Nackte Statisten im Staatstheater Kassel
Nackte Statisten im Staatstheater Kassel Bild © picture-alliance/dpa

Die Aktion sorgte schon im Vorfeld für Aufsehen: Das Staatstheater Kassel hat Statisten gesucht, die sich im Theater nackt filmen lassen sollten. 250 Menschen ließen die Hüllen fallen und werden nun Teil einer besonderen Inszenierung.

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zum Video Theaterpublikum macht sich nackig

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Normalerweise präsentieren sich Mann und Frau ja in edler Garderobe, wenn sie ins Theater gehen. Ein elegantes Abendkleid, ein schicker Anzug. Aber diesmal ist alles anders. Hüllenlos sollen sie sein, die Besucher, Haut zeigen. Nackt unter Nackten. Nichts für jedermann. Selbst diejenigen, die sich darauf einlassen, so wie David Bargel, sind zu Beginn nervös. Er hat, gesteht er lachend, sich vorher auf dem Weihnachtsmarkt ein bisschen Mut angetrunken.

Auch Heike und Friedhelm Beckmann sind dem Aufruf des Kasseler Staatstheaters gefolgt und lassen sich auf das Experiment ein. Sie sind schon lange FKK-Freunde und haben mit Nacktheit an sich kein Problem, sagen sie. Dennoch: Auch für sie ist es etwas anderes, ob sie in die Sauna gehen oder sich im Theater ausziehen - gemeinsam mit mehreren hundert Menschen.

Gegen die Diktatur der Mode

Rund 250 Menschen wollen schließlich wissen wie es ist, nackt im Theater zu sitzen. Und sich dabei auch noch filmen zu lassen. Das Ganze ist kein Selbstzweck. Das Video soll später bei der Aufführung des Theaterstücks "Operette“ eingeblendet werden.

Das gesellschaftskritische Stück des polnischen Autors Witold Gombrowicz beschäftigt sich mit der Diktatur der Mode. "In der Welt dieses Stückes richten sich alle Regeln und Gesetze nach der Frage: Wie sehe ich aus, was habe ich an?“,  erläutert Regisseur Philipp Rosendahl. In diese Welt bricht dann ein neuer Gedanke ein: Der der Nackheit.

Entkleidung mit Gesang

Nackheit ist das Subversive. Das, was nicht sein darf. Was am Ende eine Revolution anstößt und den auf reine Äußerlichkeit fixierten Staat zum Einsturz bringt. Die 250 nackten Statisten haben also eine wichtige Rolle: Ihre Entkleidung erfolgt rituell, in kleinen Schritten und mit Gesang. Nach und nach fallen alle Hüllen, bis sie völlig nackt im Theater stehen.

Fast jedenfalls. Wer will, darf hautfarbene Unterwäsche tragen. "Das war überhaupt nicht sexualisiert, pervers oder anrüchig“, sagt David Bargel später, "es war total angenehm. Durch die Choreographie hatte es sogar etwas Magisches.“ Auch die Beckmanns haben sich wohl gefühlt in ihrer Haut - und bei der Aktion sogar Bekannte getroffen. Sie verbuchen das als interessante Erfahrung.

Angezogen zur Premierenfeier

Die Erfahrung geht noch weiter. Ab Januar wird das Video der kollektiven Entblößung im Theater gezeigt. Zur Belohnung dürfen die 250 Freiwilligen am 19.Januar zur Premierenfeier des Stücks "Operette“ kommen. Dann allerdings angezogen.