Collage: Lotte Laserstein "Russisches Mädchen mit Puderdose", 1928 / Larvenstadium eines Zipfelkrötenfrosches
Bild © VG Bild Kunst, Bonn 2017 Foto: Städel Museum / Arne Schulze

Von wegen Sommerloch. In Hessens Museen starten Ausstellungen, die abwechslungsreicher nicht sein könnten. Bissige Cartoons, Amphibien unter der Lupe, eine Reise ins Ungewisse und längst vergessen geglaubte Porträts. Überraschungen garantiert!

Juli

Freunde bissiger Cartoons kommen im Dreieich-Museum vom 1. Juli bis 14. Oktober voll auf ihre Kosten. Unter dem Titel "Cartoons für die moralische Elite mit Bildung, Geld & gutem Geschmack" zeigt das Haus Cartoons von Til Mette. Seine feinen Schwarz-Weiß-Zeichnungen zeigen entlarvende Alltagssituationen, serviert mit einer gehörigen Portion Sprachkomik.

Til Mette "Nimm das Kopftuch ab"
Til Mette "Nimm das Kopftuch ab" Bild © Til Mette

Passend zur Ferienzeit nimmt uns das Dialogmuseum Frankfurt als "Blinder Passagier" mit auf eine Reise in ein unsichtbares Land. Vom 10. Juli bis 2. September gilt es wieder, ein Land zu erraten. Die Besucher werden blind durch die Ausstellung geführt, anhand von Düften, Geräuschen und verschiedenen Eindrücken gilt es, das Ziel mit allen Sinnen zu entdecken. Besucher, die mit ihrem Tipp richtig liegen, haben bei einem Gewinnspiel dei Chance, tatsächlich eine Reise in das gesuchte Land anzutreten.

Blinder-Passagier
Wohin wird die geheimnisvolle Reise wohl gehen? Bild © DialogMuseum

August

"Warum sind Sie kreativ?" Wenn man Kreativen diese Frage stellt, bekommt man spannende Antworten. Seit drei Jahrzehnten richtet Autor und Produzent Hermann Vaske diese Frage an Menschen aus Film, Musik, Theater oder Politik, an Philosophen, Künstler und Wissenschaftler. Einen Teil der 1.000 Antworten zeigt das Museum für Kommunikation in Frankfurt vom 2. August bis 4. November. Freuen Sie sich auf die Antworten von David Lynch, Yoko Ono, Stephen Hawking, David Bowie, Björk und dem Dalai Lama.

Antwort von Yoko Ono auf die Frage: Why are you creative?
Antwort von Yoko Ono auf die Frage: Why are you creative? (1994) Bild © Hermann Vaske

Bewegte Zeiten waren das, die 68er. Die Fotografin Inge Werth hielt mit ihrer Kamera die gesellschaftlichen Umbrüche fest. "Paris, Frankfurt am Main und die 1968er Generation" heißt eine Schau im Frankfurter Museum Giersch vom 9. August bis 14. Oktober. Die Ausstellung führt den Betrachter an Schauplätze studentischer Unruhen und gesellschaftlicher Aufbrüche, aber auch zu kulturellen Ereignissen. Dazu zählen die Publikumsbeschimpfung von Peter Handke, der Ostermarsch unter Beteiligung von Joan Baez.

Blick in die Ausstellung Ferdinand Kriwet (1971)
Blick in die Ausstellung Ferdinand Kriwet (1971) Bild © Inge Werth

Wie kamen Anfang des 20. Jahrhunderts Ahnenfiguren aus Indonesien auf den europäischen Kunstmarkt? Weshalb konnte das Museum Anfang der 1940er Jahre in Paris und Amsterdam "günstige" Ankäufe machen? Handelt es sich bei einem Waffengurt aus Südafrika um Kriegsbeute? Die Schau "Gesammelt. Gekauft. Geraubt?" (16. August bis 27. Januar 2019) im Weltkulturen Museum in Frankfurt versucht anhand von Fallbeispielen zu klären, auf welchem Weg die Stücke nach Frankfurt kamen.

Ganesha-Figur aus Java
Wie kam diese Ganesha-Figur von Java, Indonesien, nach Amsterdam? Bild © Wolfgang Günzel

Ein Denkmal? Mehr als 150! Mit so vielen bunten Skulpturen ehrt die Stadt Eltville vom 17. August bis 23. September Buchdruck-Erfinder Johannes Gutenberg. Geschaffen hat die Kunststoff-Skulpturen der hessische Bildhauer Ottmar Hörl. Die Figuren werden in den Außenanlagen der Kurfürstlichen Burg installiert. Im Interview erzählt Künstler Ottmar Hörl, warum er einmal mehr zum Serientäter geworden ist.

Gutenberg-Skulptur von Ottmar Hörl in Eltville
Gutenberg in Gold im Burggarten in Eltville Bild © Stadt Eltville/ Skulptur: Ottmar Hörl

Vom 23. August bis zum 28. Oktober wird die Schirn Kunsthalle Frankfurt zur Bühne. Der Video- und Installationskünstler Neïl Beloufa errichtet außerhalb der klassischen Ausstellungsflächen Szenerien für seine neuesten Arbeiten, die das Thema "Film" als Ausgangspunkt haben. Beloufa schafft Situationen, die den Betrachter stutzen lassen - was ist echt, was ist Fiktion? Ein herrliches Verwirrspiel beginnt.

Neïl Beloufa, Sustainable Development, MRAC Sérignan, 2017
Neïl Beloufa, Sustainable Development, MRAC Sérignan, 2017 Bild © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Aurélien Mole

Wer sich nur mit Schrecken an seinen Chemieunterricht in der Schule erinnert, könnte im Museum Wiesbaden einen neuen Dreh der Materie erleben. Anlässlich des 200. Geburtstags von Carl Remigius Fresenius taucht das Haus vom 23. August bis 20. Januar 2019 mit einer Schau in die Welt der chemischen Forschung ein. Fresenius selbst war übrigens ein großartiger Pädagoge und konnte den Chemiker-Nachwuchs für seine Arbeit begeistern.

Glasflaschen aus der Zeit um 1880 mit Reagenzien, wie sie zur Mineralwasseranalyse verwendet wurden. Sammlung zur Laborgerätetechnik 1750 - 1950 von Rainer Friedrich
Glasflaschen aus der Zeit um 1880 mit Reagenzien, wie sie zur Mineralwasseranalyse verwendet wurden. Bild © Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Die Caricatura Kassel widmet einem der erfolgreichsten deutschen Zeichner und Cartoonisten vom 25. August bis 4. November eine Ausstellung. BECK wirbelt die Dinge gerne durcheinander. Grund genug, sich eine volle Dröhnung seiner Cartoons abzuholen. Wer schon vorher eine tägliche BECK-Dosis braucht, auf seiner Internetseite gibt es jeden Tag einen Schmunzler - oder auch Schenkelklopfer, je nach Tagesform.

Caricatura Beste Bilder 2017
Cartoon von BECK Bild © BECK/Caricatura

Lernen Sie Goethes Vertraute Charlotte von Stein besser kennen. Das Goethe-Haus in Frankfurt widmet der Schriftstellerin, Freundin und Mentorin vom 29. August bis 28. Oktober eine Ausstellung. In großen Teilen war die Schau mit Erinnerungsstücken, Briefen und Bildnissen schon 2017 in Weimar zu sehen. Das Goethe-Museum ergänzt durch eigene Bestände und zeigt das Bild einer außergewöhnlichen Frau.

Porträt der Charlotte von Stein um 1780
Porträt der Charlotte von Stein um 1780 Bild © Sigrid Geske / Klassik Stiftung Weimar

Am 19. Januar 1919 passierte es - Frauen durften erstmals wählen. "Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht" heißt eine Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt (30. August bis 20. Januar 2019). Die Schau lenkt den Blick auf die Frauen, die zur Entstehung der Weimarer Republik und zur Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland beitrugen, denn ein wichtiges Zentrum der Frauenstimmrechtsbewegung war Frankfurt.

Kaffeepause der weiblichen Abgeordneten der Nationalversammlung in Weimar, Fotografie, 1919
Kaffeepause der weiblichen Abgeordneten der Nationalversammlung in Weimar, Fotografie, 1919 Bild © Historisches Museum Frankfurt

Ankommen, auspacken, andere kennenlernen und sich einbringen – das sind die notwendigen Zutaten, um sich in einem neuen Umfeld zuhause zu fühlen und das eigene Fremdsein zu überwinden. "Unboxing - Erzähl mir Deine Geschichte" heißt eine Schau in der Grimmwelt Kassel (31. August bis 13. Januar 2019). Lernen Sie andere besser kennen! Eine multimediale Box hilft Ihnen dabei. Die Ausstellung lädt ein zum Erkunden, Mitmachen und Aktivwerden – raus aus der Box und rein ins Miteinander!

Miteiander verbundene Hände, die einen Kreis bilden
Bild © Pexels.com

Das Wetterau-Museum in Friedberg beendet ab 31. August ein großes Geschichtsprojekt. Was bedeutete der Erste Weltkrieg für die Menschen, die vor 100 Jahren in Friedberg lebten? Vier Jahre - so lange wie der Krieg - wird das Ausstellungsprojekt am Ende gedauert haben. Kapitulation - Zusammenbruch - Novemberrevolution, der vierte Teil der Chronik ist bis 30. Juni 2019 zu sehen.

Ablieferung der „Christus- und Muttergottesglocke“ der katholischen Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“ im Friedberger Schlosshof, Juli 1917. In der Bildmitte der katholische Pfarrer Georg Daus mit Arbeitern und Schaulustigen.
Ablieferung der Glocken der katholischen Pfarrkirche im Friedberger Schlosshof, Juli 1917 Bild © Stadtarchiv Friedberg

September

Volker Kriegel war ein Multitalent: Jazzmusiker, Cartoonist, Schriftsteller. Seine illustrierten Kindergeschichten voller Poesie und Leichtigkeit, brachten ihm internationale Anerkennung. Das Caricatura Museum Frankfurt zeigt vom 13. September 2018 bis 20. Januar 2019 eine Auswahl der Karikaturen, Cartoons und Bildergeschichten, die meist von komischen Alltagssituationen, Essen und Trinken und selbstverständlich auch von Musik, Kunst und Philosophie handeln.

Volker Kriegel und eine seiner Illustrationen
Volker Kriegel und eine seiner Illustrationen Bild © Inge Werth / Volker Kriegel

Sensibel gestaltete Porträts ihrer Zeitgenossen waren das Markenzeichen der Berliner Malerin Lotte Laserstein. Auf frühe Anerkennung folgte die Flucht aus Nazi-Deutschland und das schlagartige Karriereende. Im Städel Museum ist das wiederentdeckte Werk der Lotte Laserstein vom 19. September bis 13. Januar 2019 zu sehen.

Lotte Laserstein "Russisches Mädchen mit Puderdose", 1928
Lotte Laserstein "Russisches Mädchen mit Puderdose", 1928 Bild © VG Bild Kunst, Bonn 2017 Foto: Städel Museum

"Eschborn im Dritten Reich", so der Titel einer Sonderausstellung, die vom 19. September bis 10. November im Stadtmuseum Eschborn zu sehen ist. Anhand von Fotografien und Dokumenten wird das Alltagsleben zwischen 1933 und 1945 ebenso dargestellt wie das politische Leben, der Zweite Weltkrieg und Bombenangriffe bis zum Einmarsch der Amerikaner.

Szene aus Eschborn bzw. Niederhöchstadt im Zusammenhang mit NS-Propaganda vor Wahlen
Szene aus Eschborn bzw. Niederhöchstadt im Zusammenhang mit NS-Propaganda vor Wahlen Bild © Stadtarchiv Eschborn

In den Opelvillen Rüsselsheim gibt es vom 19. September bis 6. Januar 2019 eine ganz besondere Schau zu erleben. Der spanische Künstler Ernesto Ventós Omedes ist Parfümeur und er findet, dass jedes Kunstwerk seinen ganz eigenen Duft verströmt. Er hat eine Sammlung von Fotografien, Objekten und Videokunst zusammengestellt und für jedes der Werke eine eigene Duftessenz kreiert. In der Schau heißt es also nicht nur Augen, sondern auch Nase auf!

Die neue Frankfurter Altstadt ist in aller Munde. Die Schau "Die immer neue Altstadt" (22. September bis 10. März 2019) im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt zeigt die spannungsreiche Geschichte der Bauten zwischen Dom und Römer seit 1900. Der Gang durch die Geschichte offenbart die Bandbreite der Debatte über die Rekonstruktion der Altstadt.

Goldene Waage am Krönungsweg, 1936
Goldene Waage am Krönungsweg, 1936 Bild © ISG/Fiebig

"Das ist Leder! Vielseitig und wandelbar" heißt es ab dem 22. September im Ledermuseum Offenbach. Wie entsteht Leder? Wie fühlt es sich an? Was kann man damit machen? An Mitmach- und Info-Stationen gibt es viel zu entdecken. Außerdem werden Kurzfilme über die Herstellung von Taschen gezeigt. Feintäschner, Designer und Firmeninhaber sprechen darin über das Handwerk, das einen wichtigen Teil der Offenbacher Industrie- und Stadtgeschichte ausmacht.

Plakate zur Ausstellung "Das ist Leder!"
Bild © DLM/Laura Brichta

Die Schau "Im Labyrinth der Moderne" (26. September bis 13. Januar 2019) im Städel Museum Frankfurt zeigt eine Retrospektive zum Werk von Victor Vasarely. Zu sehen sind 120 Werke aus über 60 Schaffensjahren des Mitbegründers der Op-Art.

Victor Vasarely, "Homme en Mouvement", 1943
Victor Vasarely, "Homme en Mouvement", 1943 Bild © VG Bild Kunst, Bonn 2017 Foto: Szépművészeti Múzeum / Museum of Fine Arts Budapest, 2017, Dénes Józsa

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt zeigt vom 28. September bis 27. Januar 2019 eine naturwissenschaftliche Ausstellung mit dem Titel "Stages - Episoden des Lebens". Im Mittelpunkt der Schau stehen Amphibienlarven und Tiere unterschiedlichen Lebensalters, wie Grönlandhai oder Eintagsfliege. Zusammen ergeben sie beeindruckende Episoden, die die Vielfalt des Lebens abbilden.

Larvenstadium eines Zipfelkrötenfrosches
Larvenstadium eines Zipfelkrötenfrosches Bild © Arne Schulze

Buchmessen-Ehrengast Georgien bringt eine Fülle von Ausstellungen mit nach Frankfurt. Im Architekturmuseum Frankfurt kann man vom 29. September bis 13. Januar 2019 einen fotografischen Streifzug durch die kaukasische Metropole Tiflis unternehmen. Eine Stadt voller Widersprüche, mit spektkulären Neubauten und spätsowjetischen Formexperimenten, verfallenen Palästen und Straßenzügen im Neuaufbau. Chaotisch, faszinierend, Tiflis.

Fotograf unterwegs in Tbilisi
Fotograf unterwegs in Tbilisi Bild © Erik-Jan Ouwerkerk

Sendung: hr2-kultur, Frühkritik, montags bis freitags, 7.30 Uhr