Wimmelbild. In der mitte eine nackt Schwarze Frau, die sich die Haare rauft

Mit Kara Walker kommt eine der bekanntesten US-amerikanischen Künstlerinnen der Gegenwart in die Schirn in Frankfurt. Sie bringt Werke aus ihrem Archiv mit. Provokante und persönliche Arbeiten zu Rassismus, Sexismus und diskriminierender Gewalt.

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Kara Walker ist vor allem bekannt für ihre Scherenschnitte, die zum Teil ganze Räume füllen können. In ihrer Kunst setzt sich die Schwarze Frau mit Rassismus, Sexismus und diskriminierender Gewalt auseinander. In der Ausstellung "A Black Hole is Everything a Star Longs to Be" stellt sie erstmals Arbeiten aus ihrem Archiv zur Verfügung. Warum sich ein Besuch lohnt:  

1. Es ist eine Ausstellung voll "lauter Kunst" 

Karen Walkers Kunst ist direkt und so explizit, dass Schirn-Direktor, Phillipp Demandt, Menschen unter 15 Jahren warnt, die Ausstellung zu besuchen. Vor allem die Videos lassen wenig Raum für Interpretation. In Schattenspielen stellen bewegte Scherenschnitt-Figuren Vergewaltigungen und rassistische Gewalttaten nach.  

Kara Walker steht in ihrem Studio

Kara Walker erschafft eine "Laute Kunst", findet Katharina Dohm, die Kuratorin der Ausstellung. "Was man hier in den Arbeiten sieht, das schreit einen an. Das will gesehen werden, will wahrgenommen werden." Die Künstlerin selbst sei eher zurückhaltend, wolle nicht Frage und Antwort stehen, erklärt Dohm. Walkers Aussage sei: "Ich habe mich mit den Themen beschäftigt und jetzt stehen die Werke dort und sprechen für sich. Schaut wie ihr damit klarkommt."

2. Die Ausstellung zeigt Kara Walker ungewohnt persönlich 

In der Ausstellung der Schirn werden kaum die bekannten Scherenschnitte gezeigt. Stattdessen öffnete Kara Walker die Tür zu ihren Archiven. Über 600 Werke aus den letzten 28 Jahren sind in der Kunsthalle versammelt. Es handelt sich um ein buntes Sammelsurium an Skizzen, Kohle- und Pastellkreidezeichnungen, auf der Schreibmaschinen getippte Notizen auf Karteikarten, Seiten aus Notizbüchern und befüllten Schriftrollen.  

Die Werke waren ursprünglich nicht für eine Öffentlichkeit bestimmt. Die Entscheidung diese Stücke aus ihren verstauten Schachteln zu holen und ihnen Aufmerksamkeit zu geben sei ein Versuch "zu verstehen, welche Nachrichten, welche Ideen ich mir selbst mitteilen wollte, die ich vielleicht selbst nicht hören konnte als sie erschaffen wurden", erklärt die Künstlerin.  

In der Ausstellung kann man mit Kara Walker in ihre Gedanken eintauchen. Man kann ihren Arbeitsprozess beobachten und versuchen mit ihr gemeinsam die physisch festgehaltenen Gedanken und Ideen zu verstehen.  

3. Kara Walkers Werke spielen gekonnt mit Bild und Text 

Gemälde mit dem großem Schriftzug I Am Not My Negro. Unten rechts ist eine Schwarze Frau zu sehen, die mit dem schwarzen Hintergrund verschwimmt.

Das geschriebene Wort ist ein präsenter Bestandteil der Ausstellung. Manchmal finden sich Satzfetzen oder Fragen ohne Bebilderung auf Zetteln oder Karteikarten. Manchmal sind sie wie bei einem Comic über den Zeichnungen zu sehen. Und manchmal sind sie Teil eines großen Kunstwerks, wie auf der Kohle- und Pastellzeichnung "I Am Not My Negro" (2020), bei der der Schriftzug den Betrachtenden präsent ins Auge springt und erst beim genaueren Hinsehen eine nach vorne gebeugte Schwarze Frau in dem schwarzen Hintergrund erkennbar wird. Was Kara Walker mit der in die Werke eingeflochtenen Sprache ausdrücken will erklärt sie nicht. Es bleibt den Betrachtenden, sich mit den Worten auseinanderzusetzen.  

4. Die Ausstellung stellt den Betrachtenden Fragen 

Nicht selten sind es Fragen, die sich auf der Sprachebene finden. Fragen wie "Is Race less fluid than Gender?" Aber auch auf der Bildebene wirft Kara Walker bewusst Fragen auf, auf die sie keine Antwort gibt: "Wenn man sich die Arbeit ansieht, erkennt man, dass ich meine eigene Beziehung zu Problemen adressiere. Das ist eine Arbeit über mich. Ich habe eure Antworten nicht."   

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Audioseite Kara Walker in der Schirn

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Die Betrachtenden müssen sich zwangsläufig selbst mit den Fragen auseinandersetzen, die Kara Walker aufwirft. Für Kuratorin Dohm ist das ein zentraler Aspekt der Ausstellung: "Ich glaube, dass es hier für jeden einen Ansatzpunkt gibt. Eine Frage, die man sich selbst im Leben schon gestellt hat, die man in irgendeiner Form hier in den Werken sieht oder auch Fragestellungen die man erstmals erkennt." 

5. Die Ausstellung konfrontiert  

Kara Walkers Werke lassen es kaum zu, dass die Betrachtenden sich ihnen entziehen. Wie ein schwarzes Loch ziehen sie die Besucherinnen und Besucher weiter in die Gedankenwelt von Kara Walker und in die gesellschaftlichen Probleme, die sie aufzeigt. Sie zwingen Betrachtende schon fast dazu, sich mit den Themen und mit den eigenen Antworten und Standpunkten auseinanderzusetzen.

Ansammlung von zeichnungen in Rahmen

Die Künstlerin äußert vorsichtige Wünsche für die Ausstellung: "Mit diesen Zeichnungen, den Träumen, den kleinen Notizen möchte ich einladen, dass die Betrachtenden ihrer Identität, ihrer Beziehung zu mir und der Unsicherheit, in der wir uns gemeinsam befinden, Beachtung schenken." 

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A Black Hole is Everything a Star Longs to Be

Bis zum 18. Januar 2022 in der Schirn in Frankfurt.

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