Die neue Frankfurter Altstadt ist eröffnet. Auf einer Fläche von sieben Hektar hat die Stadt rund um den Krönungsweg insgesamt 15 Häuser rekonstruiert.
Die neue Frankfurter Altstadt ist eröffnet. Auf einer Fläche von sieben Hektar hat die Stadt rund um den Krönungsweg insgesamt 15 Häuser rekonstruiert. Bild © Andreas Bauer (hessenschau.de)

Die Bauzäune sind weg: Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann hat die neue Frankfurter Altstadt eröffnet. Die Stadtoberen sind mächtig stolz. Doch es gibt auch Kritik an dem 200-Millionen-Euro-Projekt.

Die neue Altstadt gefalle ihr wirklich gut, sagt Jutta Herzing. Und das sage sie nicht, weil sie demnächst ein Blumengeschäft hier eröffne, sagt die 60-Jährige. Die Eröffnung ihres Ladens in der Frankfurter Braubachstraße ist für die Geschäftsfrau auch ein emotionaler Moment. "Mein Vater war Schreiner und hat ein paar Meter weiter am Römerberg einst die Verglasung der Nikolaikirche gemacht", sagt sie stolz.

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Herzings Blumenladen ist eines von 20 Geschäften der neuen Frankfurter Altstadt, die am Mittwoch feierlich von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) eröffnet wurde. Zusammen mit Amtsvorgängerin Petra Roth (CDU) durchschnitt er am Mittag ein rotes Eröffnungsband. Mehr als sechs Jahre nach der Grundsteinlegung für den Teil-Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt fielen die Absperrungen. "Wir geben der Stadt Herz und Seele zurück", sagte Feldmann.

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Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sprach bei der Eröffnung von einem "historischen Tag" für die Stadt. Die Bebauung des Areals von der ungefähren Größe von zehn Fußballfeldern werde auch auf die Umgebung abstrahlen, sagte er. "Wir freuen uns auf die vielen Menschen, die in den kommenden Tagen und Wochen 'ihre' Altstadt wieder in Besitz nehmen", erklärte am Mittwoch Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der DomRömer GmbH.

Insgesamt 35 neue Häuser

Auf einer Fläche von nur sieben Hektar hat die Stadt rund um den Krönungsweg insgesamt 15 Häuser rekonstruiert. Weitere 20 wurden in historischer Anmutung errichtet. Von den Nachbauten sind allerdings nur zwei, das berühmte Renaissancegebäude "Goldene Waage" und das "Rote Haus", original rekonstruiert.

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Die ursprüngliche Frankfurter Altstadt, die zu den größten Fachwerkvierteln in Deutschland gehörte, wurde im März 1944 im Bombenhagel der Alliierten völlig zerstört. 1974 wurde auf dem Areal das Technische Rathaus - ein Klotz aus Sichtbeton - errichtet. Dieser wurde 2010 abgerissen.

Ein Stadtteil mit 160 Bewohnern

Cafés, Geschäfte und Museen sollen die neue Altstadt zu einem neuen lebendigen Stadtteil machen. Leben werden hier aber nur rund 160 Menschen. Sie wohnen in den etwa 70 Wohnungen, die zu Spitzenpreisen bis zu 7.000 Euro pro Quadratmeter verkauft wurden. Der Bezug soll Ende Mai beginnen. Ende Juni werden die etwa 20 Läden bezogen. Vom 28. bis zum 30. September 2018 feiert Frankfurt mit einem Fest die neue Altstadt.

Gekostet hat das Projekt nach Schätzungen rund 200 Millionen Euro. Etwa die Hälfte soll durch den Verkauf der Wohnungen wieder reingekommen sein. Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) - anfangs durchaus ein Skeptiker des Projekts - ist inzwischen ein richtiger Fan der neuen Altstadt. "Das was wir da investieren, bekommen wir doppelt und dreifach wieder rein", sagt er.

Das städtische Touristenamt vermarktet die Altstadt bereits im großen Stil auf den ausländischen Märkten. Vor allem in Fernost ist Frankfurt dank des Flughafens zum wichtigen touristischen Anlaufpunkt in Europa geworden. Ständig werden neue Übernachtungsrekorde gemeldet. Gerade in China erwarten die Tourismusverantwortlichen nochmals einen großen Schub - dank des Nachbaus im Herzen der Stadt.

Altstadt Frankfurt Grafik
Insgesamt wurden 35 Häuser in der neuen Frankfurter Altstadt gebaut. Bild © DomRömer GmbH, Grafik: hessenschau.de

"Bau auf einer Tiefgarage, der so tut, als wäre er eine Stadt"

Doch es gibt auch Kritik - etwa im Stadtparlament. "Für dieses Frankfurter Disneyland hätte man sehr viele vernünftigte Sachen machen können", sagt Linken-Fraktionsgeschäftsführer Stefan Klee. Und auch Architekturkritiker haben ihre Vorbehalte. "Wir haben einen Bau auf einer Tiefgarage, der so tut, als wäre er eine Stadt", urteilt Christian Holl, der Geschäftsführer des Bundes Deutscher Architekten (BDA) in Hessen ist.

Blick vom den Dom über die kriegszertörte Frankfurter Altstadt im Jahr 1945
Blick vom den Dom über die kriegszertörte Frankfurter Altstadt im Jahr 1945 Bild © picture-alliance/dpa

Der Stuttgarter Architekturprofessor Stephan Trüby warf jüngst in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" Frankfurt sogar vor, mit dem "Heile-Welt-Gebaue" einem bekannten Rechtsradikalen auf den Leim gegangen zu sein. Dieser habe mit der Gründung des Vereins "Pro Altstadt" großen Anteil an der Umsetzung des Projekts gehabt.

Guntersdorf hält dies für "dämlich". Bei dem Vorhaben gehe es um eine "Stadtreparatur", die dem großen Wunsch der Bevölkerung entspreche. "Es geht darum, ein Stück Frankfurter Geschichte wieder erlebbar machen", sagte der Dom-Römer-Chef.

Eckdaten: Der Weg zur neuen Frankfurter Altstadt

  • 1944: Die Altstadt wird im Bombenhagel der Alliierten zerstört
  • 1974: Das Technische Rathaus wird zwischen Dom und Römer fertiggestellt
  • 1985: Auf dem Römerberg wird unter Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU) die Ostzeile mit fünf Fachwerk-Häusern errichtet
  • 2005: Das Frankfurter Büro Engel+Zimmermann gewinnt einen Architektenwettbewerb zur Neubebauung des Areals zwischen Dom und Römer nach dem geplanten Abriss des Technischen Rathauses; der Entwurf sieht keine Rekonstruktionen vor
  • 2007: Frankfurts Stadtparlament beschließt mit den Stimmen der damals regierenden Koalition aus CDU und Grünen sowie der FDP und den Freien Wählern den Wiederaufbau des Dom-Römer-Areals mit Rekonstruktionen
  • 2010-12: Das Technische Rathaus wird abgerissen
  • Januar 2012: Der Grundstein für den Bau der neuen Altstadt wird gelegt
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zum Video Altstadt-Neubau in Frankfurt eröffnet

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