Sommerbau

An der Grenze zwischen Frankfurt und Offenbach soll ein neues, Corona-konformes Freilufttheater entstehen - und zwar noch diesen Sommer. Nicht nur der Zeitplan des Projekts ist ambitioniert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Der Sommerbau soll Corona-konformes Theater möglich machen

Sommerbau
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Das Kolosseum in Rom, Shakespeares Globe Theatre in London - die Freiluftbühne, die zwischen Frankfurt und Offenbach entstehen soll, orientiert sich an großen Vorbildern. Und auch in seiner Funktion verfolgt das Projekt ehrgeizige Ziele: Es soll Theaterbesuche möglich machen in Zeiten, in denen die Kultur strengen Hygieneauflagen unterliegt. Und das noch diesen Sommer.

Die Idee

Das Künstlerhaus Mousonturm und Frankfurt LAB haben es sich zur Aufgabe gemacht, bis zum Sommer ein temporäres Freilicht-Logentheater zu realisieren. Die Open-Air-Bühne im Kaiserleiviertel zwischen Frankfurt und Offenbach, unmittelbar an der S-Bahn-Station Kaiserlei und dem Mainuferweg, sieht Platz für 200 bis 300 Besucherinnen und Besucher vor. Der Entwurf stammt von Benjamin Foerster-Baldenius und Florian Stirnemann vom Architekturkollektiv Raumlabor Berlin.

"Wir haben mit der Architektengruppe Raumlabor die idealen Partner gefunden für dieses Vorhaben", sagt Mousonturm-Intendant Matthias Pees. "Sie sind daran gewöhnt, solche temporären Bauten zu errichten und sie so professionell zu entwerfen, dass man sie in extrem kurzer Zeit errichtet und genehmigt bekommen kann." Der ambitionierte Zeitplan kommt nicht von ungefähr, schließlich unterliegt der Kulturbetrieb in der Corona-Pandemie starken Einschränkungen.

Das Konzept

Zeichnung, die den Entwurf des Sommerbaus darstellt.

Der Entwurf für den "Sommerbau" sieht ein Hexagon aus Stahlgerüsten und Holz vor. Die Besucherinnen und Besucher sitzen getrennt voneinander in Zweier-Logen, die sich über insgesamt vier Stockwerke erstrecken. Die sechseckige Spielfläche in der Mitte des Baus soll so gestaltet werden, dass auch Tanz und Gesang unter Einhaltung der Mindestabstände möglich ist.

Von Juli bis Oktober sollen täglich Proben und Aufführungen stattfinden - nicht nur vom Künstlerhaus Mousonturm und den LAB-Partner Ensemble Modern und Dresden Frankfurt Dance Company. Viele weitere Kooperationspartner aus der freien Szene und von anderen städtischen Institutionen sollen dort Raum für ihre Inszenierungen finden. "Wir wollen hier kein exklusives Gebäude des Ensemble Modern oder des Mousonturm hinstellen, sondern es für möglichst viele andere Kooperationspartner aus verschiedenen Disziplinen anbieten, zum Beispiel dem Schauspiel Frankfurt", erklärt Pees.

Dadurch soll die Vielfalt der in der Region wohnenden Menschen abgebildet werden. Um Kultur für jedermann zugänglich zu machen, setzt der Sommerbau für die meisten Veranstaltungen auf ein solidarisches Preissystem: Die Zuschauer entscheiden selbst, welchen Preis sie bezahlen können und wollen.

Die Inspiration

Der Mousonturm hat bereits Erfahrungen gesammelt mit möglichst Corona-konformen Theaterräumen. Im vergangenen Sommer ließen sie ihren Großen Saal in einen gut belüfteten Saal aus Lehm mit 19 Logen und fest verbauten Trennwänden umwandeln - den "Bau".

Matthias Pees ist vom Konzept nach wie vor überzeugt: "Als es erlaubt war, den Bau im Mousonturm zu betreiben, hat das ganz fantastisch funktioniert." Niemand hätte sich dort beim Theaterbesuch angesteckt. Auch das Publikum habe "auf den ersten Blick Vertrauen in diesen Raum gewonnen, dass sie sich dort nicht nur nicht anstecken, sondern eine Gemeinschaft finden, wie es gerade in der Corona-Krise überall so schwer möglich ist", so Pees.

Seit November sind auch dort keine Vorstellungen mehr erlaubt. Mit der erneuten Schließung reifte die Idee für eine Freiluftbühne, erzählt der Mousonturm-Intendant. Die Überlegung: Kultur mit Publikum könne wohl am ehesten draußen stattfinden. Gemeinsam mit den Architekten Benjamin Foerster-Baldenius und Florian Stirnemann sowie den Städten Frankfurt und Offenbach und dem Land wurde schließlich ein Konzept entwickelt, das die Erkenntnisse aus dem "Bau" an die frische Luft bringen soll.

Die Unterstützer

Das Grundstück im Kaiserleiviertel ist Eigentum der OFB Projektentwicklung GmbH. Sie stellt es für die temporäre Errichtung des Sommerbaus zur Verfügung. Für Architekt Benjamin Foerster-Baldenius die perfekte Wahl: "Wir sind in dieser Zwischenstadt, im Bereich zwischen Frankfurt und Offenbach. Das eignet sich für das Theater und die künstlerischen Formen, die dargeboten werden. Es ist von beiden Städten aus super erreichbar, hat eine S-Bahn-Station daneben, es ist direkt am Main. Und es gibt keine Nachbarn, also niemanden, der sich beschweren kann, dass da ein Konzert stattfindet oder eine Theateraufführung ganz extreme Geräusche produziert."

Sommerbau

Finanziert wird das 380.000 Euro teure Projekt mit Fördermitteln aus dem Landesministerium für Wissenschaft und Kunst sowie vom Bund. Bei der Realisierung des Projekts sehe er viel Kooperationswillen der Städte Frankfurt und Offenbach, sagt Mousonturm-Intendant Pees. Trotzdem appelliert er an die Politik, nicht nur finanzielle Voraussetzungen für derartige Konzepte zu schaffen. Die Bundesnotbremse sehe aktuell keine vergleichbaren Freiluftveranstaltungen vor. "Nun müssen auch die Genehmigungs- und Hygienevorraussetzungen in Frankfurt, Offenbach und in Deutschland ermöglicht werden."

Die Zukunft

Wenn es nach Matthias Pees geht, ist das Open-Air-Theater am Mainufer kein Projekt auf Zeit. "Vielleicht ist unser temporärer Bau ein Exempel dafür, was man in der Zukunft denken kann: statt den muffigen Multifunktionshallen ein großes und luftiges Freilufttheater für die kürzere Ewigkeit zu schaffen."

Benjamin Foerster-Baldenius sieht Vorteile im temporären Bau, zum Beispiel bei Genehmigungs- und Finanzierungsverfahren. Wenn die Zuschauer und die beteiligten Städte nach der Spielzeit des Sommerbaus wollten, könne man ihn aber weiter nutzen. "Das kann da auch die nächsten 20 Jahre stehen bleiben. Das ist ein Gerüstbau aus Materialien, die sehr haltbar sind. Selbst wenn es wieder abgebaut wird, wird es einen Eindruck zwischen den beiden Städten hinterlassen, der weiterhin Diskussionen und Sehnsüchte hervorruft", so der Architekt.

Weitere Informationen

Mousonturm und Frankfurt LAB setzen auf umfassendes Hygienekonzept

Neben der baulichen Trennung der Logen kommen auch im Mousonturm und Frankfurt LAB erprobte Hygienekonzepte zum Einsatz: eine sitzplatzgenaue Datenerfassung der Besucherinnen und Besucher sowie spezielle Einlassverfahren und Publikumslenkungen, um Gruppenbildungen zu verhindern. Beim Ticketkauf und der Einlasskontrolle können tagesaktuelle Corona-Testkonzepte per App eingebunden werden. Außerdem sind Testkonzepte und Quarantäneregelungen für Künstlerinnen und Künstler sowie Mitarbeitende vorgesehen.

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Sendung: hr2, 29.04.2021, 17.30 Uhr