählt er: "Ich finde es schade, dass die Leute heutzutage nicht mehr so viel lesen." Seinen Roman will Shadi Rassiane auch als Zeichen dafür verstanden wissen, dass es in Zeiten von Social Media noch Teenager gibt, die lieber lesen, statt am Handy zu sitzen.  

Sendung: hr-iNFO, 21.09.2020, 8.50 Uhr