Europa Open Air Bühne

Rund 20.000 Menschen haben das Freiluftkonzert von hr-Sinfonieorchester und hr-Bigband in Frankfurt genossen. Großartige Musiker, ein mitreißendes Programm und perfektes Wetter machten das Europa Open Air zu einem Musikerlebnis der Extraklasse.

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zum Video 20.000 Besucher bei Europa Open Air

hs
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Beseelt nähert sich am Donnerstagabend eine ältere Dame auf der Weseler Werft in Frankfurt einem der Organisatoren des Europa Open Air von hr-Sinfonieorchester und Europäischer Zentralbank (EZB). "Danke, das war wirklich ein Geschenk", sagt die Besucherin. Dann tut sie es den Tausenden anderen gleich, die nach einem gelungenen Konzertabend zufrieden das Gelände verlassen.

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Bereits zum sechsten Mal hat das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks sein spätsommerliches Freiluftkonzert gegeben. Zum fünften Mal fand es nun an der Weseler Werft statt, nachdem die Erstausgabe 2014 schnell gezeigt hatte, dass der Metzlerpark dem Interesse an diesem Ereignis unmöglich gerecht werden könnte.

Froh wie seine Sonnen fliegen

Es hätte nicht besser laufen können. Die Wetterexperten hatten schon früh klar gemacht, dass es in diesem Jahr nicht wie 2018 zu einem vorzeitigen Abbruch wegen eines drohenden Unwetters kommen würde. Stattdessen lachte die Sonne von einem nahezu wolkenlosen Himmel. Und das alles bei gut erträglichen Temperaturen – zumindest, so lange man im Schatten saß oder stand.

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Europa Open Air 2019

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Ab 18 Uhr spielte traditionell als erstes Highlight die hr-Bigband, diesmal unter der Leitung von Magnus Lindgren. Als Zugpferd hatte man sich Startrompeter Till Brönner auf die Bühne geholt.

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Das Konzert der hr-Bigband mit Till Brönner können Sie sich hier noch einmal in voller Länge ansehen.

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Der verfehlte seine Wirkung nicht. Bereits gegen 18.30 Uhr mussten die Eingangstore geschlossen werden, weil die maximale Zahl von 12.000 Gästen auf dem Gelände erreicht war.

Seid umschlungen, Millionen

Nein, Millionen waren es nicht. Aber mit den etwa 8.000 weiteren Musikfans rund um die Werft, am gegenüberliegenden Mainufer und nicht zuletzt in einigen Booten auf dem Main selbst verfolgten wieder insgesamt rund 20.000 Zuhörer das Geschehen. Brönner und die hr-Bigband verzauberten sie mit ihrem einstündigen, "Blue Eyed Soul" genannten Programm, das selbst weniger dem Jazz zugetane Menschen mitschnippen und mitklatschen ließ.

Die Musiker wurden vom Publikum ordentlich abgefeiert. Nach einer rund einstündigen Umbaupause war dann das hr-Sinfonieorchester an der Reihe. Als Gastdirigenten hatte man in diesem Jahr den Franzosen Alain Altinoglu eingeladen, der bereits an allen großen Opernhäusern der Welt dirigiert und mit allen großen Orchestern gearbeitet hat.

Wie ein Held zum Siegen

Bei all seiner Erfahrung musste der 43-Jährige begeistert eingestehen, dass das Europa Open Air auch für ihn etwas Besonderes war. "Normalerweise dirigiert man nicht vor 20.000 Leuten", sagte er kurz vor seinem Auftritt. "Das ist ja schon fast wie bei einem Rockkonzert."

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Das Konzert des hr-Sinfonieorchesters können Sie sich hier noch einmal in voller Länge ansehen.

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Auf der Bühne bot Altinoglu zwar weit weniger Interaktion mit dem Publikum als man es vom eigentlichen Orchesterleiter Andres Orozco-Estrada gewohnt ist. Musikalisch hatte Altinoglu dessen Klangkörper aber voll im Griff. Ob es nun Händels "Halleluja" war oder Offenbachs "Barcarole" - alles war aus einem Guss, wozu auch die großartigen Sänger beitrugen, allen voran der Franzose Paul Gay mit seinem kräftigen Bariton.

Zum Publikumsliebling des Abends avancierte jedoch die Solopianistin Alice Sara Ott. Ihren "Totentanz" von Franz Liszt trug die Deutsch-Japanerin lässig und gleichzeitig mitreißend-gefühlvoll vor. Die Menge dankte es ihr mit frenetischem Applaus und der Forderung nach einer Zugabe, der sie natürlich nachkam. Später mischte sich die sympathische 31-Jährige dann noch unter die Zuschauer.

Wem der große Wurf gelungen

Das Programm stand aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Euro ganz im Zeichen Europas. Da lag es auf der Hand, zum großen Finale die Europahymne anzustimmen. Der Schlusssatz aus Beethovens 9. Sinfonie hatte zwar schon im vergangenen Jahr auf  dem Programm gestanden, war jedoch dem vorzeitigen Konzertabbruch zum Opfer gefallen.

Davon war man diesmal weit entfernt. Der Programmpunkt erwies sich als Volltreffer. Moderatorin Andrea Ballschuh, deren Versprecher zu Beginn für Heiterkeit gesorgt hatte, als sie die "besondere Affäre" auf der Werft lobte, brachte nun die Zuhörerschaft mit den passenden Worten in die richtige Stimmung für ein ergreifendes Finale. "Das wird rauschen", sagte sie. "Lassen Sie sich in diese Musik hineinfallen."

Freude schöner Götterfunken

Als der Brüsseler Choeur de la Monnaie dann nach dem orchestralen Intro des Schlusssatzes aus Beethovens letzter vollendeter Sinfonie "Freude schöner Götterfunken" schmetterte, hörten die 20.000 Besucher gebannt zu. Am Ende brachen sie in tosenden Applaus aus. Die Forderung nach einer Zugabe war da nur noch Formsache.

Altinoglu ließ sich nicht lange feiern. "Das war viel Spaß", sagte der Maestro auf deutsch und ließ noch einmal Händel anstimmen. "Halleluja" gab es als zweite Zugabe obendrauf - und dann war ein perfekter Konzertabend zu Ende. Die Besucher trugen glücklich nach Hause, was ihnen das Orchester und der Chor kurz zuvor mit auf den Weg gegeben hatten: "Freude. Freude."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 23.08.2019, 16.45 Uhr